Jesidische Mädchen und Frauen im Nordirak

Fatwa des IS zu Sklavinnen Vergewaltigung mit vielen Regeln

Stand: 29.12.2015 13:32 Uhr

Die Terrorgruppe IS inszeniert sich gern als Staat - in diese Richtung deutet auch eine Fatwa, die den Umgang mit verschleppten Menschen regelt. Sklaverei von "Ungläubigen" ist demnach in Ordnung, für Geschlechtsverkehr mit Sklavinnen gelten genaue Regeln.

Zu den menschenverachtenden Praktiken der Terrororganisation "Islamischer Staat" gehört auch die Versklavung von aus ihrer Sicht "ungläubigen" Menschen. Beim Vormarsch von IS-Kämpfern im Irak traf dies besonders auf die religiöse Minderheit der Jesiden zu, die von den Dschihadisten als Teufelsanbeter verfolgt werden. Tausende Männer wurden nach der Besetzung der Siedlungsgebiete um Nordirak getötet, Frauen und Kinder entführt und versklavt.

Der IS versucht nicht, die Versklavung geheim zu halten, sondern brüstet sich sogar damit. Offenbar wurde eine Stelle eingerichtet, die verschleppte Menschen verteilt. Darüber hinaus wurden offenbar Regeln über den Umgang mit Sklaven erlassen, nachdem Missbrauch durch deren "Eigentümer" bekannt geworden war.

Diese Regeln wurden nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters in einer Fatwa, einem religiösem Gutachten, niedergeschrieben. Exemplare dieser Fatwa Nummer 64 wurden demnach von einem US-Spezialkommando während eines Einsatzes in Syrien im Mai erbeutet. Reuters durfte nach eigenen Angaben Teile der Dokumente einsehen.

Flüchtende Jesiden an der Grenze des Irak zu Syrien | Bildquelle: REUTERS
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Zehntausende Jesiden flohen 2014 vor den IS-Kämpfern. Dennoch wurden Tausende Männer, die der religiösen Minderheit angehören, ermordet, Frauen und Mädchen verschleppt und versklavt. (Archivbild)

Eine Fatwa und der Sex

Die Fatwa beginnt mit der Feststellung, dass einige IS-Angehörige ihre weiblichen Sklaven schlecht behandelt hätten. Derartige Verstöße seien nicht von der Scharia gedeckt, wird dort betont. In den Augen der IS-Führung verstößt die Vergewaltigung, die vom IS verharmlosend als Geschlechtsverkehr bezeichnet wird, nicht gegen religiöse Regeln.

Diese unterliegen aber detaillierten Anordnungen, die Reuters wie folgt wiedergibt: Männliche "Eigentümer" von weiblichen Sklavinnen werden darauf hingewiesen, dass sie keinen Geschlechtsverkehr mit Mutter und Tochter haben dürfen, sondern entweder nur mit der Mutter oder nur mit der Tochter. Zudem dürfen Vater und Sohn nicht mit derselben Sklavin Sex haben. Analverkehr mit Sklavinnen ist demnach komplett verboten. Sollte eine Frau nach den Vergewaltigungen schwanger werden, darf sie laut der Fatwa nicht zur Abtreibung genötigt werden.

Die Fatwa legt zudem einige Grundregeln fest, die sich nicht auf sexuelle Praktiken beziehen. So sollten Sklavinnen freundlich und mitfühlend behandelt werden sowie nur Aufgaben zugewiesen bekommen, für die sie auch geeignet seien. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass Sklaven nicht an Personen verkauft werden sollen, die sie schlecht behandeln würden. Belegt ist durch Recherchen von NDR und "SZ" ein "virtueller Sklavenmarkt", auf dem Jesidinnen gehandelt werden.

Angeblich keine Strafe bei Organentnahme

Die Erkenntnisse von Reuters scheinen zur Strategie der USA zu gehören, die Grausamkeit des IS öffentlich zu machen. Vor wenigen Tagen hatte die Nachrichtenagentur schon einmal aus den angeblich erbeuteten Dokumenten zitieren dürfen. Demnach erklärte der IS die Organentnahme auch von lebendigen Gefangenen sei zulässig, wenn der "Spender" ein "Ungläubiger" sei und durch die Transplantation das Leben eines Moslems gerettet werden könne.

Wichtiger symbolischer Sieg in Ramadi

Der IS ist insbesondere im Irak unter militärischen Druck geraten. Die Stadt Ramadi wurde von der irakischen Armee befreit, Falludscha wird belagert und bereits Mitte November hatten kurdische Einheiten die Stadt Sindschar und eine wichtige benachbarte Überlandstraße unter ihre Kontrolle gebracht.

Für Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) ist die Rückeroberung von Ramadi ein wichtiger symbolischer Sieg gegen den IS. Im Irak zeige sich, dass durch die Kombination der drei Komponenten effektivere irakische Armee, Luftangriffe der US-geführten Militärkoalition und die Einbindung sunnitischer Milizen militärische Erfolge möglich seien. Im ARD-Morgenmagazin warnte Kaim aber vor Euphorie, der IS werde militärisch nicht in wenigen Wochen zusammenbrechen. Der SWP-Experte wies zudem darauf hin, dass es im Irak, aber nicht in Syrien eine international als legitim anerkannte Regierung gebe.

Markus Kaim, Stiftung Wissenschaft und Politik, zur Zukunft des IS
ARD-Morgenmagazin , 29.12.2015

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