Stephen Hawking | Bildquelle: dpa

Stephen Hawking wird 75 Urknall, Enterprise, Kinderbücher

Stand: 08.01.2017 03:26 Uhr

Er kann selbst seiner Krankheit noch etwas Positives abgewinnen: Sie bewahre ihn davor, in langweilige Ausschüsse gehen zu müssen. Heute wird der Astrophysiker Stephen Hawking 75. Jens-Peter Marquardt über einen Menschen, der noch weit mehr Facetten hat, als viele denken.

Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

"Als ich 21 war, wurde mir gesagt, dass ich eine unheilbare Krankheit habe, die mich in zwei oder drei Jahren töten würde", erzählt Stephen Hawking. Doch es ist anders gekommen. Hawking feiert jetzt seinen 75. Geburtstag. Die Ärzte lagen falsch.

Hawking war damals in Oxford und später in Cambridge ein vielversprechender Student der Mathematik und Astronomie, als die Ärzte Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostizierten. Eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, die nach und nach jeden Muskel lähmte und ihm später auch die Sprache nahm.

"Es spielt sich alles im Kopf ab"

Lange Zeit steuerte Hawking seinen Sprachcomputer über Bewegungen der Wangenmuskeln. Seit auch das nicht mehr geht, steuert er ihn über die Bewegungen der Augen. War er anfangs noch verzweifelt über seine Krankheit, so sieht er jetzt auch Vorzüge: "Meine Krankheit hat mich davon befreit, in langweilige Ausschüsse zu gehen. Dadurch hatte ich mehr Zeit zum Nachdenken und für die Forschung. Die theoretische Physik ist eines der wenigen Gebiete, auf denen eine körperliche Behinderung kein Handicap ist. Es spielt sich alles im Kopf ab."

Hawkings Theorien über den Urknall, schwarze Löcher und die Quantenphysik sind zu Bestsellern geworden. Seine "Kurze Geschichte der Zeit" wurde in 40 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkauft. Sein ganzes Leben ist er auf der Suche nach der Theorie, die alles erklärt. Hawking selber betont, er sei kein zweiter Einstein. Und wahrscheinlich sei er nur wegen seiner Behinderung so berühmt geworden. Trotzdem gibt es kaum jemanden, der so  viel erreicht hat, das Wissen über Schwerkraft, Raum und Zeit zu vertiefen. Seine Theorien waren und sind auch umstritten, er selber korrigierte sich immer wieder einmal.

Kritik am Verhalten der Menschheit

Hawking erklärte, das Universum sei aus dem Nichts und nicht durch die Hand Gottes entstanden. Spektakulär seine Erkenntnisse über die Schwarzen Löcher im Weltraum und deren Strahlung, die nach ihm benannt wurde. "Das Schwarze Loch bildet sich nur scheinbar, es öffnet sich aber am Ende und gibt die Informationen frei, die in ihm verschwunden sind. So können wir uns der Vergangenheit sicher sein und die Zukunft vorhersagen."

Eddie Redmayne als Stephen Hawking in einer Szene des Kinofilms "Die Entdeckung der Unendlichkeit" | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Mit Eddie Redmayne in der Hauptrolle wurde Hawkings Leben verfilmt.

Hawking kritisiert häufig, wie die Menschen mit ihrem Planeten umgehen. Als Lösung für die überbevölkerte Erde bleibe am Ende nur das Ausweichen auf andere Planeten. Er warnt auch davor, dass die Entwicklung der künstlichen Intelligenz außer Kontrolle geraten sei und zur Gefahr für die Menschen werden könnte. Er hat gegen den Austritt seines Landes aus der EU gestimmt und meint, dass er zwar viel von Mathematik verstehe, aber trotzdem seinen Landsleuten beim Brexit nicht helfen könne.

Kein Pessimist - trotz aller Warnungen

Trotz aller Warnungen, Hawking ist kein Pessimist. Er glaubt, dass die nächste Generation es besser machen wird. Und trotz seiner schweren Krankheit, Hawking hat nie seinen Humor verloren. Er ist schlagfertig, und immer für einen Scherz zu haben. Er hatte im Fernsehen Gastauftritte bei Raumschiff Enterprise und bei den Simpsons. Er ist auf einem Pink-Floyd-Album zu hören. Die Monty-Python-Truppe ließ ihn bei ihrem Comeback mitsamt Rollstuhl in einem Schwarzen Loch verschwinden, während sein Sprachcomputer den Galaxy Song intonierte. "Humor ist eine große Hilfe bei der Erklärung der Rätsel des Universums", so Hawking.

"Ohne sie hätte ich es niemals geschafft"

Der Spielfilm "Die Entdeckung der Unendlichkeit" zeigte, welch große Rolle seine erste Frau Jane in Hawkings Leben gespielt hat. Sie hat sich für ihn aufgeopfert, und sie hat vor vielen Jahren die Ärzte gestoppt, die nach einer Lungenentzündung empfohlen hatten, die lebenserhaltenden Maschinen abzustellen.

Stephen Hawking mit seiner Tochter Lucy | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Mit seiner Tochter Lucy zusammen schreibt Hawking Kinderbücher.

Hawking sagt über seine Ex-Frau Jane: "Ohne sie hätte ich es niemals geschafft. Sie hat mich allein betreut, als sich meine Lage immer weiter verschlechterte. Wir konnten uns damals keine Pflegekraft leisten."

Die Ehe zerbrach darüber, aber heute ist Stephen Hawking seiner ersten Frau Jane und seinen drei Kindern wieder sehr nahe. Zusammen mit seiner Tochter Lucy hat er begonnen Kinderbücher zu schreiben. 

Stephen Hawking wird 75
J.-P. Marquardt, ARD London
08.01.2017 00:26 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info im Echo am Morgen am 08. Januar 2017 um 09:00 Uhr

Darstellung: