Inder stehen an einer Bank in Neu-Delhi an.  | Bildquelle: dpa

Rupien-Umtausch in Indien Chaos bis zum Jahreswechsel - mindestens

Stand: 30.12.2016 15:58 Uhr

Der Rupien-Umtausch in Indien sorgt immer noch für Chaos und Unmut in der Bevölkerung. Dabei hatte die Regierung versprochen, die Probleme bis Jahresende zu lösen. Nun spricht der Premier zum Volk.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Am letzten Tag des Geldumtauschs in Indien gab es nochmal lange Warteschlangen vor den Banken. Heute endete die 50-Tage-Frist für die Rückgabe alter 500- und 1000-Rupienscheine, die Premierminister Narendra Modi am 8. November kurzerhand für ungültig erklärt hatte. Ab dem 1. Januar 2017, so hieß es, würden keine alten Scheine mehr angenommen. Wer dann noch welche im Besitz habe oder in Umlauf bringen wolle, mache sich strafbar.

Riesiger bürokratischer Aufwand

Stundenlange Wartezeiten mussten die Inder in den vergangenen Wochen auf sich nehmen. Denn der Umtausch ist mit einem gewaltigen bürokratischen Aufwand verbunden. Immerhin wollte die Regierung mit diesem Schritt die Schattenwirtschaft unterbinden, die Korruption bekämpfen und das vermutete Schwarzgeld vieler Inder in den offiziellen Geldkreislauf zurückholen.

Die Stimmung unter den Wartenden ist unterschiedlich. "Die Reichen kommen klar, aber wir kleinen Leute müssen hier in der Warteschlange stehen, um Geld zu bekommen. Für die einfachen Leute bedeutet die Situation nur Probleme", sagt eine Frau.

Ein Mann in der Warteschlange hingegen hält die Entscheidung des Premierminister für eine gute. "Es ist schon viel besser geworden und es wird noch besser. Er sollte noch mehr solche mutigen Entscheidungen treffen", sagt er.

Entscheidung war nicht abgesprochen

Die Entscheidung des Premierministers, die 500- und 1000-Rupienscheine aus dem Verkehr zu ziehen und durch neue Banknoten zu ersetzen, war offenbar nicht einmal mit den Banken abgesprochen. Bis heute gibt es große Probleme bei der Ausgabe von neuen Geldscheinen. An den wenigen Geldautomaten, die schon auf die neuen Scheine umgerüstet wurden, entstehen lange Warteschlangen. Pro Transaktion erhält jeder nur 2000 Rupien, umgerechnet knapp 30 Euro.

Manche Menschen befürchten, dass sich die Politiker bereichern könnten: "Sie haben so viel Geld eingesammelt und  was wird daraus? Das meiste teilen sich unsere Politiker bestimmt untereinander auf. 80 Prozent unseres Geldes verschwindet doch normalerweise in deren Taschen", sagt einer der Wartenden. "Sie haben uns gesagt, dass jetzt das ganze Schwarzgeld zurückkommt. Und was werden sie damit machen?"

Probleme bis Jahresende erledigt?

Premierminister Modi hat eine Fernsehansprache angekündigt. Der Regierungschef geht nach wie vor davon aus, dass seine Maßnahme die Wirtschaft in Indien ankurbeln wird. Die Probleme der Umstellung würden bis Ende des Jahres vorüber sein, hatte er Anfang November versprochen. Kurz vor dem Jahreswechsel sieht es nicht danach aus.

Letzten Tag zum Geldumtausch in Indien
B. Musch-Borowska, ARD Delhi
30.12.2016 15:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Dezember 2016 um 15:41 Uhr

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