Kulturstätte im Nordirak IS zerstört historische Stadt Nimrud

Stand: 06.03.2015 12:09 Uhr

Der IS setzt die Vernichtung von Kulturgütern im Nordirak fort. Laut Behörden begannen IS-Kämpfer mit der Zerstörung der Jahrtausende alten Stadt Nimrud. Die Unesco verurteilte die Tat als Kriegsverbrechen.

Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben die Jahrtausende alte Stadt Nimrud südlich von Mossul überrannt. Das berichtete das irakische Amt für Tourismus und Altertümer auf seiner Facebook-Seite. Demnach begannen IS-Mitglieder damit, die antiken Stätten von Nimrud "mit schweren Militärfahrzeugen" zu zerstören.

Terrormiliz IS zerstört antike Ruinenstadt Nimrud
tagesschau 20:00 Uhr, 06.03.2015, Matthias Ebert, ARD Kairo

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Unesco-Chefin Irina Bokowa verurteilte die Tat als Kriegsverbrechen. Dieser neue Angriff auf das irakische Volk rufe in Erinnerung, dass die im Irak wütende kulturelle Säuberung nichts und niemanden ausspare. Sie mache auch vor der systematischen Zerstörung von Jahrtausende altem Erbe der Menschheit nicht halt. Sie rief alle Verantwortlichen auf, "sich gegen diese neue Barbarei zu erheben und daran zu erinnern, dass es keinerlei politische oder religiöse Rechtfertigung für die Zerstörung von kulturellem Erbe der Menschheit gibt." Angesichts dieser Taten dürfe niemand schweigen.

Nimrud (Archivbild 2001) | Bildquelle: AFP
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Die alte Stadt Nimrud auf einem Archivbild aus dem Jahr 2001

Einstige Hauptstadt Assyriens

Nimrud ist eine bedeutende assyrische Ruinenstätte knapp 40 Kilometer südlich der vom IS besetzten Stadt Mossul. Die Stadt wurde um 1270 v. Chr. gegründet und war zeitweilig die Hauptstadt Assyriens. Ihr Name leitet sich vom biblischen König Nimrod ab. Ausgrabungen brachten im 19. und 20. Jahrhundert Festungsruinen, Tempelanlagen, Obelisken und reich verzierte Reliefs hervor.

Ein Beamter vor Ort bestätigte laut der Nachrichtenagentur AFP die Angaben des Ministeriums. Bisher sei noch unklar, wie weit die Zerstörungen reichten. Es seien auch Lastwagen gesehen worden, die womöglich zum Abtransport von Kunstgegenständen verwendet wurden.

Erst Ende Februar hatten die IS-Dschihadisten ein Video veröffentlicht, das die Zerstörung assyrischer Kulturgüter aus der Provinz Ninive zeigt, darunter eine mehr als 2600 Jahre alte Figur. Der etwa fünf Minuten lange Film zeigt, wie Islamisten im Museum in der IS-Hochburg Mossul mit großen Hämmern auf die Stücke einschlagen oder sie umstürzen, so dass sie zu Bruch gehen.

Geschäft mit der Kunst?

In dem Video erklärt ein IS-Anhänger, die Statuen hätten Assyrern und anderen Völkern der Vielgötterei gedient. Auch der Prophet Mohammed habe alle Götzenfiguren zerstört, als er nach Mekka gekommen sei. Der IS beruft sich dabei auf eine Interpretation des Islams, die die bildliche Darstellung von Menschen und Gott verbietet. Die Extremisten stehen im Verdacht, sich teilweise durch den Verkauf von archäologischen Fundstücken aus Grabungen und Museen zu finanzieren.

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