Hungerndes Kind in Nigeria | Bildquelle: AP

Nothilfe 634 Millionen Euro für Tschadsee-Region

Stand: 24.02.2017 19:00 Uhr

Die notleidenden Menschen in der Tschadsee-Region in Zentralafrika erhalten 634 Millionen Euro Hilfe. Das hat eine Geberkonferenz zugesagt. Die betroffene Region leidet auch unter dem Terror von Boko Haram.

634 Millionen Euro gegen die Hungerkrise in der Region um den Tschadsee - diese Zusage hat eine internationale Geberkonferenz in Oslo gemacht. Das Geld soll über drei Jahre fließen, den größten Teil, nämlich 430 Millionen Euro, gibt es aber bereits in diesem Jahr - denn die Not der Bevölkerung ist immens.

Region von Boko Haram terrorisiert

Zu den betroffenen Ländern zählen Nigeria, Niger, Kamerun und Tschad. Durch den gewaltsamen Konflikt mit der Terrorgruppe Boko Haram sind in den Staaten vielerorts die Bildungs- und Gesundheitssysteme zusammengebrochen. Weil die Landwirtschaft nicht mehr funktioniert, gibt es schwerwiegende Lebensmittelengpässe.

Boko Haram kämpft im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias seit Jahren dafür, einen islamischen Gottesstaat zu errichten. Mittlerweile ist die Terrormiliz auch in den Nachbarländern Niger, Tschad und Kamerun aktiv. Seit 2009 wurden in dem Konflikt mehr als 20.000 Menschen getötet und mehr als 2,6 Millionen weitere in die Flucht getrieben.

Flucht vor Boko Haram im Norden Nigerias
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Tausende sind im Norden Nigerias vor Boko Haram auf der Flucht. Diese Menschen haben sich im Tschad in Sicherheit gebracht.

Insgesamt 14 Länder beteiligten sich an der Geberkonferenz. Die beschlossenen 634 Millionen Euro sind allerings deutlich weniger, als benötigt wird. Das ursprüngliche Ziel war, mehr als das Doppelte an Finanzhilfen allein für 2017 zusammenzubekommen.

USA haben noch nichts zugesagt

Ein möglicher großer Geldgeber ist noch nicht dabei: Die USA wollen zu einem späteren Zeitpunkt über ihren Beitrag informieren. Die neue US-Regierung hatte jedoch angekündigt, ihre internationalen Hilfsgelder generell zurückzufahren.

Deutschland beteiligt sich mit 120 Millionen Euro. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sprach auf der Osloer Konferenz von der "größten humanitären Krise unserer Zeit".

Hilfen auch zur Bekämpfung von Fluchtursachen

Für einige afrikanische Länder hatte es zuvor bereits Hilfszusagen gegeben, zum Beispiel für den Niger. Hier investiert die Europäische Union allein 750 Millionen Euro, um Fluchtursachen zu bekämpfen.

Ähnlich sieht es ganz im Westen Afrikas, im Senegal, aus: Millionenschwere EU-Entwicklungsprogramme sollen dort helfen, die Menschen von der Flucht Richtung Europa abzuhalten.

Hungersnot auch in Ostafrika

Erst vor wenigen Tagen hatten Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen Alarm geschlagen wegen der dramatischen Zustände in mehreren Ländern Ostafrikas. Die "Aktion Deutschland hilft" erklärte, mehr als 15 Millionen Menschen seien von den Folgen einer anhaltenden Dürre betroffen. Vor allem in Äthiopien, Somalia und im Südsudan habe sich die Lage zugespitzt.

Das Kinderhilfswerk Unicef hatte mitgeteilt, in Nigeria, Somalia, im Südsudan und im Jemen seien 1,4 Millionen Kinder wegen Mangelernährung vom Hungertod bedroht. Im Südsudan hätten knapp fünf Millionen Menschen derzeit nicht genug zu essen.

Kritik: Hilfe kommt zu spät

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller forderte angesichts der Dürre in der dortigen Region, einen internationalen Hilfsfonds in Höhe von zehn Milliarden Dollar einzurichten. "Es hilft nichts, wenn wir immer nur reagieren. Wenn die Hilfszahlungen kommen , ist es oft schon zu spät", sagte Müller. Er forderte, vorausschauender zu handeln.

Die Hilfsorganisation Oxfam prangerte mit Blick unter anderem auf den Südsudan und auf Nigeria ein Versagen der internationalen Gemeinschaft an. "Eine Hungersnot kommt nicht plötzlich oder unerwartet, sie kommt nach monatelangem Nichtstun und igniorierten Warnungen", sagte Oxfams Direktor für humanitäre Hilfe, Nigel Timmins.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Februar 2017 um 18:00 Uhr.

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