Zwei Männer lesen eine Zeitung nach der Festnahme Guzmáns | Bildquelle: REUTERS

Nach Ergreifung des Drogenbosses Mexiko will "El Chapo" an USA ausliefern

Stand: 10.01.2016 00:55 Uhr

Zwei Mal war dem Drogenboss "El Chapo" Guzmán die Flucht aus einem mexikanischen Gefängnis gelungen. Künftig wird er möglicherweise in einem US-Gefängnis einsitzen. Mexikos Regierung macht den Weg für ein Auslieferungsverfahren frei - und vollzieht damit eine Kehrtwende.

Nach der Festnahme des berüchtigten Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán macht die mexikanische Regierung den Weg für eine Ausweisung in die USA frei. Nach der Wiederergreifung Guzmáns werde nun das Auslieferungsverfahren beginnen, teilte das Justizministerium mit. Wann mit der Überstellung zu rechnen ist, wurde nicht mitgeteilt. Guzmáns Anwälte haben den Angaben zufolge drei Tage Zeit, um gegen die Auslieferung Einspruch einzulegen.

Mehrere Haftbefehle in den USA

Guzmàn nach seiner Festnahme | Bildquelle: AP
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Guzmàn nach seiner Festnahme am Freitag.

Die mexikanische Regierung vollzieht damit eine Kehrtwende. Nach Guzmáns letzten Festnahme im Februar 2014 hatte Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto einer Auslieferung in die USA noch eine Absage erteilt.

Guzmán wurde sowohl in Mexiko als auch in den USA auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher geführt. In den USA liegen mehrere Haftbefehle wegen Drogenhandels gegen ihn vor.

Eine Flucht im Wäschewagen, eine durch die Dusche

Guzmán gilt als Chef des mächtigen Chef Drogen-Kartells Sinaloa, dem Hunderte Morde angelastet werden. Er war 1993 in Guatemala festgenommen und an Mexiko ausgeliefert worden. 2001 gelang ihm zum ersten Mal die Flucht aus einem Gefängnis - versteckt in einem Wäschewagen und mit Hilfe des Wachpersonals.

Im Februar 2014 wurde er in der Küstenstadt Mazatlán im Bundesstaat Sinaloa erneut festgenommen. Im Sommer 2015 gelang ihm dann die Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano. Er entschwand durch ein Loch in der Dusche seiner Gefängniszelle, das als Zugang zu einem 1,5 Kilometer langen Tunnel diente. Es folgte eine monatelange Großfahndung. Am vergangenen Freitag wurde er dann in der Stadt Los Mochis im Bundesstaat Sinaloa gefasst.

Dass Guzmán ein zweites Mal hatte fliehen können, hatte der mexikanischen Regierung viel Kritik eingebracht, gerade auch von den USA.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Januar 2016 um 04:49 Uhr.

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