Kontrollen an der deutsch-dänischen Grenze | Bildquelle: dpa

Beratungen über Grenzschutz Thema Flüchtlinge "besser managen"

Stand: 06.01.2016 02:47 Uhr

Vertreter von Deutschland, Dänemark und Schweden wollen heute in Brüssel über den Grenzschutz beraten. EU-Innenkommissar Avramopoulos hat vor dem Hintergrund kürzlich eingeführter Kontrollen in Dänemark und Schweden zu dem Treffen eingeladen.

Nach der Wiedereinführung von Grenzkontrollen in Schweden und Dänemark gibt es Gesprächsbedarf. Deswegen kommen heute hochrangige Vertreter Deutschlands, Schwedens und Dänemarks zu Gesprächen mit EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos in Brüssel zusammen. Ziel sei es, "die Koordinierung zwischen den betroffenen Ländern zu verbessern, um ein besseres Management des Flüchtlingsdrucks sicherzustellen", so EU-Kommissionssprecher Margaritis Schinas.

Für Deutschland nimmt Innenstaatssekretär Ole Schröder an dem Treffen teil, Dänemark wird durch die Ministerin für Flüchtlingsfragen, Inger Stojberg, vertreten, für Schweden reist Justizminister Morgan Johannson an.

Passkontrollen für zunächst zehn Tage

Seit Montag kontrollieren dänische Grenzschützer für zunächst zehn Tage stichprobenartig die Pässe von Reisenden an der deutschen Grenze. Mit den Grenzkontrollen reagiert das Land auf die kurz zuvor in Kraft getretene Ausweispflicht an den schwedischen Grenzen.

Schweden will mit den Maßnahmen den Andrang von Flüchtlingen eindämmen. Das skandinavische Land hat pro Kopf mehr Flüchtlinge aufgenommen als jeder andere EU-Staat. Dänemark und Schweden gehören wie die meisten anderen EU-Staaten dem Schengen-Raum an, in dem Grenzkontrollen nur in Ausnahmefällen erlaubt sind.

Aufgrund der Kontrollen deutlich weniger Flüchtlinge

Unterdessen teilte die schwedische Polizei mit, aufgrund der Kontrollen seien am Montag nur 48 Flüchtlinge im Süden Schwedens an der Grenze zu Dänemark registriert worden. Zuletzt seien es mindestens 200 Menschen pro Tag gewesen.

Grenzkontrollen in Skandinavien - Treffen in Brüssel soll helfen
K. Küstner, ARD Brüssel
05.01.2016 17:37 Uhr

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Dänemark hat in den ersten zwölf Stunden verstärkter Kontrollen an der Grenze zu Deutschland 18 Personen abgewiesen. Diese hätten keine ordnungsgemäßen Ausweise gehabt. Drei Menschen seien unter dem Verdacht des Menschenschmuggels festgenommen worden, teilte ein Polizeisprecher mit. Die Polizei habe 1100 Personen kontrolliert und sich auf die drei wichtigsten Übergänge an der Grenze mit Deutschland konzentriert.

Grüne werfen Bundesregierung Untätigkeit vor

Angesichts der Wiedereinführung von Grenzkontrollen durch Dänemark warfen die Grünen der Bundesregierung "anhaltende Untätigkeit" vor. Deutschland habe durch seine Unterschätzung der Lage nun direkt eine Verantwortung dafür, dass zentrale Errungenschaften der europäischen Einigung offen infrage gestellt würden, hieß es in einer Stellungnahme der Grünen-Abgeordneten Konstantin von Notz und Luise Amtsberg.

Die Bundesregierung habe die Dimension der Entwicklung "bis heute nicht verstanden". Deutschland habe es versäumt, nach Schwedens Ankündigung schärferer Grenzkontrollen das Gespräch mit allen nördlichen Nachbarn zu suchen. Da Dänemarks Regierung nun wie absehbar nachgezogen habe, sei ein "gefährlicher Dominoeffekt" zu befürchten.

Dieser Beitrag lief am 05. Januar 2016 um 23:48 Uhr im Deutschlandfunk.

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