Papst Franziskus öffnet die Heilige Pforte am Petersdom. | Bildquelle: AFP

Messe im Petersdom Durch die Heilige Pforte ins Heilige Jahr

Stand: 08.12.2015 11:31 Uhr

Papst Franziskus ist das Thema Barmherzigkeit so wichtig, dass er ein außerordentliches Heiliges Jahr ausgerufen hat. Es hat heute im Petersdom begonnen, indem der Papst die Heilige Pforte öffnete, die sonst zugemauert ist.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Die Mauer muss weg! Sonst kann das Heilige Jahr nicht beginnen. Schon vor ein paar Wochen haben Arbeiter im Petersdom die Steinmauer eingerissen, mit der der Zugang zur "Heiligen Pforte" normalerweise verschlossen ist. Heute öffnete der Papst die Tür, durch die die Pilger nur im Heiligen Jahr in den Petersdom eintreten dürfen.

"Es gibt sicher Menschen, die nur für dieses Heilige Jahr kommen werden", sagt Bruder Helmut Rakowski vom Päpstlichen Rat für Neuevangelisierung, den Franziskus mit der Organisation dieses außerordentlichen Heiligen Jahres beauftragt hat. Warum außerordentlich? Normalerweise finden die sogenannten Jubiläen alle 25 Jahre statt, eben alle Jubeljahre. Dem Papst ist das Thema Barmherzigkeit so wichtig, dass er den Rhythmus durchbricht.

Papst Franziskus eröffnet Heiliges Jahr der Barmherzigkeit
tagesschau 20:00 Uhr, 08.12.2015, Ellen Trapp, ARD Rom

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Heilige Pforten überall auf der Welt

Außerordentlich ist auch, dass nicht nur in den päpstlichen Basiliken in Rom Heilige Pforten durchschritten werden können, sondern überall auf der Welt - in den Kathedralen und Wallfahrtskirchen. "Das ist das Neue, dass plötzlich die ganze Welt vor Ort dieses Heilige Jahr erlebt", sagt Bruder Rakowski. "Die Heilige Pforte ist die Einladung, vor die eigene Haustür zu schauen und sich mit den Werken der Barmherzigkeit den Herausforderungen der heutigen Zeit zu stellen."

Mit dieser Dezentralisierung des Heiligen Jahres hat Papst Franziskus bereits bei seiner Afrikareise vor einer Woche begonnen. In der vom Bürgerkrieg gezeichneten Zentralafrikanischen Republik öffnete er die erste Heilige Pforte. "Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit beginnt in einem Land, das unter Krieg, Hass, Mangel an Verständigung, Mangel an Frieden leidet", sagte der Papst.

Papst Franziskus öffnet die Heilige Pforte in der Kathedrale von Bangui in der Zentralafrikanischen Republik | Bildquelle: AFP
galerie

Bei seinem Besuch in der Zentralafrikanischen Republik hatte Papst Franziskus bereits die Heilige Pforte in der Kathedrale von Bangui eröffnet.

Barmherzigkeit ist der Kern der Botschaft dieses Papstes. Die Kirche als Lazarett, die mit den Verlierern, den Gescheiterten barmherzig ist. Das will Franziskus in diesem Jahr vermitteln. Eine Heilige Pforte soll auch in einer Suppenküche für Obdachlose in der Nähe des Hauptbahnhofes in Rom eröffnet werden.

Ablass für den Papst nachrangig

Mit den traditionellen Inhalten des Heiligen Jahres tun sich Franziskus und seine Kirche eher schwer. Mit dem Durchschreiten der Pforte, mit Eucharistie und Beichte im Heiligen Jahr ist auch ein Ablass der Sündenstrafen verbunden. Das klingt nach Fegefeuer und Ablassbriefen. "Der Ablass ist sicher kein leichtes Thema", sagt Bruder Rakowski. "Der Papst erwähnt es, möchte es aber nicht als Schwerpunkt dieses Heiligen Jahres sehen."

Überschattet werden die Feiern in Rom von der Angst vor dem Terror. Nach den Anschlägen von Paris sind die Sicherheitsmaßnahmen rund um den Petersdom noch einmal massiv verstärkt worden. Roms Präfekt Franco Gabrielli rät allen Pilgern, sich auf lange Wartschlangen einzustellen: "Natürlich haben wir ein System vorbereitet, mit dem wir die Personen überprüfen können, die in den Petersdom kommen. Deshalb meine Empfehlung: Kommen Sie so früh wie möglich und lassen Sie bitte ihren Hausstand zu Hause."

Sicherheitskräft auf dem Petersplatz in Rom | Bildquelle: dpa
galerie

Die Sicherheitsmaßnahmen rund um dem Petersdom wurden deutlich verstärkt.

Das Heilige Jahr begann mit einem Gottesdienst im Petersdom, bei dem Texte vorgelesen wurden, die während des Zweiten Vatikanischen Konzils verfasst worden waren. Heute vor 50 Jahren endete dieses Reformkonzil, in dem sich die katholische Kirche der Welt öffnete und umfangreiche Reformen einleitete. Auch damals wurden Mauern eingerissen.

alt Petersdom | Bildquelle: REUTERS

Stichwort: Heiliges Jahr

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom

Als Erfinder des Heiligen Jahres gilt Papst Bonifaz VIII. Er feierte das erste Heilige Jahr in Rom im Jahr 1300. Sicher auch mit dem Hintergedanken, Pilger nach Rom zu locken, sollte ursprünglich alle 100 Jahre ein Heiliges Jahr stattfinden. Dann aber wurden die Abstände immer mehr verkürzt. Seit 1470 und bis heute gilt, dass im Prinzip alle 25 Jahre ein Heiliges Jahr ist. Im Prinzip, weil es immer wieder auch mal ein außerordentliches Jubeljahr gibt, zuletzt 2008.

Verbunden mit dem Heiligen Jahr ist für die Katholische Kirche bis heute ein besonderer Ablass der Sündenstrafen, auch unter Papst Franziskus hat sich das nicht geändert. Er hat zudem verfügt, dass alle Priester weltweit von der Sünde der Abtreibung lossprechen können. Dafür muss man die Heilige Pforte durchschreiten, beten, beichten und die Kommunion empfangen. Zum Heiligen Jahr 2000 kamen rund 25 Millionen Pilger nach Rom, dieses Mal rechnet der Vatikan damit, dass bis zum Abschluss am 20. November 2016 bis zu 33 Millionen kommen.

Für Papst Franziskus soll das Heilige Jahr aber nicht nur in Rom stattfinden, sondern in allen Diözesen der Weltkirche - auch dort werden am kommenden Sonntag in den Kathedralen die Heiligen Pforten geöffnet. Außerdem hat der Papst diesem Heiligen Jahr das Motto Barmherzigkeit gegeben. Das heißt, ein besonderes Augenmerk ist gerichtet auf die Armen, Schwachen, Marginalisierten, aber auch auf alle, die ihr Leben nicht mit der reinen Lehre der Katholischen Kirche in Einklang bringen können.

Papst Franziskus öffnet Heilige Pforte im Petersdom
T. Kleinjung, ARD Rom
08.12.2015 11:38 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: