Autobombenexplosion | Bildquelle: dpa

Anschlag im Irak 30 Tote - kein Wort im TV

Stand: 02.01.2017 17:14 Uhr

Wieder hat der IS zugeschlagen - wieder gab es einen Anschlag in Bagdad. Nach den beiden Attentaten zum Jahreswechsel wurden beim Zünden einer Autobombe mehr als 30 Menschen getötet. Das irakische Fernsehen verschwieg das Attentat.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Fröhliche Neujahrsgrüße bei "Al-Iraqiya": "Happy New Year, happy New Year". Im staatlichen irakischen Fernsehen ist die Welt noch in Ordnung. Das Laufband am Bildrand erklärt, wie gut Knoblauch und Rosinen für die Gesundheit sind. Von der neuen Anschlagsserie des IS kein Wort, auch nicht in den Nachrichten. Nichts soll die Kampfmoral derer schwächen, die versuchen, den IS aus Mossul zu vertreiben.

Während Abba im Fernsehen ein "Happy New Year" wünschen, stehen Menschen in Sadr-Stadt, einem Stadtteil von Bagdad, an einer Straßenkreuzung, fassungslos: Nun zündete hier ein Selbstmordattentäter des IS eine Autobombe - mehr als 30 Menschen waren sofort tot, viele von ihnen Tagelöhner. Eine alte Frau ruft: "Wer ist dafür verantwortlich? Und warum passiert sowas? Immer werden die jungen Leute getötet!"

Mehrere Tote bei Anschlag in Bagdad
tagesthemen 23:15 Uhr, 02.01.2017

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Bagdad ist Hochsicherheitszone

Längst ist Bagdad zu einer Hochsicherheitszone ausgebaut. In die meisten Viertel kommt man nur noch mit einem Passierschein. Dennoch war es erst am Samstag dem IS gelungen, drei Bomben in der Hauptstadt hochgehen zu lassen, mindestens 29 Menschen starben. Am Sonntag dann: Ein Angriff von IS-Selbstmordattentätern auf einen Kontrollpunkt bei der Stadt Najaf, der mindestens sieben Polizisten das Leben kostete.

Hollande will Mut machen

Aus den eigenen Medien erfahren die Iraker davon wenig; der französische Präsident Francois Hollande, derzeit zu Besuch, spricht den Menschen aber Mut zu: "Wir haben einen gemeinsamen Feind - das ist der Terrorismus, das ist der IS, das ist der Fundamentalismus. Diesen Feind müssen wir dort zur Strecke bringen, wo er ist - im Irak, in Syrien."

Das französische Militär unterstützt die irakische Armee mit Ausbildern, Beratern und Artillerie, die Luftwaffe fliegt Angriffe auf IS-Stellungen im Irak und in Syrien, als Mitglied der internationalen Koalition. Hollande sagt, innerhalb "von Wochen" werde Mossul aus der Gewalt des IS befreit sein.

Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi hatte dafür vor wenigen Tagen noch drei Monate veranschlagt. Denn in Mossul leisten die Dschihadisten auch weiterhin heftigen Widerstand. Und nun gelang es ihnen sogar, eine wichtige Straßenverbindung von Mossul nach Bagdad zu kappen.

Der IS mutiert

Die amerikanischen Militärberater sind mit der Leistung der am Sturm auf die IS-Hochburg beteiligten irakischen Soldaten dennoch sehr zufrieden, trotz solcher Rückschläge. US-Brigadegeneral Rick Uribe sagte gestern in Bagdad: "Die irakischen Sicherheitskräfte sind jetzt auf ihrem Höhepunkt. Und sie dürften noch besser werden, weil sie jeden Tag ihre Lehren aus dem Einsatz ziehen."

Mittlerweile habe man mehr als sechzig Prozent des Ostteils von Mossul befreit, meldet die irakische Armee. Der IS reagiert mit Anschlägen wie dem in Bagdad, mit einer Terrorwelle - jede Bombe gedacht als Entlastungsangriff, mit dem die irakische Regierung gezwungen werden soll, Sicherheitskräfte von der Bodenoffensive auf Mossul abzuziehen. Während also das Kalifat schrumpft, mutiert der IS - er kehrt zurück zu seinen Wurzeln als reine Terrororganisation.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Januar 2017 um 11:00 Uhr.

Darstellung: