Mitglieder des bewaffneten Arms der Hamas nehmen am 17.08.2017 in Rafah (Gazastreifen) an der Beerdigung eines Grenzwächters teil. | Bildquelle: dpa

Konflikt zwischen Hamas und Fatah Ende der Bruderfehde in Sicht?

Stand: 17.09.2017 13:13 Uhr

Seit Jahren sind die Palästinenserorganisationen Hamas und Fatah verfeindet, zahlreiche Aussöhnungsversuche schlugen fehl. Nun geht die Hamas mit einem weitreichenden Versöhnungsangebot auf die Fatah zu - Erfolg ungewiss.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel-Aviv

Die Erklärung kam am frühen Morgen: Man sei bereit, auf zentrale Forderungen von Palästinenserpräsident Abbas einzugehen, teilte die Hamas in einer Stellungnahme mit. Das umstrittene Komitee, das den Gazastreifen verwaltet - eine Art Schattenregierung der Hamas -, werde aufgelöst. Man lade die Regierung von Mahmud Abbas ein, wieder in den Gazastreifen zurückzukehren, schrieb die radikal-islamische Palästinenserorganisation. Sie signalisierte so ihre Bereitschaft, nach zehn Jahren Herrschaft und drei Kriegen mit Israel offenbar ein Ende ihrer absoluten Kontrolle des Küstenstreifens einzuleiten.

Mahmud Abbas | Bildquelle: AFP
galerie

Palästinenserpräsident Abbas, der sich zurzeit in New York aufhält, äußerte sich bisland nicht zur Hamas-Erklärung.

Abbas reagierte bisher nicht auf die Hamas-Erklärung. Er ist in New York, um dort am Mittwoch vor der UN-Vollversammlung zu reden. Ein hochrangiges Mitglied seiner Fatah-Partei begrüßte jedoch das Einlenken der Hamas-Spitze. Wenn die Erklärung sich bewahrheite, sei sie ein positives Zeichen, sagte Mahmud Aloul. Die Fatah sei bereit zu einer Versöhnung.

Die Rolle Ägyptens

Das Angebot der Hamas kam durch ägyptische Vermittlung zu Stande. Eine Delegation der Hamas, geleitet von Ismail Hanyie, dem neuen Chef des Politbüros der Organisation, hatte in Kairo verhandelt.

Nach Aussage von Hamas-Sprecher Fawzi Barhoum ging es bei dem Treffen um zentrale Themen - darunter die Stärkung der gegenseitigen Beziehungen. "Es geht auch darum, die Blockade des Gazastreifens zu lockern und die Lebensbedingungen zu verbessern. Wir sprechen natürlich auch über die nationale palästinensische Frage und dabei vor allem über den Weg zu einer Versöhnung und dem Ende der innerpalästinensischen Teilung", hatte Barhoum bereits vor einigen Tagen gesagt.

In ihrer aktuellen Stellungnahme spricht die Hamas nun von großzügigen ägyptischen Bemühungen. Es wird erwartet, dass Kairo im Gegenzug seinen Grenzübergang zum Gazastreifen deutlich weitreichender öffnet als zuletzt und etwa einen eingeschränkten Personen-Reiseverkehr ermöglicht. Sollte das passieren, hätte die Hamas einen Erfolg vorzuweisen, mit dem sie bei der Bevölkerung im Gazastreifen punkten könnte.

Hamas will Verwaltung von Gaza abgeben
tagesthemen 22:45 Uhr, 17.09.2017, Mike Lingenfelser, ARD Tel Aviv

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Aussöhnung immer wieder gescheitert

Die sowieso schon miserable humanitäre Lage der rund zwei Millionen Bewohner in dem abgeriegelten Küstenstreifen hatte sich zuletzt immer weiter verschlechtert. Der Grund dafür war der innerpalästinensische Streit zwischen der Hamas und Präsident Abbas. Er hatte Stromlieferungen in den Gazastreifen eingeschränkt und Gehaltszahlungen für staatliche Angestellte gekürzt. Die Hamas, die politisch weitgehend isoliert ist, geriet so weiter unter Druck und lenkt nun ein. Sie will auch an freien Wahlen im Gazastreifen und dem Westjordanland teilnehmen und Versöhnungsverhandlungen mit der Fatah aufnehmen.

Die palästinensische Bevölkerung wünscht sich mehrheitlich schon lange ein Ende des Streits der beiden wichtigsten politischen Gruppierungen, doch ob die aktuelle Ankündigung der Hamas tatsächlich zu einer dauerhaften Versöhnung führt, bleibt abzuwarten. In ihrer Stellungnahme ließ die Hamas offen, ob sie bereit ist die Kontrolle über ihre eigenen Sicherheitskräfte an Mahmud Abbas und seine palästinensische Autonomiebehörde abzugeben. Auch an dieser Frage waren Versöhnungsversuche in der Vergangenheit gescheitert.

Hamas macht weitreichendes Versöhnungsangebot an Abbas
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
17.09.2017 12:28 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. September 2017 um 13:15 Uhr.

Darstellung: