Gedenktafel von Germanwings zum Flugzeugunglück 4U9525 | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ein Jahr nach dem Germanwings-Absturz "Für alle ein schwieriger Tag"

Stand: 24.03.2016 15:37 Uhr

Es ist der erste Jahrestag. Vor einem Jahr riss der Co-Pilot des Germanwings-Flugs 4U9525 149 Menschen mit sich in den Tod, als er die Maschine absichtlich abstürzen ließ. Hunderte Angehörige trauerten heute gemeinsam nahe dem Unglücksort in den französischen Alpen.

Von Astrid Corall, ARD-Studio Paris

Mehrere große weiße Zelte stehen auf einem Feld in dem kleinen Bergdorf Le Vernet, im Hintergrund erheben sich bei strahlendem Sonnenschein schneebedeckte Berge. In einem Zelt haben Helfer Hunderte Stühle aufgebaut für die Familien und Freunde der Absturz-Opfer und die weiteren Gäste. Viele von ihnen wurden heute Morgen mit Bussen hierhergebracht.

Auch ein junger Mann, der bei dem Absturz seinen Vater verlor, ist gekommen. Heute werde einem noch klarer, was hier passiert ist, sagt er: "Was für ein schlimmes Unglück, und deswegen ist es heute wichtig, dass wir noch enger zusammenrücken und uns gegenseitig Halt geben", sagt er. "Ich glaube, das ist für alle ein schwieriger Tag, für alle bleibt er im Gedächtnis, für immer. Und mal schauen wie es nächstes Jahr aussieht, es belastet uns immer aufs Neue, jedes Jahr."

Gedenken an die Opfer des Germanwings-Absturzes in Frankreich
tagesthemen 23:15 Uhr, 24.03.2016, Mathias Werth, ARD Paris

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Streng abgeschirmte Zeremonie

Um 10.41 Uhr und damit genau ein Jahr nach dem Absturz gedachten die Angehörigen der Opfer mit einer Schweigeminute. Im Anschluss gab es eine Zeremonie - streng abgeschirmt, Gendarmen und private Sicherheitsleute kontrollierten die Zugangswege zu dem Zelt. Die Familien wollten unter sich sein. "Alles wird für die Familien getan", hatte der zuständige Präfekt Bernard Guerin im Vorfeld betont. "Das ist ein Beitrag auch der Bewohner der Gemeinden hier. Regelmäßig werden die Familien wiederkommen an den Ort, wo ihre Nächsten gestorben sind. Und die Bewohner sind dann da um die Familien zu begleiten und zu unterstützen."

Rund hundert Bewohner der umliegenden Dörfer nahmen an der Zeremonie teil, darunter auch die Bürgermeister, Francois Balique aus Le Vernet und Bernard Bartolini aus Prads, der Gemeinde, auf deren Gebiet die Absturzstelle offiziell liegt. "Für uns, die wir nicht sehr viele sind, ist der Absturz, diese Tragödie, ein bisschen so, als wären es Mitglieder unserer Familien, denen etwas zugestoßen ist", sagte Bartolini.

Angehörige erreichen französischen Ort Le Vernet | Bildquelle: REUTERS
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Angehörige kommen am Ort des Gedenkens an, dem französischen Ort Le Vernet nahe der Absturzstelle in den Alpen.

Lufthansa-Chef Spohr: "Unheimlich traueriger Tag"

Und anders als im vergangenen Juli, als er vor dem Hintergrund des Streits über die Entschädigungszahlungen nicht bei der Trauerfeier in Le Vernet dabei war, war auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr dieses Mal angereist. "Wir sind heute hier nach Le Vernet gekommen, um der Opfer zu gedenken und ihnen die Ehre zu erweisen. Dieser tragische Absturz hat unglaubliches Unglück über viele viele Menschen gebracht", sagte Spohr. "Dieses Unglück können auch wir nicht lindern. Aber wir können zumindest den Angehörigen beistehen. Es ist auch heute ein unglaublich trauriger Tag."

Gefragt nach den Entschädigungen sagte Spohr, die Lufthansa sei an konstruktiven Lösungen interessiert. Weiter darüber sprechen wollte er heute aber nicht - nicht an diesem Tag der Trauer in dem kleinen Bergdorf Le Vernet.

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