Innensansicht Kapelle Grabeskirche Jerusalem | Bildquelle: dpa

Protest in Jerusalem Kirchenführer schließen Grabeskirche

Stand: 25.02.2018 21:50 Uhr

Aus Protest gegen Steuerforderungen und Gesetzespläne der israelischen Regierung haben Kirchenführer in Jerusalem die Grabeskirche geschlossen. In ihrer Begründung zogen sie einen Vergleich mit der Judenverfolgung in Europa.

In einem ungewöhnlichen Schritt haben Kirchenoberhäupter die unbefristete Schließung der Grabeskirche in Jerusalem angekündigt. Sie protestieren damit gegen ein geplantes Gesetz der israelischen Regierung. In einer gemeinsamen Erklärung zogen die Oberhäupter der katholischen, griechisch-orthodoxen und armenischen Kirchen in Jerusalem Parallelen zwischen dem Gesetzentwurf und der Judenverfolgung in Europa. "Dies alles erinnert uns an ähnliche Gesetze, die während einer düsteren Periode in Europa gegen die Juden erlassen wurden", schrieben die Kirchenführer.

Die Kirchen kritisierten das Gesetzesvorhaben in ihrer Erklärung als "abscheulich". Sie sehen darin einen "Versuch, die christliche Präsenz in Jerusalem zu schwächen". Die Schließung der Grabeskirche sei ein "beispielloser Schritt", der als "Protestmaßnahme" zu betrachten sei, erklärten sie.

Angst vor indirekter Enteignung

Hintergrund ist ein geplantes neues Bodenrechtsgesetz, das dem Staat die Enteignung von Grundstücken ermöglichen soll, die die Kirche seit 2010 an Privatinvestoren verkauft hat. Die Abgeordnete Rachel Asaria von der in der politischen Mitte angesiedelten Partei Kulanu hat das Gesetzesvorhaben initiiert. Sie betonte, es betreffe ausschließlich von der Kirche bereits an Privatleute verkauftes Land.

Die Kirchen fürchten, dass die Reform die Enteignung von Kirchenland ermögliche. Land, das weiterhin im Besitz der Kirche sei, werde jedoch niemals angetastet werden, beteuerte Asaria. Sie wolle mit dem Gesetz Bewohner von Grundstücken schützen, die die Kirche viel zu billig an private Bauunternehmer verkauft habe.

Grabeskirche in Jerusalem | Bildquelle: REUTERS
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Gläubige tragen Kreuze in die Grabeskirche in der Altstadt von Jerusalem - die Stätte gilt als Touristenmagnet.

152 Millionen Euro Steuernachforderung

Die Stadtverwaltung von Jerusalem verlangt von den christlichen Kirchen die nachträgliche Versteuerung von Einnahmen aus Geschäften, die als kommerziell eingestuft werden. Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat beziffert die Steuernachforderung auf rund 152 Millionen Euro. Die Nachzahlung sei fällig auf Einnahmen aus Hotels und Geschäften in Kirchenbesitz. Die Kirchen hingegen beharren auf ihrer Steuerbefreiung.

Barkat betonte hingegen, in der Stadt gelte das gleiche Gesetz für Christen, Muslime und Juden. Wie alle Kirchen, Synagogen und Moscheen gelte für die Grabeskirche weiterhin eine Befreiung von städtischen Gebühren. "In dieser Hinsicht gibt es absolut keine Veränderung", sagte er. Kommerzielle Gebäude wie Hotels und Büros müssten diese Abgaben jedoch leisten, ganz gleich, wem sie gehörten.

Abstimmung offenbar verschoben

Eine für Sonntag geplante Abstimmung eines israelischen Ministerausschusses über den Entwurf sei angesichts des Kirchenprotestes verschoben worden, schrieb die israelische Zeitung "Haaretz". Der Entwurf muss auch noch im Parlament gebilligt werden, um in Kraft zu treten.

Die Grabeskirche ist eine der heiligsten Stätten des Christentums. Dort soll Jesus begraben worden und wiederauferstanden sein. Die Kirche zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als Touristenmagnet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 25. Februar 2018 um 13:45 Uhr.

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