Flüchtlinge warten in der Nähe von Idomeni in Griechenland. | Bildquelle: AFP

Flüchtlinge in Idomeni Warten, wie es weitergeht

Stand: 21.03.2016 03:03 Uhr

In Idomeni haben Helfer Infos zum EU-Abkommen mit der Türkei in mehreren Sprachen ausgehängt. Einigen hier bereitet der Pakt Sorgen, sie fordern weiter nach legalen Wegen der Umsiedlung. Viele der Flüchtlinge richten sich darauf ein, weiter in Idomeni auszuharren.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Idomeni - eine Wiese am Rande des Flüchtlingscamps. Es sind ein paar Hundert Flüchtlinge, die sich im saftigen Grün an den Händen halten, kurdische Flaggen sind zu sehen, manche tanzen und singen. Sie feiern das kurdische Neujahrsfest. Nicht weit weg, mitten in der Zeltstadt, die von weitem harmlos bunt wirkt, brennen kleine Holz-Feuer.

Ein Lkw hat frisches Holz gebracht - denn die Nächte sind noch kalt - auch wenn der Regen endlich abgezogen ist. Kinder und Frauen tragen dickflüssige Suppen in Plastikbechern, manchen sieht man an, dass sie das regelmäßige Essen hier im Lager sehr genießen. Ein Reporter kommt etwas verschämt aus einem der Toilettenhäuschen, ein Afghane winkt ihn zu sich - reicht ihm aus seinem Zelt stolz ein Stück Seife. Der Reporter bedankt sich nach kurzem Zögern und wäscht sich die Hände - neben einem Jungen, der sich mit kaltem Wasser das Shampoo aus den Haaren spült.

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Aufnahmelager Idomeni versinkt im Schlamm (Stand: 10. März 2016)

Flüchtlinge stehen im Regen vor zahlreichen Zelten

Tausende Flüchtlinge sitzen nach der Schließung der Grenze zu Mazedonien weiterhin im griechischen Idomeni fest. Durch den anhaltenden Regen im Norden Griechenlands versinkt das Zeltlager im Wasser und Schlamm. | Bildquelle: dpa

Legale Wege der Umsiedlung

Finstere Mienen sind auch immer wieder zu sehen in Idomeni. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat mehrsprachig die Neuigkeiten vom EU-Gipfel-Ergebnis in mehreren Sprachen an eine Info-Tafel gehängt. Babar Balach, Koordinator vom UNHCR in Idomeni, hat einige Kameras um sich versammelt und kritisiert den Deal mit der Türkei, Flüchtlinge über die Ägäis wieder zurückschicken. Genau das Falsche, sagt er: "Deshalb werden wir nicht aufhören, nach legalen Wegen der Umsiedlung zu fragen. Um dafür zu sorgen, dass die Flüchtlinge menschlicher - wo auch immer - aufgenommen werden. Es muss einen Weg geben, der diese verzweifelten Flüchtlinge davor bewahrt, sich gewissenlosen Schleusern und Menschenhändlern anzuvertrauen."

Nach der gesperrten Balkanroute jetzt auch noch Rückführungen in die Türkei. "Verstehe ich nicht", sagt ein Mann aus dem Irak. Er will wegen des im Moment unüberwindbaren Zauns an der Grenze zu Mazedonien nach Athen zurück. "Geh bloß nicht nach Athen - völlig überfüllt", sagt Herakles, ein freiwilliger griechischer Helfer. Für Flüchtlingsfamilien sei es dort ganz schlecht. Also richten sich wohl viele der Menschen hier im Camp auf eine längere Zeit in Idomeni ein.

Leben an der Grenze: das Flüchtlingslager Idomeni | Bildquelle: AFP
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Leben an der Grenze: das Flüchtlingslager Idomeni

Mobiles Krankenzentrum

Das Deutsche Rote Kreuz hat aus Berlin ein mobiles Krankenzentrum auf Lkw gepackt - gemeinsam mit dem Finnischen Roten Kreuz soll mit dem Aufbau begonnen werden - in Nea Kavala und einem zweiten Standort nicht weit weg von Idomeni. Alexandra Burck, die Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes in Idomeni, sagt, die Gesundheitsstation sei für die Versorgung von 10.000 Menschen ausgelegt: "Es sind Zelte, so können wir uns auch auf schnelle Veränderungen einstellen. Sollten also sich die Flüchtlingsrouten ändern, können wir uns da gut anpassen. Deshalb planen wir auch, mindestens vier Monate hier in Nordgriechenland im Einsatz zu bleiben mit der mobilen Krankenstation."

Nicht nur das Rote Kreuz hilft in Idomeni. Ein alter deutscher VW-Bus mit einer kleinen Freiwilligeninitiative verschenkt Urlaubstage am Camp. Kleinere NGOs kümmern sich um Kinder mit Tanzspielen und Süßigkeiten. All das beobachtet weiterhin die griechische Polizei - sehr entspannt zwar in der Abendsonne - aber mit einem beachtlichen Aufgebot an großen blauen Mannschaftsbussen. Niemand kann garantieren, dass die Stimmung so entspannt bleibt wie in diesen Frühlingstagen in Idomeni. 

Idomeni: Frühlingsstimmung und Sorgen wegen des Türkei-Abkommens
Michael Lehmann, ARD Istanbul
21.03.2016 02:29 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 21. März 2016 um 07:11 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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