Grenze Irland und Nordirland | Bildquelle: dpa

Sorgen der Iren und Nordiren "Grenzposten? Unvorstellbar!"

Stand: 01.12.2017 15:50 Uhr

Ein Streitpunkt bei den Brexit-Verhandlungen ist die künftige Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland. Die Anwohner im Grenzgebiet profitieren von der offenen Grenze und fürchten künftige Kontrollen.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Im Kiosk McCreesh drängelt sich die Kundschaft. Der kleine Laden in Forkhill in Nordirland, fünf Kilometer von der Grenze zu Irland entfernt, gehört zu den wenigen ersten Gewinnern des Brexit. Weil das britische Pfund so gefallen ist, kommen jetzt die Iren mit ihrem Euro ins Grenzgebiet, um billig einzukaufen, abends auszugehen oder das Wochenende hier im Hotel zu verbringen, sagt Kioskbesitzerin Bridgid.

In Forkhill glaubt niemand daran, dass das nach dem Brexit noch so bleibt. Denn dann stoßen hier die Europäische Union und Großbritannien an ihrer einzigen Landgrenze zusammen, schlimmstenfalls mit Zollposten und Grenzkontrollen. Bridgid will das nicht, wie so viele andere in Nordirland.

56 Prozent haben hier für den Verbleib in der EU gestimmt. Nebenan in der Republik Irland war die Zustimmung sogar noch größer. Trotzdem müssen sich beide Seiten jetzt damit abfinden, dass zukünftig zwischen ihnen diese EU-Außengrenze verläuft. Niemand weiß, was passieren wird, sagt Bridgid, das sei das Problem.

Neben Bridgid steht Jonston, ein Handelsvertreter, 62 Jahre alt. Er ist in Nordirland aufgewachsen und kann sich noch gut an den Bürgerkrieg erinnern, die Troubles, wie sie hier genannt werden. Er hofft, dass die neue Grenze eine ohne Patrouillen und Zollkontrollen ist, nicht wie früher. Das, sagt Jonston, wollen wir hier nicht.

Die Angst der Iren vor dem Brexit
tagesthemen 22:15 Uhr, 29.11.2017, Julie Kurz, ARD London

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Eine Straße mit mehrmaligen Grenzüberquerungen

Vom Kiosk in Forkhill nach Monaghan in der Republik Irland sind es mit dem Auto keine 50 Kilometer. Dabei überquert man die Grenze ein halbes Dutzend Mal. Raymond Aughey betreibt in Monaghan seit 26 Jahren seinen Pub. Grenzposten kann er sich hier nicht vorstellen: "Das geht gar nicht. Wenn Sie die Straße hierher gekommen sind, dann haben sie auf den letzten 20 Kilometern drei Mal die Grenze überquert. Und das ist nur diese eine Straße auf dieser einen Strecke. Glauben Sie, dass man da überall Grenzposten aufbauen kann?"

Brexit-Ausschuss: Grenzkontrollen unausweichlich

Der Brexit-Ausschuss des britischen Parlaments hält Grenzkontrollen zwischen Irland und dem britischen Nordirland nach dem EU-Austritt Großbritanniens für unausweichlich. Die Vorschläge der Regierung in London, die Kontrollen mithilfe modernster Technologie ohne Grenzposten durchzuführen, seien "ungetestet und teilweise spekulativ", heißt es in einem Bericht.

Die Republik Irland im Süden der Insel ist EU-Mitglied. Nach dem Austritt Großbritanniens entsteht eine neue Außengrenze am Übergang zum britischen Nordirland. Bisher ist die Trennlinie fast unsichtbar und kann problemlos passiert werden. Experten fürchten durch den Ende März 2019 geplanten EU-Austritt Großbritanniens erhebliche Nachteile für die Wirtschaft und sehen den Friedensprozess zwischen Katholiken und Protestanten gefährdet.

Hoffnung auf Unterstützung aus Deutschland

Raymond ist Abgeordneter im Bezirksparlament. Für die Verhandlungen in Brüssel setzt er ganz auf die Deutschen: "Wir hängen davon ab, dass Deutschland uns unterstützt. Die Deutschen wissen, wie das mit so einer Grenze ist, wie wir sie hier hatten und nicht wieder haben wollen. Sie hatten exakt dieselbe Situation."

Aber die politische Lage ist unübersichtlich. Deutschland wird nur geschäftsführend regiert, in London und Dublin arbeiten wacklige Minderheitsregierungen, und in Belfast gibt es seit fast einem Jahr gar keine Regionalregierung mehr. Raymond hofft, dass alle die Ruhe bewahren. Probleme, sagt er, werden ja nur mit ruhigem Kopf gelöst, nicht mit Gebrüll oder per Tweet.

Grenzfrage: In Irland und Nordirland wächst die Sorge
Thomas Spickhofen, WDR London
01.12.2017 15:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 01. Dezember 2017 Deutschlandfunk um 13:00 Uhr und NDR Info um 16:45 Uhr.

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