Richard Grenell | Bildquelle: imago/ZUMA Press

Neuer US-Botschafter Wofür steht Richard Grenell?

Stand: 02.09.2017 22:36 Uhr

Der konservative Außenpolitik-Experte Richard Grenell soll Trumps neuer Mann in Berlin werden. Bevor es losgeht, muss der Senat die Personalie noch bestätigen. Doch wofür steht der Fox-News-Kommentator - und was können die Deutschen von ihm erwarten?

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Für die Zuschauer des konservativen Senders "Fox News" ist Richard Grenell ein bekanntes Gesicht: Er ist dort regelmäßig als außenpolitischer Experte zu sehen. Im Wahlkampf unterstützte Grenell frühzeitig Donald Trump - und jetzt lobt er dessen Außenpolitik überschwänglich.

In einem Gespräch bei "Fox News" über Nordkorea sagte er zum Beispiel: "Die Medien konzentrieren sich auf militärische Aspekte, aber es ging wenig um die großartigen diplomatischen Bemühungen. Präsident Trumps Diplomatie mit anderen Ländern ist phänomenal und effektiv - weil er eine glaubhafte militärische Drohgebärde hat. Nicht einfach nur eine Drohung, sie ist glaubhaft. Das ist Diplomatie mit Muskeln, darauf haben wir gewartet."

Erfahrung bei den UN

Für Grenell hat Trump das, was Ex-Präsident Barack Obama fehlte: Eine kraftvolle Außenpolitik. Grenell kritisierte zum Beispiel den Atom-Deal mit Iran, den Obama abgeschlossen hatte. Beteiligt war auch Deutschland. Kritisch sieht Grenell auch Russland und die Ukraine-Politik von Präsident Wladimir Putin. Er verlangte, dass die USA Waffen an die Ukraine liefern.

Grenell ist 50 Jahre alt. Seine diplomatischen Erfahrungen hat er bei den Vereinten Nationen gesammelt. Ex-Präsident George W. Bush ernannte ihn 2001 zum Sprecher der amerikanischen Delegation. Er diente vier amerikanischen UN-Botschaftern, besonders eng soll er mit John Bolton zusammen gearbeitet haben, der als besonders konservativ gilt.

Richard Grenell 2016 in New York | Bildquelle: AP
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Grenell gilt als großer Anhänger Trumps.

Streitpunkt Homosexualität

Bei Konservativen stoßen Grenells außenpolitische Ansichten auf große Zustimmung - allerdings sind nicht alle mit seinem Privatleben einverstanden. Grenell steht offen zu seiner Homosexualität. Er bezeichnete die Ehe für alle als Sieg der Konservativen - weil sie dafür seien, dass sich der Staat nicht in das Privatleben seiner Bürger einmischen dürfe.

Viele Konservative sehen das anders. Als Mitt Romney im Wahlkampf 2012 Grenell als außenpolitischen Berater anheuerte, gab es eine Debatte über seine Sexualität. Im Sender "National Public Radio" sagte er: "Ich fühle mich gut als Schwuler und als Konservativer. Wenn man versucht, einem Politiker in allen Fragen zuzustimmen, dann ist man selbst der Politiker. Die meisten erkennen, dass man Prioritäten setzen muss. Es gibt viele komplizierte Fragen. Wenn man wählt, entscheidet man, wer am besten die eigene Weltsicht repräsentiert."

In der Trump-Regierung war Grenell schon für mehrere Botschafter-Posten im Gespräch, unter anderem als UN-Botschafter oder als NATO-Botschafter. Bei beiden Positionen wurde er übergangen, beim NATO-Botschafter-Posten soll er am Widerspruch von Außenminister Rex Tillerson gescheitert sein.

Portrait Richard Grenell - neuer Deutschland-Botschafter
J. Bösche, ARD Washington
02.09.2017 22:00 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. September 2017 um 23:30 Uhr.

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