Ein Panzer fährt über eine Straße in Harare | Bildquelle: AFP

Machtkampf in Afrika Militär übernimmt Kontrolle in Simbabwe

Stand: 15.11.2017 08:55 Uhr

In Simbabwe hat das Militär die Kontrolle übernommen. Ein General versicherte jedoch, es handele sich nicht um einen Putsch. Ziel sei es, gegen "Kriminelle" vorzugehen. Machthaber Mugabe wurde offenbar festgesetzt.

Das Militär in Simbabwe hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über den Staat übernommen. Es gehe darum, eine "sich verschlimmernde politische, soziale und wirtschaftliche" Krise zu überwinden, erklärte Generalmajor Sibusiso Moyo in einer Ansprache im staatlichen Fernsehen. Es handle sich jedoch nicht um einen Militärputsch, betonte er. Es gehe darum, Verbrecher zur Strecke zu bringen, die soziales und wirtschaftliches Leid im Land verursacht hätten.

Wo ist Mugabe?

Wo sich der 93-jährige Präsident Robert Mugabe derzeit aufhält, und wie es ihm geht, ist unklar. Angeblich hat es in Nacht im Umfeld seines Privathauses Schüsse gegeben. Es deutet viel darauf hin, dass er vom Militär festgesetzt wurde. Moyo erklärte: "Wir möchten der Nation versichern, dass seine Exzellenz, der Präsident der Republik von Simbabwe und Oberbefehlshaber der simbabwischen Verteidigungskräfte, Kamerad Mugabe, und seine Familie in Sicherheit und wohlauf sind. Ihre Sicherheit ist garantiert." Sein Aufenthaltsort ist unklar, Mugabe selbst oder seine Familie hat sich bislang nicht öffentlich geäußert.

Robert Mugabe | Bildquelle: dpa
galerie

Mugabe ist Afrikas ältester Staatschef und regiert Simbabwe seit 37 Jahren mit harter Hand.

Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge blockierten in der Hauptstadt Harare die Zufahrtsstraßen zu den wichtigsten Regierungsgebäuden, zum Parlament und zu den Gerichten. Menschenrechtsaktivisten und Mitarbeitern zufolge besetzte das Militär auch den staatlichen Fernsehsender. Offenbar wurde Finanzminister Ignatius Chombo in Gewahrsam genommen.

"Angemessene" Reaktion auf "Provokationen"

Moyo rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren und unnötige Reisen zu vermeiden. Sie sollte aber normal ihren Geschäften nachgehen. Der Armeesprecher warnte, auf "Provokationen" würde angemessen reagiert: "Wir appellieren an Sie: Kooperieren Sie! Zum Wohle des Landes. Sobald wir unsere Mission erfüllt haben, erwarten wir eine Rückkehr zur Normalität." Er forderte alle Sicherheitskräfte auf, mit dem Militär zusammenzuarbeiten. Alle Soldaten sollten sich umgehend zum Dienst zurückmelden.

Karte: Simbabwe mit der Hauptstadt Harare
galerie

Simbabwe ist reich an Bodenschätzen, aber dennoch eines der ärmsten Länder Afrikas.

Explosionen und Schüsse

In der Nacht hatte es Augenzeugen zufolge mehrere laute Explosionen in der Hauptstadt gegeben. Zugleich waren in Harare ungewöhnlich viele Militärfahrzeuge auf den Straßen im Einsatz. Momentan scheint die Lage in Harare aber ruhig zu sein, von der verstärkten Militärpräsenz abgesehen. Viele Simbabwer gar nicht mitbekommen haben, was heute Nacht passiert ist, berichtet ARD-Korrespondent Jan-Philippe Schlüter.

Das Auswärtige Amt in Berlin forderte deutsche Staatsbürger angesichts der "bisher ungeklärten Bewegungen militärischen Geräts und Personals" zur Vorsicht auf. "Deutsche Staatsangehörige sollten in ihren Unterkünften verbleiben, sich von Menschenansammlungen fernhalten", hieß es. Die Botschaften der USA und Großbritanniens ermahnten ihre Staatsbürger in Simbabwe ebenfalls zu großer Vorsicht und forderten sie auf, zu Hause zu bleiben. Die US-Botschaft soll heute geschlossen bleiben.

Politische Krise

Das südafrikanische Land befindet sich in einer politischen Krise. Zwischen Langzeitpräsident Mugabe und dem Militär kam es zum Zerwürfnis, als der 93-Jährige in der vergangenen Woche Vizepräsident Emmerson Mnangagwa feuerte, der als Verbündeter von Armeechef Constantino Chiwenga gilt. Mnangagwa war zuvor als Mugabes Nachfolger gehandelt worden. Es wird vermutet, dass er entlassen wurde, damit Mugabes Frau Grace an seine Stelle rücken kann - und somit als mögliche Nachfolgerin ihres Ehemannes aufgebaut werden kann. Das Militär stand bislang immer stramm hinter Robert Mugabe; Grace genießt jedoch nicht den Rückhalt der Armee.

Simbabwes Armeechef Constantino Chiwenga | Bildquelle: AP
galerie

Armeechef Constantino Chiwenga hatte Mugabes Regierung bereits am Montag gedroht.

Grace Mugabe als Ziel?

Die Militäraktion richtet sich deshalb anscheinend vor allem gegen Grace Mugabe und Politiker aus ihrem Umfeld. Die als G40 bekannte Gruppe ist Teil des eskalierenden Machtkampfes um Robert Mugabes Nachfolge. Sie plant laut Beobachtern, nach dem Rücktritt oder dem Tod des 93-Jährigen die Macht zu übernehmen - mit Grace Mugabe als Präsidentin. Die Armee will das wohl verhindern.

Mit Informationen von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Johannesburg

Militär in Simbabwe übernimmt die Kontrolle über das Land
Jan-Philippe Schlüter, ARD Johannesburg
15.11.2017 11:34 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 15. November 2017 NDR Info um 05:00 Uhr und die tagesschau um 06:00 Uhr und 09:00 Uhr.

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

Darstellung: