Russlands Präsident Wladimir Putin. | Bildquelle: picture alliance / Global Look P

Putin und die G20 Was Russland vom Gipfel erwartet

Stand: 06.07.2017 11:51 Uhr

Am G20-Format hat Russland Freude - hier darf es weiter mitreden, während das Land wegen der Krim-Annexion aus der G8 ausgeschlossen wurde. Dennoch warten auf Präsident Putin schwierige Gespräche. Immerhin hat er an Hamburg besondere Erinnerungen.

 Von Herrmann Krause, ARD-Studio Moskau

Die Reise nach HH ist für Wladimir Putin auch ein Stück Nostalgie. Im Dezember 2004 war der russische Präsident von seinem Freund Gerhard Schröder in Hamburg empfangen worden. Die Stimmung war bestens.

13 Jahre später hat sich die Lage grundlegend geändert. Russland wurde wegen der Annexion der Krim und der Unterstützung der Separatisten in der Ost-Ukraine aus dem Kreis der G8 ausgeschlossen.

Russland in vielen Organisationen aktiv

Da der Westen versuchte, ihn zu isolieren, orientierte sich Putin um. Es gebe auch größere Formate wie zum Beispiel die G20, sagte er. Außerdem sei Russland sehr aktiv in der BRICS-Organisation, zudem habe man die Shanghai-Organisation für Zusammenarbeit. Zu der Organisation gehören neben China und Russland auch Indien, Pakistan, Usbekistan, Tadschikistan und andere, die Türkei will auch beitreten.

Indiens Premierminister Narendra Modi arbeitet mit Putin in verschiedenen Organisationen zusammen. | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Indiens Premierminister Narendra Modi arbeitet mit Putin in verschiedenen Organisationen zusammen.

Beim Abendessen saß Putin alleine

Für die russischen Außenpolitiker aber spielt zur Zeit die  die G20 die entscheidende Rolle. Der Sprecher Putins, Dimitri Peskow, betonte, Moskau sei "mit dem G20-Format sehr zufrieden". In ihm seien alle wichtigen Wirtschaftsnationen vertreten, es habe Einfluss auf die internationalen Prozesse. "Russland kann sein Potenzial so besser einbringen."

Aber auch bei dem Treffen der G20 in Brisbane 2014 - der Gipfel sollte Russland zum ersten Mal als Ersatz für G8 dienen - zeigten viele Staats- und Regierungschefs Putin die kalte Schulter. Obama ignorierte den russischen Präsidenten weitgehend, der kanadische Premier wollte ihm nicht die Hand geben, beim Abendessen saß Putin alleine.

In der Türkei 2015 wurde er hingegen hofiert, besonders aber beim letzten Gipfel in China, ist doch China strategischer Partner Russlands.

China ist strategischer Partner Russlands. | Bildquelle: REUTERS
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Demonstratives Einvernehmen: Präsidenten Putin und Xi

Sanktionen treten an die Stelle von Kooperation

"In der Welt ist Russland immer noch ein wichtiger Spieler, aber das Ansehen ist international gesunken. Russland nahm an der Zusammenarbeit in vielen euroatlantischen Strukturen teil, arbeitete sehr eng mit der NATO zusammen und mit der EU zusammen", so Professor Igor Gretzki von der Universität St. Petersburg. Das gebe es so nicht mehr. Russland sei nun das Ziel von Sanktionen.

Dass der G20-Gipfel für ein Ende dieser Sanktionen stimmen könnte, ist so gut wie ausgeschlossen. Er hat auch kein Mandat dazu. Der Kreml mischt sich aktiv in Wahlkämpfe ein, davon ist mittlerweile die ganze Welt überzeugt. Dies hat ebenfalls nicht dazu beitragen, Putins Image zu steigern.

Putin selbstbewusst wie immer

Die Unterstützung des syrischen Präsidenten Assad ruft Unverständnis hervor, ebenso die Leugnung der Angriffe mit chemischen Waffen in Syrien und die Unterstützung der Separatisten in der Ost-Ukraine.

Erfahrungsgemäß aber wird Putin selbstbewusst wie immer auftreten, mit eigenen Argumenten und seiner Sichtweise. Ihn zu überzeugen, dass Russland vielleicht auf einem falschen Weg sei, ist völlig ausgeschlossen.

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Ein Highlight: Trump treffen

Da unterscheidet er sich auch nicht wesentlich von Donald Trump. Deshalb wäre ein Treffen mit Trump,  wenn es denn überhaupt dazu kommt, für Putin auch so etwas wie Highlight.

"Wir kennen zwar die Haltung der heutigen Regierung zu den Pariser Klima-Vereinbarungen. Aber Präsident Trump weigert sich doch nicht, weiter über das Thema zu diskutieren", so der russische Präsident. Wenn man beginne, mit der US-Regierung zu streiten, sich gegenseitig zu beschimpfen und zu beleidigen, so wäre das der schlechteste Weg, so Putin.

Während Europa  über die Politik des US-Präsidenten entsetzt ist, gibt sich Putin bewusst Trump-freundlich. Auch er spricht von einer Hexenjagd. Dass Russland die Wahl zugunsten Trumps beeinflusst habe soll, sei "Unsinn“.

Ein Gefühl der Ungewissheit

"Das Treffen mit Trump ist natürlich für das russische Establishment das wichtigste Ereignis. Aber die Euphorie hat nachgelassen", so Professor Gretzki.

Die begeisterten Stimmen und die Freude, dass Trump zum Präsidenten gewählt wurde, sei innerhalb  der russischen Elite  nicht mehr festzustellen. Es herrsche ein Gefühl der Ungewissheit.

Der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, durfte im Gegensatz zu Putin US-Präsident Trump bereits besuchen. | Bildquelle: dpa
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Der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, durfte im Gegensatz zu Putin US-Präsident Trump bereits besuchen.

Streitpunkte bleiben

So fordert Trump die Rückgabe der Krim an die Ukraine. Präsident Poroschenko war vor Wochen im Weißen Haus, Putin aber bleibt die Tür versperrt. Stattdessen wurden weitere Sanktionen gegen Russland  verhängt.

In Syrien zeigen die USA unerwartet wieder Stärke, ohne Rücksicht auf Russland. Wo also will Putin anknüpfen? Außer wohlwollenden Sprüchen hat Trump vermutlich nichts zu bieten. Dies wird dann wohl auch der russische Präsident begreifen müssen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Juli 2017 um 07:31 Uhr.

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