Donald Trump | Bildquelle: AFP

Ein halbes Jahr Trump Viel versucht - wenig geschafft

Stand: 20.07.2017 05:38 Uhr

Seit einem halben Jahr ist US-Präsident Trump im Amt. Keine andere Regierung habe in so kurzer Zeit so viel geschafft, behauptet er selbst. Die große Mehrheit der Amerikaner sieht das allerdings anders, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Seit einem halben Jahr ist US-Präsident Donald Trump nun im Amt - und zumindest er scheint mit seinem Start zufrieden zu sein: "Kaum eine Regierung hatte so früh so viele Erfolge aufzuweisen wie unsere."

Trump brachte mit Neil Gorsuch einen neuen Richter an den Supreme Court. Das kann er unter seinen Erfolgen verbuchen. Gorsuch zeigte dann auch gleich bei der Abstimmung über den Einreisestopp, wo er steht: am konservativsten Ende der Richterskala.

Zweimal wurde Trumps Einreiseverbot für Menschen aus sechs vornehmlich muslimischen Ländern schon von Gerichten gestoppt. Das Oberste Gericht erlaubte nun Teile des Erlasses und wird sich im Herbst erneut mit dem Thema befassen. Ein weiterer Teilerfolg für Donald Trump. Und seine Anhänger sind hochzufrieden. Trump habe sein Leben verändert, sagt zum Beispiel Gene aus Florida. Und: Trump halte seine Versprechen.

Trump lässt eigene Partei zusammenzucken

Ein genauerer Blick auf die Bilanz Trumps kann das Gefühl seiner Anhänger aber nicht bestätigen: Die Gesundheitsreform hängt fest. Die versprochene Steuerreform ist noch nicht in Sicht. Dafür hat Trump seit Januar über Twitter so manches Statement abgegeben, das selbst Politiker seiner eigenen Partei zusammenzucken lässt - so wie zuletzt ein Video, in dem Trump auf einen Mann einzudreschen scheint, dessen Kopf mit dem CNN-Logo ersetzt wurde.

Die Abgeordneten würden Trump beknien, damit aufzuhören, sagt John Kasich, republikanischer Gouverneur aus Ohio. Denn eigentlich würde seine Partei lieber mit konkreten politischen Entscheidungen punkten - schließlich ist der Kongress in der Hand der Konservativen. Nächstes Jahr werden außerdem das Repräsentantenhaus und ein Teil des Senats neu gewählt.

Bei seinen Anhängern kommen Trumps Twitter-Tiraden aber durchaus gut an: "Ich liebe seine Tweets. Ich kann’s morgens kaum erwarten aufzuwachen und zu sehen, was er gesagt hat", sagte ein Trump-Anhänger bei CNN. "Er spricht uns an, die normalen Leuten." Dass Trump das Handelsabkommen TPP gekündigt hat, gefällt vielen seiner Wähler - genauso wie der Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Tesla-Chef Elon Musk hatte daraufhin beschlossen, Trump nicht mehr als Berater zur Verfügung zu stehen.

Niedrigste Zustimmungswerte seit 50 Jahren

Trump und seiner Familie stehen inzwischen allerdings eine ganze Reihe von Anwälten beratend zur Seite. Denn die Russland-Affäre prägt Trumps Präsidentschaft. Trump selbst spricht von einer Hexenjagd. Mehrere Untersuchungsausschüsse und ein unabhängiger Sonderermittler versuchen zu ergründen, ob und wenn ja, wie Russland Einfluss auf die Wahlen in den USA genommen hat. Die Ermittlungen rücken dabei immer näher an Donald Trump heran. 

Trumps Zustimmungswerte sind im Keller. Nach einem halben Jahr sind nur zwischen 36 und 43 Prozent zufrieden mit der Arbeit des Präsidenten. So schlecht sei das gar nicht, sagte Trump. Fakt ist aber: Keiner seiner Vorgänger in den letzten fast 50 Jahren hatte nach einem halben Jahr so niedrige Zustimmungswerte.

Ein halbes Jahr US-Präsident Trump
Martina Buttler, ARD Washington
20.07.2017 00:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Juli 2017 um 05:45 Uhr.

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