Kardinal Tarcisio Bertone | Bildquelle: picture alliance / dpa

Urteil zum "Goldenen Penthouse" Kardinal kommt ungeschoren davon

Stand: 16.10.2017 09:55 Uhr

Im Prozess um die angebliche Veruntreuung von Spendengeldern der päpstlichen Kinderklinik für eine Kardinalswohnung kommt "Neben-Papst" Bertone ungeschoren davon. Damit kann der Kardinal weiterhin den Ausblick auf den Petersdom genießen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Tarcisio Bertone kann weiterhin die spektakuläre Aussicht von der Dachterrasse seines Apartements genießen: Direkt vor sich die Kuppel des Petersdoms, dahinter das Panorama der ewigen Stadt Rom.

Der Kardinal, unter Papst Benedikt als Staatssekretär einer der mächtigsten Männer des Vatikans, darf das Leben in seinem Luxus-Apartment, das drei Jahre lang für Schlagzeilen gesorgt hat, mit einem neuen Gefühl der Erleichterung genießen.

Krankenhausgelder für Luxuswohnung

Zum Abschluss des Prozesses um das von deutschen Medien sogenannte "Goldene Penthouse" im Vatikan, wurden am Wochenende für den Kardinal gute Nachrichten verbreitet. Einziger Schuldiger ist laut Gerichtsurteil der ehemalige Präsident der Kinderklinik des Vatikans, Giuseppe Profiti, der 422.000 Euro aus Mitteln des Krankenhauses für die Renovierung der Wohnung zur Verfügung gestellt hat.

Das Urteil der Richter im Vatikan ist der vorläufige Schlussstrich unter einen der meistdiskutierten Skandale der jüngsten Zeit im Vatikan - und Bertone selbst kommt ungeschoren davon. Das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland hatte bereits am Tag vor dem Urteil ungewöhnlich angriffslustig getitelt: "Schont die vatikanische Justiz Kardinal Bertone?"

Tarcisio Bertone
galerie

Der mächtige Purpurträger, Tarcisio Bertone, als Staatssekretär auch gelegentlich "Neben-Papst" genannt, saß in dem Verfahren selbst nicht auf der Anklagebank und wurde bis zuletzt nicht einmal als Zeuge geladen.

"Mini-Wohnung von 150 Quadratmetern"

Bertone hatte sich in dem Prozess in einem Brief zu Wort gemeldet und unter anderem betont, das Penthouse umfasse gar nicht 700 Quadratmeter, wie von den Medien behauptet, sondern sei nur halb so groß. In dem Prozess betonte der Verteidiger einer der Angeklagten am Wochenende sogar, es handele sich nur um eine, so wörtlich, "Mini-Wohnung von 150 Quadratmetern".

In dem Verfahren ging es um den Vorwurf, Spendengelder aus dem Fonds des vatikanischen Kinderkrankenhauses seien in eine vom Kardinal gewünschte Luxus-Renovierung der Wohnung geflossen.

Die Zeitschrift L’Espresso berichtete über Bestellungen von 19.000 Euro teuren Stereoanlagen und Marmorböden.

Kein Schuldeingeständnis

Bertone, der bereits in der Vergangenheit durch einen großzügigen Lebensstil auffällig geworden war, bestreitet die Vorwürfe und behauptet, er habe von Anfang an 300.000 Euro aus eigener Tasche in die Wohnung gesteckt.

Als die Schlagzeilen über die Luxus-Renovierung und Gelder aus der Kinderkrankenhaus-Kasse auftauchten, überwies der Kardinal 150.000 Euro an die Klinik, betonte aber, er wolle dies nicht als Schuldeingeständnis verstanden wissen.

Einziger Schuldiger ist Profiti

Italienische Medien nennen es "erstaunlich", dass das vatikanische Gericht Bertone aus dem offiziellen Verfahren völlig rausgehalten hat - und am Ende nur jemand verurteilt wurde, der nicht zur Kurie gehört: Giuseppe Profiti, der frühere Krankenhauschef, kommt mit einer einjährigen Haftstrafe davon, die zur Bewährung ausgesetzt wird.

Profiti verteidigt die Zahlungen unter anderem damit, dass das Krankenhaus Bertones Wohnung für Veranstaltungen nutzen wollte, um Spender zu werben.

Zeit für Memoiren

Bertones Name hatte bereits bei anderen Skandalen im Vatikan eine Rolle gespielt, unter anderem in der Affäre um die Vatikanbank. 

Nachdem jetzt der Fall "Goldenes Penthouse" offiziell erledigt ist, kann Bertone sich dem widmen, was er bereits bei seiner Ablösung als Staatssekretär angekündigt hatte: "Ich habe vor, meine Memoiren zu schreiben. Ich habe ein sehr reichhaltiges Archiv, da kann ich alle Ereignisse der vergangenen Jahre noch einmal durchlaufen und in diesem Zusammenhang einige unangemessene Interpretationen geraderücken."

Schreiben kann Bertone in seinem umstrittenen Penthouse. Papst Franziskus hatte über den Lebensstil des Kardinals zwar die Nase gerümpft - aber nie angedroht, ihm einen bescheideneren Alterssitz zuzuweisen. Bertone hat im Vatikan noch viele Freunde.

"Goldenes Penthouse" im Vatikan: Ein mächtiger Kardinal kann aufatmen
Jörg Seisselberg, NDR, ARD Berlin
16.10.2017 09:11 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Oktober 2017 um 05:45 Uhr.

Darstellung: