Deutscher in Rom in Haft Rätselhaftes Ende einer Kreuzfahrt

Stand: 04.03.2017 13:18 Uhr

Es ist ein rätselhafter Fall: Eine Frau verschwindet auf einer Kreuzfahrt, ihr Mann will ohne sie zurück nach Hause. Nun sitzt er in Italien in Haft: Er wird beschuldigt, sie umgebracht zu haben - doch Beweise fehlen.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Dieser Fall gibt Rätsel auf: Daniel B., der in Eberswalde in Brandenburg geboren wurde, aber seit Jahren in Irland lebt, ist dabei vielleicht das größte Rätsel. Schon seit einigen Tagen sitzt er im römischen Gefängnis Regina Coeli in Untersuchungshaft.

MSC Magnifica (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Am 9. Februar ist die Familie an Bord des Kreuzfahrtschiffes gegangen, am 20. zurückgekommen - ohne die Frau.

Der Fall beginnt mit einer Kreuzfahrt: Daniel B., seine chinesischstämmige Frau und ihre zwei Kinder sind am 9. Februar in Civitavecchia zu einer Mittelmeerkreuzfahrt aufgebrochen. Doch am 20. Februar kommen nur B. und die Kinder zurück. Das Paar hatte offenbar schwierige Ehejahre hinter sich, mit Streit und einer finanziell immer prekäreren Situation.

Der Verdacht: Mord

Auch für Daniel B. ging die Kreuzfahrt nicht gut aus: Der 44-Jährige wurde in Rom kurz vor dem Rückflug nach Dublin festgenommen. Er wird nun verdächtigt, seine Frau umgebracht zu haben.

"Für die Staatsanwaltschaft war es sofort ein Mord", berichtet sein Anwalt Luigi Conti. "Also brauchen wir eine Leiche. Das ist etwas anderes als einen Vermissten lebend zu finden. Weil die Staatsanwälte vom Tod überzeugt sind, fehlt die Leiche." Der Anwalt fordert, sich nicht schon vorab eine Wahrheit zusammenzubasteln. Schließlich gebe es niemanden, der eine derart schwere und grausame Tat bezeuge.

Spuren oder Hinweise: keine

Am 10. oder 11. Februar soll der Mord passiert sein. Genau kann das niemand sagen. Spuren gibt es laut den Anwälten keine, auch keine Anzeichen für einen akuten Streit des Paares. Und: B. hat sich offenbar auch keine Mühe gegeben, eventuelle Spuren zu verwischen.

"Er hat vier Stunden lang dem Untersuchungsrichter Rede und Antwort gestanden und jede Frage beantwortet - das ist wichtig", betonen die Anwälte. "Gegenüber uns hat er ausgeschlossen, seine Frau umgebracht zu haben. Er gibt an, seine Frau habe gesagt, sie verschwinde, wie das früher schon mal vorgekommen ist, und, dass sie die Kreuzfahrt abbrechen wolle."

Schon früher sei die Frau tagelang verschwunden gewesen. Sie habe sich länger in China aufgehalten, ohne dass ihr Mann eine Spur von ihr hatte. Aber ein Lebenszeichen der Frau gibt es jetzt eben auch nicht. Auf dem Schiff hat sie sich nicht ausgecheckt. Weder in Griechenland, wo sie von Bord gegangen sein soll, noch in Irland noch in China ist sie aufgetaucht.

Die Suche: schwierig

Das Verhalten von Daniel B. ist mindestens ungewöhnlich. Er trat die Heimreise mit den Kindern an, ohne seine Frau vermisst zu melden. An Bord sagte er den Stewards, er brauche nur noch drei Betten, nicht mehr vier. "Er war ganz ruhig und gelassen", sagt sein Anwalt. "Und das ist einen Tag passiert, nachdem er - laut der Anklage - seine Frau umgebracht haben soll. Ich frage: Ist das normal? Nein. Er hätte sich etwas anmerken lassen müssen. Stattdessen: nichts." Theoretisch ist auch ein Selbstmord der Frau auf hoher See denkbar.

Während nach der Frau gesucht wird, mögliche Zeugen befragt und Beweise gesammelt werden, bleibt Daniel B. in Untersuchungshaft. In gut zwei Wochen muss eine Entscheidung fallen, ob es dabei bleibt. Bisher sehen die Richter Fluchtgefahr, auch weil B. keinen Wohnsitz in Italien hat. "Er ist im Gefängnis und seine Kinder sind in einer Betreuungseinrichtung", erklärt seine Anwältin Laura Camomilla. Es müsse also auch entschieden werden, wo die Kinder bleiben können, auch das hänge vom Richter ab.

Seine Anwälte wollen eine genauere Untersuchung beantragen. Doch so lange von B.s Frau jede Spur fehlt, wird es schwer eine Entscheidung zu treffen. Es kann sein, dass der Deutsche noch länger in Rom in Haft bleibt.

Rom - Rätselhafter Fall um einen inhaftierten Deutschen
J.-C. Kitzler, ARD Rom
04.03.2017 11:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. März 2017 um 07:51 Uhr und NDR Info um 09:50 Uhr

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