Gravitationswellen | Bildquelle: dpa

Physiker erklärt Gravitationswellen "Wir könnten das Universum belauschen"

Stand: 11.02.2016 15:38 Uhr

Physiker wollen Beweise für Gravitationswellen gefunden haben - das wäre ein noch fehlender Beleg für Einsteins Relativitätstheorie. Physiker Harald Lück erklärt im Interview mit tagesschau24 die Wellen und wie sie uns ins Weltall lauschen lassen.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern will möglicherweise bahnbrechende Forschungsergebnisse zur Relativitätstheorie von Albert Einstein veröffentlichen: Am Nachmittag wollen sie in Washington Ergebnisse zur Existenz von Gravitationswellen vorstellen: Wäre ihnen das gelungen, wäre einer der letzten unbewiesenen Bausteine von Albert Einsteins Theorie belegt. Was die winzigen Wellen bedeuten, was sie beweisen und was man sich darunter vorstellen soll, erklärt Harald Lück vom Albert-Einstein-Institut in Hannover im Interview mit tagesschau24. Der Physiker ist selbst an der Forschung zu dem Thema beteiligt.

tagesschau24: Ihr Team forscht seit mehr als 20 Jahren daran, diese Gravitationswellen nachweisen zu können. Und Sie sind insbesondere an der Technik beteiligt, die das möglich machen könnte. Sollten diese Wellen tatsächlich nachweisbar sein: Was würde das für die Forschung bedeuten?

Lück: Sollten die Wellen nachgewiesen werden, ist es ein sehr großer Schritt für die Forschung, ein großer Schritt in der Astronomie. Es ist zum Einen so, dass dies die letzte Vorhersage ist, die experimentell bestätigt werden würde. Zum Anderen ist es aber so, dass es auch in der Astronomie ein großer Fortschritt wäre. Wir kennen das Universum von Teleskopen, wir haben ein Bild vom Universum, aber die Gravitationswellen würden uns gewissermaßen den Klang des Universums offenbaren. Wir könnten das Universum belauschen, und zwar auch die dunkle Seite: Die Objekte, die kein Licht imitieren, so wie Schwarze Löcher oder Paare von Schwarzen Löchern.

Harald Lück, Albert-Einstein-Institut Hannover, zur Suche nach Gravitationswellen
tagesschau24 14:00 Uhr, 11.02.2016

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Verbeulung des Raumes durch Massen

tagesschau24: Können Sie diese Wellen kurz erklären?

Lück: Wir kennen die Gravitation normalerweise als eine Kraft, aber Einstein hat die Gravitation als eine Krümmung der Raumzeit beschrieben, eine Verbeulung des Raumes durch Massen. Wenn diese Massen sich nun bewegen - nehmen wir wieder als Beispiel ein Paar Schwarzer Löcher, die umeinander kreisen - dann ändert sich diese Verbeulung und das wird als Gravitationswellen mit Lichtgeschwindigkeit durch das Universum ausgesandt. Auf der Erde haben diese Gravitationswellen winzig kleine Längenveränderungen zur Folge. Dazu muss man extrem empfindliche Messtechnik aufbauen - das haben wir getan, um eine Chance zu haben, diese Gravitationswellen zu sehen.

Messung von Zehntausendsteln eines Atomkerndurchmessers

tagesschau24: Warum ist es so schwer, diese Wellen nachzuweisen? Sind sie so winzig klein?

Lück: Ja, in der Tat: Die Längenänderungen, die von den Gravitationswellen verursacht werden, sind winzig klein. Wir benutzen ein optisches Instrument, ein Interferometer, und wenn die Spiegel dieses Interferometers um 100 Zeptometer verschoben werden, dann können wir das nachmessen. 100 Zeptometer - diese Größenordnung ist allgemein noch nicht einmal bekannt. Es ist ungefähr ein Zehntausendstel eines Atomkerndurchmessers. Und zu dieser unglaublichen Messempfindlichkeit konnten wir die Messinstrumente bringen. Die deutsche Forschergemeinschaft hat unter anderem mit dem Gravitationswellen-Detektor Geo600 einen großen Beitrag dazu geleistet, dass die US-amerikanischen Instrumente heute so empfindlich sind.

tagesschau24: Alle Physiker der Welt warten auf diesen Termin: Können Sie uns schon verraten, was da verkündet wird?

Lück: Wir werden die Ergebnisse des jüngsten Datenlaufes der Gemeinschaft vorstellen: Es wurden zwei Gravitationswellen-Detektoren in den Vereinigten Staaten und der Geo600 in Deutschland betrieben. Die Daten wurden nun zu einem Teil ausgewertet und heute werden wir die Ergebnisse dieser Auswertung bekannt geben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Februar 2016 um 14:00 Uhr.

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