Hillary Clinton | Bildquelle: AFP

Hillary Clinton wird 70 Befreit von vielen Lasten

Stand: 26.10.2017 17:29 Uhr

Als Bill Clinton 1993 zum amerikanischen Präsidenten gewählt wurde, sagte er: "Sie bekommen nicht einen Clinton, sondern zwei." Die Juristin Hillary Clinton war eben immer mehr als nur seine Ehefrau. Sie strebte selbst das Präsidentenamt an.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

"Ich sitze hier nicht einfach wie eine kleine Frau, die sagt: Ich stehe zu meinem Mann."

Ja, das gehört auch zu ihr. Zu den dunklen Jahren. Auf das hier, 1992, hätte sie gern verzichtet: Damals wollte ein anderer Clinton Präsident werden, Bill. Er wurde es trotz Sexaffäre, auch weil sie damals sagte, was sie eben sagte: "Ich liebe ihn, ich stehe zu ihm. Und wenn Ihr das nicht versteht, verdammt, dann wählt ihn eben nicht." Das war der Ton von Hillary. Selten leise. Meistens gedanklich ein klitzekleines Stückchen schneller - auch mit Sätzen, die trotz allem bleiben.

"Wenn es eine Botschaft gibt, dann die: Menschenrechte sind Frauenrechte, und Frauenrechte sind Menschenrechte, ein für allemal!"

Peking. Frauenkonferenz 1995. Die First Lady Hillary Clinton meißelte damals in Stein, was bis heute auf der Welt zitiert wird. Menschenrechte sind Frauenrechte.

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Hillary Clinton: Eine politische Karriere in Bildern

Hillary Clinton

Hillary Diane Rodham wird 1947 in Chicago als Tochter eines Textilunternehmers geboren. Sie studiert am Elite-College Wellesley, wo sie 1969 als erste Studentin die Rede bei der Abschlussfeier hält. Dieses Foto zeigt sie als Dreijährige.

Stets angefeindet

23 Jahre später räumte die Frau, die First Lady, Senatorin und Außenministerin war, zu Therapiezwecken zuhause Kleiderschränke auf, stapfte Sinn suchend durch die Wälder und machte Yoga. "Und ja", erzählt sie lachend. "Chardonnay brauchte es auch."

Hillary Clinton. Die erste Frau bei so vielem. Die erste Frau, die als Präsidentschaftskandidatin verlor, ausgerechnet gegen ihn, den Mann, der sie in einer Debatte ekelhaft und widerlich schimpfte.

Sie hat auch das überlebt. Irgendwie. Aber Wunden blieben. Aus 70 Jahren. Stets angefeindet, als Teil der Clinton-Maschine gehasst. Als Überfrau karikiert. Als ehrgeizige Fast-Schon-Präsidentin shakespeare-artig dramatisch gescheitert.

"Ich bekam den Job nicht", sagte sie nach der Wahlniederlage. "Und damit muss ich bis an mein Lebensende leben." Und weiter: Sie habe die Leute im Stich gelassen. Bis zum Ende ihres Lebens eine Wunde, mit der sie wird leben müssen. Sie macht es mit Stil. Schrieb ein Buch: "What Happened", was geschah. Vermutlich, weil sie es bis heute nicht versteht, was in diesem Wahlkampf mit ihr und dem Land passiert ist.

Botschaft an Mädchen und Frauen

Die Clinton-Story. 70 Jahre Kampf auch das. Für und gegen Dinge. Und sie hat tapfer gekämpft, ist stolz auf ihre Stärke. Als Präsident Trump zur Amtseinführung am 20. Januar in Washington von Blut, Boden und Patriotismus irrlichterte, stand sie auf der Bühne und verzog keine Miene. Später zitierte sie, was George W. Bush zu dieser Trump Rede einfiel: "Some weird shit", eine seltsame Scheiße sei das gewesen.

Das ist der neue Hillary-Ton. Mit 70. Befreit offenbar von der Last, es sich und der Welt beweisen zu müssen. Politisch korrekt zu sein. Nun ist sie zweifache Großmutter und Ehefrau. Aber Politikerin? Bis an ihr Lebensende, sagt sie. Sie kann nicht anders. Aber Kandidatin für irgend etwas, betont sie, das werde sie nie mehr sein.

Dass sie die beste Rede ihres Lebens ausgerechnet einen Tag nach der verlorenen Wahl hielt - auch das so eine Tragik in einem leuchtenden, dunklen und langen Leben. Heute also wird sie 70. Ihre Botschaft vor allem an Mädchen und Frauen ist ihr Geschenk: "Hört niemals auf zu glauben, dass sich das Kämpfen immer lohnt."

Some weird shit - Hillary Clinton zum 70. Geburtstag
Georg Schwarte, ARD New York
26.10.2017 16:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 am 26. Oktober 2017 um 09:35 Uhr.

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