Eine Unterstützerin hält eine Russland-Flagge vor dem Gebäude des IOC nahe Lausanne | Bildquelle: AFP

Reaktionen in Russland "Eine harte IOC-Entscheidung"

Stand: 06.12.2017 12:33 Uhr

Die IOC-Entscheidung, Russland als Nation von den Winterspielen 2018 auszuschließen, sorgt im Land für heftige Reaktionen. Sie reichen von Bedauern über Boykott-Aufrufe bis hin zur Überzeugung, dass die, die es dürfen, unbedingt nach Südkorea fahren müssen.

Von Sabine Stöhr, ARD-Studio Moskau

Keine russische Flagge, keine russische Hymne, keine - formal - russischen Sportler bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea. So hat das IOC entschieden. Stattdessen: Ein sogenanntes "Team russischer Sportler" unter der Flagge mit den olympischen Ringen. Neutral. Das IOC wird die Sportler einzeln einladen, und auch nur die, die nachweislich nicht gedopt haben.

In Russland reagiert man darauf überwiegend so, wie der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Alexander Schukow, der die Entscheidung als hart bezeichnete. Er erklärte aber auch: "Es ist sehr wichtig, dass das IOC damit jetzt einen Punkt hinter diese Doping-Affäre setzen möchte. Sie sehen ein, dass wir kolossale Arbeit geleistet haben, um unser Anti-Doping System in Ordnung zu bringen. Aber natürlich ist das Fehlen der Flagge und der Hymne ein großes Minus."

Fahren oder nicht fahren?

Abgeordnete der Duma waren deutlich emotionaler und drohten direkt nach der Entscheidungen mit Boykott. Das sei demütigend, Russland könne sich so etwas nicht bieten lassen - es sei schließlich eine Sportgroßmacht und müsse das IOC in seine Schranken weisen. Dabei hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow schon dementiert, dass es Pläne dafür gebe, die Spiele ohne Russland stattfinden zu lassen. Das seien Einzelmeinungen - und der Kreml mahnte mehr Sachlichkeit an.

Die Duma will am Freitag ein Statement zu ihrer Haltung abgeben. Am Dienstag kommender Woche ist dann eine große Versammlung mit den olympischen Athleten und dem russischen Nationalen Olympischen Komitee geplant. Zusammen wolle man festlegen, ob die Sportler nach Südkorea fahren oder nicht. Die anerkannte Eiskunstlauftrainerin Tatjana Tarasowa sagte aber schon: "Unsere Sportler haben das Recht, bei den Olympischen Spielen anzutreten, unter neutraler Flagge und sie werden nicht nur Personen in Weiß sein, sondern als russisches Team bezeichnet. Als russische Athleten unter der IOC-Flagge." Unter den gegebenen Umständen begrüße sie das, erklärte Tarasowa.

Russland streitet alle Vorwürfe ab

Auch Kremlkritiker Alexej Nawalny sprach sich dafür aus, dass die russische Mannschaft nach Südkorea fährt - allerdings eher aus taktischer Sicht: "Vor allem weil es ein Geschenk für Wladimir Putin sein wird, wenn sie nicht fahren. Die ganze Wahlkampagne wird sich darum drehen." Er befürchtet eine Hysterie: "Nach dem Motto: Schaut euch das an! Europa und Amerika dopen ohne Ende und nur wir werden nicht zugelassen. Deshalb müssen sich dann alle um unseren nationalen Führer scharen."

In Russland erkennt man den McLaren-Report nicht an und streitet die darin aufgeführten Vorwürfe ab, dass es systematisches Doping im Land gegeben haben soll. Einzelfälle ja, aber für alles andere wolle man erst rechtskräftige Beweise sehen.

Russland fühlt sich durch IOC-Entscheidung erniedrigt
Sabine Stöhr, ARD Moskau
06.12.2017 11:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Dezember 2017 um 12:00 Uhr.

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