Francois Holland und Wladimir Putin | Bildquelle: REUTERS

Hollande trifft Putin in Moskau Gemeinsamer Feind, andere Freunde

Stand: 26.11.2015 11:31 Uhr

Ein gemeinsamer Plan im Kampf gegen IS - das ist das Ziel der diplomatischen Bemühungen von Frankreichs Präsident Hollande. Für die Allianz gegen die Terrormiliz möchte er auch Russlands Präsident Putin gewinnen. Doch der ist derzeit kein einfacher Gesprächspartner.

Von Hermann Krause, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Der französische Präsident ist im Krisenmodus: Ein Treffen mit Barack Obama, Gespräche mit Angela Merkel, Frühstück mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi und am späten Abend: Gipfeltreffen mit Wladimir Putin im Kreml. Geplant waren die Gespräche weit vor dem Abschuss der Su-24 durch die Türkei, nun werden sie dadurch zusätzlich belastet.

"Nach dem Konflikt mit der Türkei, einem NATO-Mitglied, hat Putin ein Vertrauensproblem mit dem Westen. Man stellt sich gegenseitig Fragen. Es wird beim Kampf gegen den IS immer deutlicher, dass es zwei Parteien gibt. Die eine kämpft gegen den IS, und die andere - Putin und der Iran mit der Hisbollah - kämpft eher gegen die Gegner Assads", sagt der Politologe Dimitri Oreschkin.

Nach dem Abschuss des russischen Kampfjets wird es sicherlich schwierig werden, Putins davon zu überzeugen, mit der von den USA angeführten Allianz zusammenzuarbeiten. Die Vorstellung, gemeinsame Aktionen zu planen, wird vom Kreml wohl eher nicht weiter verfolgt. 

Unterschiedliche Ausgangslage

"Putin und Hollande haben ganz unterschiedliche Karten in diesem Spiel. Putin kontrolliert die elektronischen Massenmedien, da hat es Hollande viel schwerer. Er wird kritisiert, deshalb reist er jetzt durch die Welt und versucht, seine präsidialen Aufgaben zu erfüllen. Ihm geht es darum, die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten", sagt Oreschkin.

Vergessen jene für den französischen Steuerzahler teure Affäre um die Mistral-Hubschrauberträger, die Russland in Frankreich bestellt hatte. Wegen der Krim-Krise wurde die Auslieferung gestoppt, Russland erhielt als Entschädigung 950 Millionen Euro. Bei den Gesprächen heute sei dies kein Thema mehr, meint auch der Politologe Wladislaw Below.

"Der Abschuss unseres Flugzeuges durch die Türkei zeigt, wie schwer Krisenbewältigung ist, wenn die Gefahren nicht von den Terroristen ausgehen, sondern von  Ländern, die in bestimmten Regionen ihre eigenen Interessen vertreten", sagt Below. Hollande werde sicherlich nach den Gesprächen mit Obama und Merkel eine Botschaft an Putin überbringen. Für den Kreml sei die Achse Frankreich-Deutschland von großer Bedeutung.

Udo Lielischkies, ARD Moskau, zu Hollandes Besuch im Kreml
tagesschau 17:00, 26.11.2015

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Frankreich muss Moskau entgegenkommen

"Es wird ein schwieriges Gespräch werden, aber das Leitmotiv ist eindeutig. Hinter Frankreich steht Deutschland, dieses Tandem ist für Europa entscheidend. Ich erwarte eine große Bereitschaft Frankreichs mit Russland zusammenzuarbeiten", sagt der Politologe Below.

Putin hatte noch einen Tag nach dem G20-Gipfel in der Türkei seiner Kriegsmarine erklärt, die französischen Schiffe im Mittelmeer sollten wie Partner und Verbündete behandelt werden. Frankreich und Russland könnten gemeinsam einen Plan im Kampf gegen IS ausarbeiten. Ob der russische Präsident daran festhält, wird der Besuch zeigen.   

Hollandes Besuch in schwierigen Zeiten
H. Krause, ARD Moskau
26.11.2015 11:24 Uhr

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