Haniyya (Archivbild) | Bildquelle: Reuters

Nahostpolitik Haniyya wird neuer Hamas-Chef

Stand: 06.05.2017 16:12 Uhr

Der palästinensische Politiker Haniyya ist zum neuen Chef der radikalislamischen Hamas gewählt worden. Er gilt als Pragmatiker und Anhänger des gemäßigteren Flügels. Vor seiner Wahl hatte die Organisation ihr Programm entschärft.

Die Hamas hat einen neuen Vorsitzenden: Ismail Haniyya ist zum Chef der radikalislamischen Palästinenserorganisation gewählt worden. Haniyya habe bei geheimen Wahlen des Schura-Rats gewonnen, teilte sein Vorgänger Chalid Maschal mit, dessen zweimaliges Mandat an der Spitze des Politbüros nach zwei Jahrzehnten endete.

Sowohl Maschal als auch sein Nachfolger gelten als Verfechter einer pragmatischen Linie im Konflikt mit Israel. Beide werden zum gemäßigteren Flügel der radikalislamischen Organisation gezählt. Im Gegensatz zu Maschal, der im Exil in Doha lebt, wird Haniyya voraussichtlich im Gazastreifen bleiben.

Dort wurde Haniyya 1962 oder 1963 in einem Flüchtlingslager geboren. Er studierte arabische Literatur in Gaza. 1992 wurde Haniyya nach einer dreijährigen Haftstrafe in Israel gemeinsam mit radikalen Hamas-Führern in den Südlibanon deportiert. 1993 kehrte er in den Gaza-Streifen zurück.

Politisches Programm vor der Wahl entschärft

Nur wenige Tage vor der Wahl ihres neuen Chefs hatte die Hamas erstmals seit ihrer Gründung ihr politisches Programm geändert. In dem neuen Programm akzeptiert sie erstmals einen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967. Dies wurde als Versuch gewertet, aus der internationalen Isolation auszubrechen.

Die Hamas ist nach der Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die zweitgrößte Palästinenserorganisation. Die Hamas hatte 2007 nach einem blutigen Bruderkrieg gegen die Fatah die Macht im Gazastreifen an sich gerissen. Seither regiert Abbas faktisch nur noch im Westjordanland, die Hamas im Gazastreifen.

Haniyyas erste Aufgabe in seiner neuen Rolle wird sein, mit zunehmenden Spannungen zwischen Hamas und Fatah umzugehen. In den vergangenen Wochen hat Abbas damit gedroht, finanziellen Druck auszuüben, um die Hamas dazu zu zwingen, Boden aufzugeben. Dazu gehört, Lohnzahlungen und Hilfe für den Gazastreifen zu kürzen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Mai 2017 um 17:45 Uhr.

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