Demokraten in Iowa | Bildquelle: AFP

US-Vorwahl in Iowa Selbst Ehepaare sind sich nicht einig

Stand: 02.02.2016 09:02 Uhr

Die Wahlbeteiligung in Iowa war deutlich höher als vor vier Jahren: Das lag auch daran, dass der befürchtete Schneesturm ausblieb. Und natürlich an den polarisierenden Bewerbern. Sogar Eheleute waren sich nicht immer über den richtigen Kandidaten für das Weiße Haus einig.

Von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington, zzt. Des Moines

"Gotte segne diesen großartigen Staat Iowa", sagte Ted Cruz nach seinem Wahlsieg. Dies sei ein Sieg für den mutigen Konservatismus gewesen. Auch Bernie Sanders, der linke Kandidat der Demokraten, ließ sich minutenlang von seinen Anhängern feiern: "Vor neun Monaten hatten wir noch keine Organisation und kein Geld." Jetzt ist er auf Augenhöhe mit der erfahrenen Kandidatin Hillary Clinton.

Knapp 200 Wähler hatten sich in den kleinen Abstimmungsraum in Des Moines, der Hauptstadt von Iowa, gequetscht. Dann wurde per Handzeichen abgestimmt. 84 zu 83 mit einer Stimme Mehrheit hatte Sanders in diesem Wahllokal gegen Clinton gewonnen. Die Überschrift dieser Wahlnacht heißt also: Es war knapp.

Familienzwist bei den Demokraten

Selbst Ehepaare wie Lisa und Tim waren gespalten. Sie hat für Clinton gestimmt und er für Sanders: "Ich bin ein bisschen sauer. Wir sind verheiratet, und ich habe um eine Stimme verloren," sagt Lisa. Sie hatte schon 2008 für Clinton gestimmt, diesmal hat ihre Kandidatin zumindest nicht verloren. Die Wähler von Iowa scheinen gespürt zu haben, dass es diesmal auf jede Stimme ankam. Die Wahlbeteiligung war so hoch, dass es viel länger dauerte als erwartet, bis sich alle registriert hatten.

In den Abstimmungsräumen war nicht mal mehr Platz für frische Luft. Selbst der befürchtete Schneesturm war ausgeblieben. So konnten sich die Menschen auch im ländlichen Iowa auf den Weg in die Wahllokale machen.

Ein Caucus erinnert mehr an die Wahl eines Klassensprechers als an die eines Präsidentschaftskandidaten. Zu Beginn wird der Treueschwur auf die amerikanische Fahne abgelegt.

Bei den Republikanern durfte dann für jeden Kandidaten ein Unterstützer sprechen. Für den Gewinner des Abends, den ultrakonservativen Ted Cruz, kam eine Ärztin aus Texas auf die Bühne. "Eure Entscheidung kann nicht nur dieses Land ändern, sondern die ganze Welt. Und dafür müsst ihr wissen, was der Kandidat gemacht hat. Ihr müsst ihn nach seinen Früchten beurteilen."

Reportage aus der Wahlnacht in Iowa
Sabrina Fritz, ARD Washington
02.02.2016 07:43 Uhr

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Rückkehr zu alten Werten

Im Fruchtkorb von Cruz liegen Rückkehr zu alten Werten, Verfassungstreue, Bibeltreue - und weg mit "Obamacare". Damit hat er sich doch ziemlich deutlich vor Donald Trump geschoben. Auch der dritte Platz ist bemerkenswert. Marco Rubio, von dem in den vergangenen Wochen ziemlich wenig zu hören war, hat einen guten dritten Platz eingefahren. "Seit Monaten haben sie nicht mehr mit uns gerechnet", sagte er in Iowa.

Damit ist Trump in die Zange genommen. "Wir sind so glücklich, wie das alles gelaufen ist", sagte der und machte sich auf den Weg nach New Hampshire - das nächste Wahlziel. Das Fazit der ersten Vorwahl 2016: Es ist alles weiter offen.

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