Hochspringerin Gretel Bergmann (um 1930) | Bildquelle: dpa

Hochspringerin Gretel Bergmann mit 103 Jahren gestorben

Stand: 26.07.2017 20:30 Uhr

Sie war Deutschlands beste Hochspringerin, an den Olympischen Spielen 1936 durfte die Jüdin Bergmann aber nicht teilnehmen. Sie wanderte daraufhin in die USA aus. Nun ist das Ausnahmetalent im Alter von 103 Jahren gestorben.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Sie wusste es immer. Sie war die Beste damals: Gretel Bergmann. Den deutschen Hochsprungrekord von 1,60 hatte sie aufgestellt. Aber Deutschland verleugnete das Talent und das Können der jüdischen Hochleistungssportlerin, was Bergmann ihrer Heimat lange nicht verzieh. "Ich wollte einfach nur die Deutschen schlagen. Ich wollte zeigen, was ein jüdisches Mädchen kann", sagte sie.

Kurz vor den Olympischen Spielen 1936 in Berlin erhielt sie einen Brief. Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten teilte dem Ausnahmetalent zynisch mit, was die Nazis wollten: "Sie werden aufgrund der in letzter Zeit gezeigten Leistungen wohl selbst nicht mit einer Aufstellung für die Olympiamannschaft gerechnet haben." Der Brief endete mit den Worten "Heil Hitler".

Als die Olympischen Spiele in Berlin eröffnet wurden, war die deutsche Jüdin nicht am Start. Es war die größte Demütigung ihres Lebens, aber nicht die erste. Schon 1933 hatte sie ahnen können, was später kam: "Ich bekam einen Brief von meinem Sportverein FV Ulm: Sie sind nicht länger willkommen hier als Jüdin. Heil Hitler. Das war alles", sagte Bergmann.

Die Welt hinters Licht geführt

Aber die Nazis brauchten Bergmann. Als die Amerikaner mit dem Boykott der Spiele in Berlin drohten, war sie, die Jüdin, plötzlich nützlich. Die Nazis holten Bergmann aus London zurück, um die Welt zu täuschen. "Meine Nominierung als Olympia-Athletin hatte nur den Zweck, die gesamte Welt hinters Licht zu führen", sagte Bergmann später. Antreten durfte sie schließlich nicht.

Dass eine ungarische Jüdin die Goldmedaille holte, war nur eine kleine Genugtuung für Bergmann. Nie wieder wollte sie das Land der Täter betreten. Bergmann floh in die USA, verdrängte ihre Muttersprache. Sie verlor ihren Glauben an Gott, als sechs Millionen Juden ermordet wurden. Aber sie verlor nie den stillen Glauben an sich und ihr Ausnahmetalent: "Ich habe nie angegeben damit. Meine Bowling-Partner erfuhren über mich erst aus der Zeitung", erzählte sie einst.

1999 kam Bergmann - inzwischen hieß sie Margret Lambert - zurück in ihre Heimat, die sie damals nicht wollte. Das Stadion in Laupheim trägt heute ihren Namen. Im Alter von 103 Jahren ist Deutschlands beste Hochspringerin in New York City gestorben.

Hochspringerin Gretel Bergmann mit 103 Jahren gestorben
G. Schwarte, ARD New York
26.07.2017 19:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. Juli 2017 um 17:52 Uhr.

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