Ein geschlossenes Stahlwerk in Youngstown, Ohio | Bildquelle: AFP

100 Tage Trump Beten für den Präsidenten

Stand: 29.04.2017 13:38 Uhr

Einst war Youngstown Hochburg der Stahlindustrie - und der Demokraten. Dann bestimmten verfallene Häuser, hohe Arbeitslosigkeit und Kriminalität das Stadtbild. Trump gewann hier viele Anhänger. Die meisten sind zufrieden mit ihm.

Von Mareike Aden, NDR

Conny Spagnola | Bildquelle: Mareike Aden
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Die Ex-Demokratin Conny Spagnola betet für Trump.

Vier Tage in der Woche arbeitet Conny Spagnola ehrenamtlich für die Wiederwahl von Donald Trump im Jahr 2020.  Sie war früher Friseurin - und überzeugte Demokratin. Dann kam Trump. "Endlich mal kein Politiker", sagt sie. "Jeden Morgen aufs Neue bin ich aufgeregt, weil Trump unser Präsident ist. Die ersten 100 Tage waren großartig."

Spagnola sitzt in der kleinen Parteizentrale der Republikaner in Youngstown und gibt langsam tippend Kontaktdaten in den Computer ein. Vor allem an Trump-Wähler, die vorher Demokraten waren, wollen die Republikaner in Youngstown E-Mails über Trumps Erfolge schreiben, sie einladen zu Aktionen. "Alle wollen Wandel", sagt Spagnola.

100 Tage Präsident Trump im Amt
tagesthemen 23:15 Uhr, 29.04.2017, Ina Ruck, ARD Washington

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Der Rostgürtel im Mittleren Westen

Die vergangenen Jahrzehnte waren hart für das von der Stahlindustrie geprägte Youngstown. Die Stadt gehört zum sogenannten Rustbelt, dem Rostgürtel im Mittleren Westen.  Einst war es das industrielle Herz des Landes. Heute ist es für viele an der Ost-und Westküste der USA sogenanntes "fly over-territory" - eine Landmasse, die man nur überfliegt auf dem Weg von Metropole zu Metropole.

Karte: Der sogenannte "Rustbelt" im Osten der USA
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Der sogenannte "Rustbelt" im Osten der USA

Ende der 70er-Jahre begann in Youngstown das Sterben der Stahlwerke, Folge der verpassten Modernisierung. Zehntausende verloren ihre Arbeit und mehr als die Hälfte der einst 200.000 Einwohner zog weg. Viele Häuser sind verfallen, neue Jobs gibt es kaum.

Das Verwaltungsgebiet Mahoning County, zu dem Youngstown gehört, war dank Arbeiterklasse und starker Gewerkschaften einst Demokraten-Hochburg. Im Jahr 2012 hatte Barack Obama hier noch mit fast 30 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Trump fehlten 2016 nur drei Prozentpunkte zum Sieg. Den Bundesstaat Ohio gewann er auch so, ebenso wie Pennsylvania, Michigan, Wisconsin und Iowa, alles Staaten im Mittleren Westen. Trump überzeugte viele weiße Wähler aus der Arbeiterklasse.

Checkliste der Wahlkampfversprechen

Einmal im Monat schickt Ex-Demokratin Spagnola ihrem Präsidenten eine Grußkarte ins Weiße Haus. Einige Parteifreundinnen schreiben Trump sogar Briefe, erzählt sie. Jeden Donnerstag treffen sich "Prayer Troopers for Trump", eine Gebetsgruppe, die Spagnola gegründet hat. Wörtlich übersetzt: "Gebetskommando für Trump." Sie beten für den Präsidenten, seine Familie, sein Kabinett. "Er braucht unsere Gebete. Er hat mächtige Feinde: Die Medien und viele Politiker", sagt Spagnola.

In einem Notizheft hat Spagnola eine Checkliste seiner Wahlkampfversprechen. "Der Präsident hat die IS-Terroristen bombardiert, wie versprochen. Er plant die Mauer, wie versprochen." Die gescheiterte Gesundheitsreform sei die Schuld der Republikaner im Kongress, nicht die von Trump, sagt sie.

Der Vorsitzende der Republikaner in Mahoning County ist nicht ganz so enthusiastisch. Er sagt: "Natürlich ist alles ein wenig holprig, aber Wandel ist schwierig. Mächtige Strukturen in Washington wollen den Status quo."

Schießereien in der Nacht

Kenny Greco | Bildquelle: Mareike Aden
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Kenny Greco will Trump "eine faire Chance" geben.

Ein paar Kilometer entfernt liegt "Southside Recycling", der Schrotthandel von Kenny Greco. Greco ist ein bekannter Musiker in Youngstown. Southside heißt auch dieser Teil der Stadt. Greco wuchs hier auf. Mit dem Verfall der Stahlindustrie kamen Drogenhandel und Kriminalität. "Jede Nacht gibt es eine Schießerei", sagt Greco.

Vor der Wahl im Herbst 2016 hatte er im Interview zum Thema Trump gesagt, er verstehe gut, dass so viele seiner Bekannten und Kunden Trump wählen wollten, weil der ihnen Hoffnung gebe und ausspreche, was sie umtreibt. Selbst hat er weder Trump noch Clinton gewählt. "Ich glaube, er ist kein guter Mann, aber für nichts in der Welt hätte ich Hillary gewählt."

100 Tage seien zu früh um eine Präsidentschaft zu bewerten. Aber: "Wer vor der Wahl unentschieden war, der ist jetzt für ihn", meint Greco. "Trumps Wähler fühlen sich oben auf und seine Gegner hassen ihn noch mehr." Dass Trump so viel twittert, stört Greco. Er findet, Trump verhalte sich oft nicht wie ein Präsident. Aber er will ihm "eine faire Chance" geben. "Die Medien in unserem Land machen das nicht und schlagen nur auf ihn ein."

Zwei unterschiedliche Amerikas

Der Militärschlag gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad, die Drohungen gegen Nordkorea, die Bombe gegen den IS – all das sei richtig, sagt Greco. "Obama war ein guter Mann, aber Assad ist ihm auf der Nase herumgetanzt." Trump sei resolut, deshalb könne er ein besonderer Präsident werden. "Oder er scheitert, so wie die Medien und die wohlhabenden Liberalen in New York und Kalifornien es wollen", so Greco.

Er sagt, es gebe zwei sehr unterschiedliche Amerikas. Und in dem Teil des Landes, der wie Youngstown in der realen Welt lebe, würden Trumps Umfragewerte künftig steigen. Die vermeintlichen Skandale? Trumps Steuererklärung? Vorwürfe der Vetternwirtschaft im Weißen Haus? "Den Leuten hier ist das egal", sagt Greco.

Auch wenn er nicht für Trump gestimmt hat, hofft der Musiker und Schrotthändler, dass der Präsident neue Jobs in die Region bringt. Damit der Song "Youngstown", den Bruce Springsteen 1995 über den Verfall der Stadt schrieb und den Greco oft spielt, dann nicht mehr auch die Gegenwart beschreibt.

Trump lobt seine ersten 100 Tage im Amt
M. Ganslmeier, NDR Washington
30.04.2017 06:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. April 2017 um 08:10 Uhr.

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