Demirtas spricht in ein Mikro

Wahl in der Türkei HDP nominiert inhaftierten Demirtas

Stand: 02.05.2018 19:31 Uhr

Der inhaftierte Politiker Demirtas wird bei der Präsidentenwahl in der Türkei gegen Staatschef Erdogan antreten. Der Ex-Vorsitzende der pro-kurdischen HDP konnte 2014 gegen Erdogan einen Achtungserfolg erzielen.

Die prokurdische Demokratische Partei der Völker (HDP) schickt ihren früheren Vorsitzenden Selahattin Demirtas bei der türkischen Präsidentenwahl im Juni gegen Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan ins Rennen, obwohl er seit eineinhalb Jahren in Haft sitzt.

Die Partei will am Freitag den Startschuss für ihre Wahlkampfkampagne in Istanbul und der kurdischen Stadt Diyarbakir geben. "Wir kommen zusammen, um unsere Freude über die Präsidentschaftskandidatur von Selahattin Demirtas zu teilen. Wir können bereits eine leuchtende Zukunft sehen", erklärten die beiden Ko-Vorsitzenden Pervin Buldan und Sezai Temelli.

Nach Wahl inhaftiert

Demirtas war bis zu seiner Inhaftierung im November 2016 der profilierteste Gegner Erdogans. Bereits vergangene Woche hatte sich der Parteirat der HDP für eine Kandidatur ihres Ex-Vorsitzenden ausgesprochen. Es ist jedoch unklar, ob Demirtas aus der Haft tatsächlich kandidieren kann. Der 45-Jährige hatte im Februar den Parteivorsitz abgegeben und erklärt, für die Dauer der Haft seine politische Karriere ruhen zu lassen.

Gegen Demirtas laufen mehrere Prozesse wegen Terrorvorwürfen. Ihm drohen bis zu 142 Jahre Haft.

Der Politiker hatte bei der Präsidentenwahl im August 2014 mit 9,8 Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg gegen Erdogan errungen und die HDP bei der Parlamentswahl im Juni 2015 erstmals ins Parlament geführt. Dies hatte Erdogans AKP die Mehrheit gekostet.

Demirtas warnt vor Diktatur Erdogans

In einem Gastbeitrag in der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" schrieb Demirtas aus der Haft heraus, dass die Wahl die türkische Politik der nächsten zehn Jahre beeinflussen werde. Entweder werde das "autoritäre Ein-Mann Regime seinen endgültigen Sieg verkünden" und sich in eine "vollständige Diktatur verwandeln" oder der Kampf für Demokratie werde gestärkt.

Erdogan wirft der HDP vor, der politische Arm der kurdischen PKK-Guerilla zu sein, was diese bestreitet. Er ließ im November 2016 den HDP-Vorsitzenden Demirtas und andere Abgeordnete festnehmen. Heute ist die Partei durch die Festnahme Tausender Funktionäre und Mitglieder geschwächt und auch innerhalb der Opposition isoliert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 02. Mai 2018 um 20:00 Uhr.

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