Schweizer Privatbank HSBC | Bildquelle: AFP

Bank verwaltete Konten Krimineller Die schmutzigen Geschäfte der HSBC

Stand: 08.02.2015 22:00 Uhr

Die britische Großbank HSBC hat jahrelang wissentlich Konten von Kriminellen verwaltet. Tausende Dokumente, die NDR, WDR und SZ ausgewertet haben, zeigen nun Details der Bankgeschäfte, bei denen es darum ging, Geldanlagen in der Schweiz zu verschleiern.

Von Arne Meyer, Julia Stein, Jan Lukas Strozyk, Benedikt Strunz, Petra Blum und Andreas Orth

Korrupte Politiker, Waffenhändler und andere Kriminelle haben jahrelang Konten der Privatbank HSBC genutzt, um Gelder zu waschen, Besitztümer zu verheimlichen und Steuern zu hinterziehen. Die Bank hat darüber in vielen Fällen Bescheid gewusst und trotzdem an den Geschäften festgehalten. Auch zahlreiche Deutsche wollten über ein HSBC-Konto mutmaßlich Geld vor dem Finanzamt verstecken. Das zeigt ein Datensatz aus rund 36.000 Dateien, den NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" in Zusammenarbeit mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) ausgewertet haben.

Sportler, Musiker, Schauspieler

Die Dokumente betreffen rund 100.000 HSBC-Kunden aus aller Welt, die umgerechnet rund 75 Milliarden Euro bei der Bank angelegt hatten. Hauptbestandteil des Datensatzes sind rund 35.000 interne Protokolle von Kundengesprächen, die zeigen, wie die HSBC über Jahre Kunden beraten hat, ihr Geld vor den Finanzbehörden zu verheimlichen und Geldanlagen zu verschleiern.

Diese diskreten Dienste schätzten offensichtlich nicht nur wohlhabende Sportler, Musiker, Hollywood-Schauspieler und Adelsfamilien, sondern auch Kriminelle: In den Dokumenten finden sich Waffenhändler, korrupte Politiker, Händler von "Blutdiamanten", sogar einige der mutmaßlichen Finanziers der Anschläge vom 11. September 2001. Der Datensatz umfasst die Jahre 1988 bis 2007 und stammt aus der Genfer Filiale der HSBC.

Ergebnisse des Rechercheverbunds von NDR, WDR und SZ zu "Swissleaks"
tagesthemen 22:45 Uhr, 08.02.2015, Elena Kuch/Julia Stein, NDR

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Es tauchen auch 2106 Kunden aus Deutschland mit einem Gesamtguthaben von rund drei Milliarden Euro auf. Zu den deutschen Kontobesitzern zählen Industriellen-Familien, Geschäftsleute und Adelsfamilien ebenso wie Profisportler und Politiker. Bei vielen gibt es starke Indizien dafür, dass die Konten den Finanzämtern nicht bekannt gewesen sind. Ein Spitzenmanager hat etwa kurz vor Weihnachten 2005 eine große Bargeldsumme in Genf abgeholt und bei der Bank veranlasst, dass seine Post nicht nach Deutschland geschickt wird. Auch eine Adelige, die zum damaligen Zeitpunkt einer gemeinnützigen Stiftung vorstand, wollte die Post zu ihrem Millionen-Guthaben nicht nach Hause bekommen.

Eine Reitsportlerin hat ein Guthaben von fast zehn Millionen US-Dollar über eine Briefkastenfirma in den Bahamas verwaltet, ein ehemaliger Bundesliga-Profi nutzte für seine Geschäfte eine Firma in London. 229 Offshore-Briefkastenfirmen, die aus Deutschland gesteuert werden, sind in den Daten verzeichnet, dazu 740 sogenannte Nummernkonten, die ohne Namen geführt werden.

Steuerfahnder werten anonyme Konten und Stiftungen, banklagernde Post- und Bargeldabhebungen als starke Hinweise auf eine Steuerhinterziehung. Viele dieser Indizien finden sich auch bei den deutschen Kunden wieder: Beweisen lässt sich eine Steuerstraftat aber nur anhand der Steuererklärung. Und bei weitem nicht jedes Konto in dem Datensatz ist illegal. Viele Kunden führten ordnungsgemäß deklarierte Bankgeschäfte über die HSBC.

Kunden mit großem politischen Gewicht

Zahlreiche Kunden der HSBC hatten großen politischen Einfluss. Der ehemalige ägyptische Handelsminister Rachid Mohammed Rachid hatte den Unterlagen zufolge gut 30 Millionen Dollar angelegt. Er ist 2012 in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft wegen Unterschlagung und Verschwendung von Staatsgeldern verurteilt worden. Rachid versteckt sich mutmaßlich in Katar. Auch Rami Machluf, der Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al Assad, hat Millionen in die Schweiz transferiert. Der Geschäftsmann wurde in den vergangen Jahren vom US-Finanzministerium und von der EU mit Sanktionen im Zusammenhang mit Korruption belegt. Beide haben auf Anfragen des ICIJ nicht reagiert.

Finanzbehörden aus zwölf Ländern haben mithilfe der Unterlagen bisher bereits mindestens eine Milliarde Euro an Steuereinnahmen zurückgeholt. Die Daten stammen von Hervé Falciani, ehemaliger HSBC-Mitarbeiter, der den Datensatz 2007 kopierte und an Frankreich weitergab. Bis heute ist indes unklar, welcher Teil der Daten ausgewertet wurde. Frankreich hatte einigen Ländern Teile der Daten weitergeleitet, im Jahr 2010 auch dem deutschen Bundeszentralamt für Steuern. Von hier wurden die Daten an die Bundesländer verteilt. Was dann damit passierte, bleibt unklar.

Julia Stein, NDR, zu den HSBC-Recherchen
tagesschau24 10:00 Uhr, 09.02.2015

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"Ein Jahrhundertfund"

Das Bundesfinanzministerium sagt auf Anfrage: "Erkenntnisse über die Verfahrenserledigungen liegen nicht vor." Auch die Frage, ob die HSBC sich der Beihilfe strafbar gemacht hat, ist bislang nicht abschließend geklärt. Verfahren gegen die Bank laufen in Belgien, Argentinien und Frankreich. Der ehemalige Steuerfahnder Rudolf Schmenger sagte dem NDR: "Diese Unterlagen sind ein Jahrhundertfund für jede Ermittlungsbehörde. Man hat sehr selten in dieser Qualität auch die Beihilfe aufgezeigt." Die französischen Behörden kamen nach der Auswertung zu dem Ergebnis, dass weniger als ein halbes Prozent der französischen Kunden ihr Konto ordnungsgemäß deklariert hatte.

HSBC lehnt Interview ab

Die HSBC gab eine schriftliche Stellungnahme zu den Vorwürfen ab. Darin heißt es, man habe "entscheidende Schritte in den vergangenen Jahren eingeleitet, um Reformen durchzuführen und sich von Kunden zu trennen, die den neuen HSBC-Standards nicht entsprechen, dazu gehören auch jene, bei denen wir Zweifel im Zusammenhang mit der Besteuerung hatten." Die Bank habe das Privatkundengeschäft neu geordnet und hat sich nach eigenen Aussagen seit 2007 von fast 70 Prozent ihrer Kunden getrennt. Ein Interview lehnte die Bank ab.

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