Irans Außenminister Zarif | Bildquelle: AP

Syrien-Konferenz in Wien Die ganz eigenen Interessen des Iran

Stand: 30.10.2015 11:54 Uhr

Auf den iranischen Außenminister richten sich zurzeit viele Augen: Denn auf der Syrien-Konferenz in Wien sitzt er erstmals mit am Tisch, um über eine Lösung des Konflikts zu beraten. Doch welche Rolle spielt der Iran in Syrien?

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Bashar al-Assad wäre als Herrscher Syriens ohne die Hilfe des Iran längst Geschichte. Teheran hat etliche Milliarden Dollar investiert, um den 50-jährigen Diktator an der Macht zu halten. Teheran hat Öl und Treibstoff geliefert, außerdem Waffen und Munition, Militärberater und Kämpfer.

Die iranische Regierung macht keine Angaben darüber, wann welche Leistungen erbracht worden sind und bestreitet, militärisch aktiv in den Konflikt verstrickt zu sein. Lediglich Berater habe man entsandt.

Till Rüger, ARD Wien, zur Syrien-Konferenz in Wien
tagesschau 17:00 Uhr, 30.10.2015

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In Syrien kämpfen iranische Revolutionsgardisten

Doch die hohe Zahl getöteter Revolutionsgardisten spricht dagegen. Washington geht davon aus, dass der Iran ungefähr 2000 Mann zur Unterstützung im Einsatz hat, um das Assad-Regime zu unterstützen.

Der Sarg von Abdullah Bagheri, bekanntes Mitglied der Revolutionsgarden, wird durch die Straßen Teherans getragen. | Bildquelle: dpa
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Der Sarg von Abdullah Bagheri, bekanntes Mitglied der Revolutionsgarden, wird durch Teheran getragen.

Seit Jahrzehnten ist Syrien der wichtigste Verbündete der Islamischen Republik in der arabischen Welt. Syrien ist für den Iran auch als Brücke in den Libanon und zu der vom Iran aufgebauten und alimentierten Hisbollah enorm wichtig. Geht Syrien für den Iran verloren, droht der Schiitenmiliz Hisbollah im Libanon die Austrocknung. Deshalb kämpft die Hisbollah als Irans Stellvertretertruppe verbissen an der Seite Assads.

Gibt es doch eine Lösung ohne Assad?

Immer wieder waren im Iran in den vergangenen Jahren Meldungen im Umlauf, Teheran könne sich auch eine Lösung ohne Präsident Assad vorstellen. Derartige Berichte und deren rasche Dementierung spiegeln die unterschiedlichen Fraktionen im Iran wider.

Präsident Rohani und dessen Außenminister Zarif bekundeten ihre Bereitschaft, bei der Lösung der Syrien-Krise eine konstruktive Rolle spielen zu wollen. Es wäre für beide die Fortsetzung des mit den erfolgreichen Atomverhandlungen angeschobenen Öffnungs- und Versöhnungsprozesses.

Revolutionsführer Ali Khamenei und die ihm unterstellten Revolutionswächter zeigen hingegen noch keine Kompromissbereitschaft. Insofern ist die Teilnahme des Iran in Wien als de-facto-Kriegspartei in Syrien auch von großem Wert innerhalb des Landes.

Der Iran zahlt einen hohen Preis

Je mehr Teheran zur Beilegung regionaler Belange herangezogen wird, umso größer wird auch der innenpolitische Druck, überkommene Positionen zu überdenken.

Der Preis für ein unbedingtes Festhalten an Diktator Assad ist für einen mit sozialen und wirtschaftlichen Nöten befrachteten Iran inzwischen ziemlich hoch.

Irans Interessen in Syrien
R. Baumgarten, ARD Istanbul
30.10.2015 10:56 Uhr

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