Karte: Simbabwe mit der Hauptstadt Harare

Südafrikanisches Land Militär übernimmt Macht in Simbabwe

Stand: 15.11.2017 05:41 Uhr

Inmitten von Gerüchten über einen Militärputsch in Simbabwe hat es in der Hauptstadt Harare drei Explosionen gegeben. Zudem sollen nahe der Residenz des Präsidenten Mugabe Schüsse gefallen sein. Die USA und Großbritannien riefen ihre Bürger zur Vorsicht auf.

In der Hauptstadt von Simbabwe sind am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) mindestens drei Explosionen zu hören gewesen. Zugleich waren in Harare ungewöhnlich viele Militärfahrzeuge auf den Straßen im Einsatz, wie mehrere Nachrichtenagenturen berichten. Augenzeugen sprachen zudem von mehreren Schüssen nahe der Präsidentenresidenz.

Die US-Botschaft in Simbabwe kündigte an, heute weitgehend geschlossen zu bleiben und rief amerikanische Bürger zur Vorsicht auf. Auch die britische Botschaft riet ihren Bürgern, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Robert Mugabe | Bildquelle: dpa
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Mugabe ist Afrikas ältester Staatschef und regiert Simbabwe seit 37 Jahren mit harter Hand.

Zerwürfnis und Hexerei

Die südafrikanische Nation befindet sich in einer politischen Krise. Zwischen Langzeitpräsident Robert Mugabe und dem Militär kam es zum Zerwürfnis, als der 93-Jährige in der vergangenen Woche Vizepräsident Emmerson Mnangagwa feuerte. Dieser war als Mugabes Nachfolger gehandelt worden. Auch das Militär hatte Mnangagwa unterstützt.

Die Zuspitzung der Lage hatte sich ergeben, nachdem Militärchef General Constantino Chiwenga der Regierung von Mugabe am Montag öffentlich gedroht hatte, die Armee sei angesichts der Krise im Land bereit "einzuschreiten". Die Regierungspartei Zanu-PF erklärte daraufhin am Dienstagabend, die Äußerungen Chiwengas "legen verräterisches Verhalten nahe, da sie zur Anstachelung des Widerstandes und einer gewaltsamen Auflehnung gegen die verfassungsrechtliche Ordnung aufriefen".

Kontrollverlust des Präsidenten?

Mugabe selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Einer seiner Mitarbeiter sagte am Dienstag, der Staatschef gehe wie gewohnt seinen Amtsgeschäften nach.

Ein Analyst der Beratung ExxAfrica, Robert Besseling, erklärte hingegen, die Funkstille der Regierung deute darauf hin, dass Mugabe die Kontrolle über die Situation verloren habe. Sollte es zu einem Militärputsch kommen, seien in der Nähe wichtiger Einrichtungen in Harare wie dem öffentlichen Fernsehsender und Regierungsgebäuden Kämpfe zwischen Fraktionen des Militärs und der Polizei zu befürchten, so Besseling weiter.

Militär: Kontrolle übernommen aber "kein Staatsstreich"

Mitglieder der Armee haben sich mittlerweile im Staatsfernsehen an die Bevölkerung des südafrikanischen Landes gerichtet. Es gebe keinen Staatsstreich und Präsident Mugabe sei gesund und in Sicherheit, sagten Offiziere.

Das Militär in Simbabwe hat jedoch nach eigenen Angaben zeitweise die Kontrolle über den Staat übernommen. Es gehe darum, eine "sich verschlimmernde politische, soziale und wirtschaftliche" Krise zu überwinden, erklärte Generalmajor Sibusiso Moyo in der TV-Ansprache.

Über dieses Thema berichtete am 15. November 2017 NDR Info um 05:00 Uhr und die tagesschau um 06:00 Uhr und 09:00 Uhr.

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