Hamas-Kämpfer zollen Kämpfern, die Ende Januar beim Einsturz eines Tunnels ums Leben kamen, in Gaza-Stadt Tribut.

Nahost-Konflikt Hamas ändert Ton - Israel bleibt skeptisch

Stand: 01.05.2017 23:07 Uhr

Die radikalislamische Hamas hat ihr politisches Programm leicht geändert. Sie deutet an, einen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967 zu akzeptieren. Die israelische Regierung spricht von einem Täuschungsmanöver.

Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas hat ihre politischen Positionen in einem Grundsatzpapier leicht verändert. Die im Gazastreifen herrschende Extremistenorganisation deutet darin die Bereitschaft an, "die Gründung eines vollkommen souveränen und unabhängigen Palästinenserstaates in den Grenzen vom 4. Juni 1967 mit Jerusalem als Hauptstadt" zu akzeptieren.

Die Formulierung bezieht sich auf die Lage vor der Besetzung des Westjordanlandes, des Gazastreifens und Ost-Jerusalems durch Israel. Durch die Beschränkung ihrer Forderungen auf diese Gebiete übernimmt die Hamas die Verhandlungsposition der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), die im Westjordanland herrscht.

Keine Verhandlungen mit Israel

Die veröffentlichte Ergänzung der Hamas-Charta aus dem Jahr 1988 besteht aus 42 Punkten. Das Dokument wurde zeitgleich mit einer Pressekonferenz des im Exil lebenden Hamas-Führers Chalid Maschal in Doha im Internet veröffentlicht. "Wir sind bereit, mit wem auch immer zusammenzuarbeiten, der uns helfen kann", den nun beschriebenen Palästinenserstaat zu erlangen, sagte Maschal. Direkte Verhandlungen mit Israel lehne seine Organisation jedoch ab, "denn es gibt kein Kräftegleichgewicht".

Auf Distanz zu den Muslimbrüdern

Die Hamas bekräftigt zudem den Willen zum bewaffneten Kampf gegen Israel, einen Anspruch auf das gesamte historische Palästina sowie die Forderung nach einer Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge.

Gleichzeitig distanziert sich die Hamas von der Muslimbruderschaft in Ägypten, aus der sie vor knapp drei Jahrzehnten hervorgegangen war. Experten sehen die Veröffentlichung des Papiers als Versuch der Hamas, aus der internationalen Isolation auszubrechen und sich Ägypten anzunähern.

Israel spricht von Täuschungsmanöver

Die israelische Regierung kritisierte das Hamas-Papier als Täuschungsmanöver. Der Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu sagte: "Hamas versucht, die Welt an der Nase herumzuführen, aber das wird nicht gelingen." Hamas-Führer riefen "täglich zum Völkermord an allen Juden und zur Zerstörung Israels auf".

Die Hamas hatte 2007 gewaltsam die Macht im Gazastreifen an sich gerissen. Sie wird unter anderem von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Im Februar war der Hardliner Jahia Sinwar zum neuen Hamas-Chef im Gazastreifen gewählt worden.

Hamas stellt neue Charta - Israel skeptisch
T. Aßmann, ARD Berlin
02.05.2017 05:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Mai 2017 um 04:43 Uhr.

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