Air-India-Maschinen stehen auf dem Flughafen von Mumbai | Bildquelle: REUTERS

Zwischenfall bei Air India Erst prügeln, dann Entschuldigung fordern

Stand: 24.03.2017 14:43 Uhr

Der indische Abgeordnete Gaikwad hat einen Air-India-Mitarbeiter angegriffen, weil er nicht in der Business Class sitzen durfte. Dabei gab es in dem Jet nur Economy-Plätze. Einsicht ist vom Politiker nicht zu erwarten - er fordert eine Entschuldigung.

Von Jürgen Webermann, ARD-Studio Südasien

Dass Ravinda Gaikwad ein Raubein sein könnte, das kann man schon aus seiner Parteizugehörigkeit schließen. Die Shiv Sena ist eine sehr nationalistische Partei, die noch nie um radikale Sprüche verlegen war. Politiker in Indien sind es außerdem gewohnt, bevorzugt behandelt zu werden. Und so war der Parlamentsabgeordnete Gaikwad stinksauer, weil die Fluglinie Air India ihm auf dem Flug von Pune nach Delhi keinen Platz in der Business Class anbieten konnte.

Standbild der Air-India-Webseite
galerie

So entspannt hatte sich Gaikwad wohl seinen Flug vorgestellt.

Aus Protest weigerte er sich, nach der Landung das Flugzeug zu verlassen. Als der Air-India-Mitarbeiter Sukumar Raman ihn besänftigen wollte, brannten Gaikwad die Sicherungen durch. "Eine seiner Sandalen lag auf dem Gang auf dem Boden. Er hob sie auf und schlug mich damit. Meine Kollegen versuchten, ihn zu stoppen, aber er schubste mich und schlug weiter auf mich ein. Er beschimpfte mich dabei sehr übel", erzählt der Air-India-Mitarbeiter. Ramans Brille ging bei der Prügelorgie zu Bruch.

"Was soll daran falsch sein?"

Dabei hatte Air India gar keine Wahl, als dem Parlamentarier einen Platz in der Economy zu geben. Das betreffende Flugzeug hatte keine Business Class. Gaikwad durfte immerhin standesgemäß in der ersten Reihe sitzen.

Nach eigener Darstellung war der Abgeordnete noch aus einem ganz anderen Grund sauer auf den Air-India-Mitarbeiter:

"Er sagte mir, ich solle mich bei Modi beschweren. Er sagte einfach nur Modi. Wie kann dieser Mann unseren Premierminister einfach nur Modi nennen? Er hätte stattdessen Premierminister Narendra Modi sagen sollen! Also  habe ich ihn verprügelt. Was soll denn daran falsch sein?"

Alle fordern eine Entschuldigung

Times of India @timesofindia
.@IndiGo6E cancels Shiv Sena MP Ravindra Gaikwad's ticket on a Delhi-Pune flight for today, reports ANI

Air India reagierte prompt. Die Fluggesellschaft stornierte Gaikwads Ticket zurück nach Pune. Dem zornigen Politiker blieb nichts anderes übrig, als bei der privaten Fluglinie IndiGo nach einem Ticket zu fragen. Aber die Mitarbeiter dort weigerten sich ebenfalls, ihm eines auszustellen - genauso wie alle anderen indischen Fluggesellschaften. Erst müsse sich Gaikwad entschuldigen.

Der sieht die Sache aber ganz anders. Nein, Air India müsse sich bei ihm entschuldigen, sagte er. Nicht nur für Sukumar Raman, sein Prügelopfer, sondern auch für den miesen Service.

Indischer Politiker verprügelt Mitarbeiter von Air India
J. Webermann, ARD Neu-Delhi
24.03.2017 14:50 Uhr

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