Der mexikanische Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán wird von zwei Soldaten abgeführt.  | Bildquelle: AP

Mexiko bereitet Auslieferung vor Für "El Chapo" wird es jetzt ernst

Stand: 11.01.2016 18:10 Uhr

Die USA haben das Auslieferungsverfahren gegen den mexikanischen Drogenboss "El Chapo" Guzmán begonnen. Bis er überstellt wird, könnten jedoch noch Jahre vergehen. Derweil wächst die Kritik an Schauspieler Sean Penn, nach seinem Treffen mit dem Drogenboss.

Zwei Tage nach der Festnahme des Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán hat die mexikanische Regierung das Verfahren für eine Ausweisung in die USA begonnen. Der Prozess begann am Sonntag, als zwei Beamte von Interpol Mexiko das Gefängnis in Altiplano nahe Mexiko-Stadt besuchten, um zwei Haftbefehle zu vollstrecken.

Das Verfahren kann sich jedoch noch jahrelang hinziehen: Als nächstes muss ein Richter über die Ausweisung Guzmáns befinden. Die Entscheidung wird dann an das Außenministerium weitergeleitet, das noch grünes Licht für die Auslieferung geben muss. Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte, dass Guzmán dann Einspruch gegen die Entscheidung einlegen könne. Bis zu sechs Jahre können die Anwälte des Drogenbosses damit die Auslieferung verzögern.

Guzmáns Anwalt Juan Pablo Badillo kündigte bereits an, dass er notfalls bis vor den Obersten Gerichtshof ziehen werde, um sich gegen die Ausweisung seines Mandanten zur Wehr zu setzen. Er begründete dies damit, dass dem Chef des Sinaloa-Rauschgiftkartells in den USA die Todesstrafe drohe.

Wachsende Kritik an "Hollywood-Interview"

Dort gerät Hollywood-Star Sean Penn für sein Interview mit "El Chapo" immer weiter in die Kritik. Der Schauspieler hatte sich im Oktober mit dem Drogenboss auf einer Dschungellichtung getroffen, wie Penn im Magazin "Rolling Stone" schrieb. Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez hatte am Freitag berichtet, der Drogenboss habe offenbar gehofft, es werde ein Film über ihn gedreht. Die Behörden seien über Treffen Guzmáns mit Regisseuren und Schauspielern im Bilde gewesen.

Das Treffen mit US-Schauspieler Penn spielte offenbar eine Rolle bei der Festnahme. Guzmán, der in den USA und Mexiko auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher stand, war am Freitag gefasst worden.

Das "sogenannte Interview" werfe einige "interessante Fragen" an Penn und andere Beteiligte auf, sagte der Stabschef von US-Präsident Barack Obama, Denis McDonough, dem Fernsehsender CNN. Im Sender ABC hatte er zuvor betont, es sei eine "sehr gute Nachricht", dass Guzmán nach seiner Flucht wieder gefasst wurde.

"Einschleimen" bei Drogenhändler - rechtens, aber grotesk

Ein Sprecher des Weißen Haus fügte hinzu, dass es "unerträglich" gewesen sei, wie Guzmán in dem Interview mit seinen Verbrechen geprahlt habe. Scharfe Kritik an dem Treffen des Schauspielers mit dem Drogenboss kam auch von dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio. Ein Schauspieler, der den Vereinigten Staaten seine Karriere verdankt, habe natürlich das "verfassungsmäßige Recht, sich bei einem Verbrecher und Drogenhändler einzuschleimen", sagte der Senator. "Ich finde das aber grotesk."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Januar 2016 um 12:45 Uhr.

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