Die Autobahn 45 in Houston unter Wasser | Bildquelle: REUTERS

Überschwemmungen durch "Harvey" Houston unter Wasser

Stand: 27.08.2017 21:28 Uhr

"Harvey" kam als Hurrikan und überschwemmt nun mit seinem Dauerregen weite Teile von Texas. Die Lage in der viertgrößten US-Stadt Houston ist dramatisch. Tausende fliehen auf Dächer und setzen verzweifelte Notrufe ab. Das Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht abzusehen.

Die Auswirkungen des Sturms seien "beispiellos" und überstiegen "alle Erwartungen": Der Nationale Wetterdienst der USA gab eine dramatische Warnung heraus. "Harvey" kam als Hurrikan und richtet nun mit sintflutartigem Regen schwerste Überschwemmungen in weiten Teilen von Texas an.

Besonders angespannt ist die Lage in der Millionenmetropole Houston, wo die Überflutungen ein verheerendes Ausmaß annahmen. Ein Ende des Naturdesasters ist nicht in Sicht. Mindestens zwei Menschen kamen im Zusammenhang mit dem Sturm ums Leben.

Straßen sind reißende Flüsse

In Houston, der viertgrößten Stadt der USA, fielen binnen 24 Stunden 60 Zentimeter Regen, Tendenz steigend. Der US-Wetterdienst erwartet durchschnittlich etwa ein Meter Regen. "Das Ausmaß und die Intensität dieses Regens geht über alles bislang Dagewesene hinaus und führt zu katastrophalen Überschwemmungen", erklärte der Wetterdienst.

Überschwemmungen nach Hurrikan "Harvey"
tagesthemen 22:40 Uhr, 27.08.2017, Markus Schmidt, ARD New York

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Straßen verwandelten sich in reißende Flüsse. Die städtische Katastrophenschutzbehörde forderte die 2,3 Millionen Einwohner auf, wenn das oberste Stockwerk ihres Hauses nicht mehr sicher sei, sollten sie sich aufs Dach retten. Die Stadt öffnete öffentliche Gebäude als Notunterkünfte für Menschen, deren Häuser überflutet wurden.

Die Behörden leiteten die Evakuierung eines der größten Krankenhäuser von Houston ein: Das Erdgeschoss des Ben Taub Hospital sei überschwemmt, die Stromversorgung sei beeinträchtigt. Die beiden Flughäfen der Stadt - unter ihnen das Luftverkehrsdrehkreuz George Bush Intercontinental Airport - wurden geschlossen.

"Leben retten"

"Wir bemühen uns, Leben zu retten und so viele Menschen wie möglich in Sicherheit zu bringen", sagte der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, im US-Fernsehen. Mit steigendem Hochwasser gingen bei den Einsatzzentralen immer mehr Notrufe ein.

Gouverneur Abbott zufolge sind rund 1800 Militärangehörige und Hunderte weitere Helfer bei Rettungsaktionen und Aufräumarbeiten im Einsatz. In Corpus Christi wiesen die Behörden die Anwohner an, ihren Wasserverbrauch zu drosseln und Trinkwasser abzukochen. Wegen der Stromausfälle kamen die Klärwerke nicht mit der Reinigung der Abwässer nach. In der Nähe des Flusses Brazos wurden rund 4500 Gefängnisinsassen aufgrund des steigenden Wasserspiegels in Sicherheit gebracht.

Schwere Überflutungen in Houston. | Bildquelle: AP
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Straßen sind Flüsse: Schwere Überflutungen in Houston.

Kein Strom

Die 10.000-Einwohnerstadt Rockport nordöstlich von Corpus Christi bot ein Bild der Verwüstung: Umgestürzte Strommasten, Holzrahmen von auseinandergerissenen Häusern waren mit anderen Trümmerteilen auf Straßen verteilt. Der 3800-Einwohnerort Port Aransas, der auf einer Insel vor der Küste liegt, meldete ebenfalls erhebliche Schäden. Polizei und Bergungskräfte mit schwerem Gerät schafften es nur bis zum nördlichen Ortsrand, dann gab es erst einmal kein Durchkommen mehr. Rund 300.000 Haushalte schnitt "Harvey" von der Stromversorgung ab.

Hurrikan Harvey | Bildquelle: AP
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Verwüstungen in Rockport

In der Region ist fast die Hälfte der US-Raffinerie-Kapazität angesiedelt, im Golf von Mexiko selbst erfolgt knapp ein Fünftel der Öl-Produktion des Landes. Die Energieproduktion wurde unterbrochen. Konzerne wie Royal Dutch Shell, Anadarko Petroleum und Exxon evakuierten ihre Öl- und Gasplattformen vor der Küste. Wie Exxon legte auch Shell nach eigenen Angaben eine Raffinerie sowie eine Chemiefabrik still. Mehr als 110 Ölplattformen im Golf von Mexiko sind evakuiert.

Massive Regenfälle bis Mitte der Woche

"Harvey" hatte Texas am Freitagabend (Ortszeit) als Orkan der zweithöchsten Kategorie erreicht. Es war der stärkste Wirbelsturm auf dem US-Festland seit zwölf Jahren. Hunderttausende Menschen waren in Sicherheit gebracht worden. Houstons Bürgermeister Sylvester Turner verteidigte seine Entscheidung, die 2,3 Millionen Einwohner Houstons nicht zur Evakuierung aufgefordert zu haben. Das wäre selbst im Vergleich zur aktuellen Lage zum Albtraum geworden. Niemand habe in dem Flachland voraussagen können, wohin die Fluten genau kommen werden.

Weil der Tropensturm wegen eines nördlich gelegenen Hochdruckgebiets praktisch festsitzt, bringt er dauerhaft so massive Regenfälle, dass manche Gebiete Behördenangaben zufolge bald nur noch per Boot zu erreichen sein könnten. Die Rekordniederschläge sollen nach Voraussagen der Meteorologen bis Mitte der Woche anhalten.

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Hurrikan "Harvey"

Fluten in Houston

Überflutete Straßen, geschlossene Flughäfen und evakuierte Krankenhäuser - starke Regenfälle haben die texanische Millionenmetropole Houston ins Chaos gestürzt. Der internationale Flughafen Houstons wurde bis auf Weiteres geschlossen. Die Schulen bleiben mindestens bis zum 5. September geschlossen. | Bildquelle: REUTERS

Über dieses Thema berichtete tagesschau am 27. August 2017 um 20:00 Uhr.

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