Trauer um Fidel Castro | Bildquelle: dpa

Castro-Gedenken in Kuba Abschied vom Comandante

Stand: 29.11.2016 03:02 Uhr

Schlange stehen für Fidel Castro: In Havanna haben mehrtägige Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Revolutionsführer begonnen. Tausende kamen zum Platz der Revolution. Kubas Kommunisten beschwören die Einheit - und Donald Trump droht mit dem Ende des Tauwetters.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD Studio Mittelamerika und Karibik

Eine schlichte schwarz-weiß Fotografie von Alberto Korda, dem Chronisten der kubanischen Revolution, steht über Fidel Castros blumengeschmückter Urne: Sie zeigt den jungen Guerillero in Uniform, mit Rucksack, geschultertem Gewehr - und entschlossenem Blick. So soll er in Erinnerung bleiben: Als einer, der für sein Land gekämpft hat. Schon Tausende sind an seiner Asche vorbei defiliert. "Das ist ein großer Schmerz", sagt ein Trauernder. "Es musste geschehen. Alle müssen wir sterben. Aber es ist schwer für uns zu akzeptieren, dass Fidel gestorben ist." Und eine Frau sagt: "Ich musste einfach hierher kommen und mich vom Comandante verabschieden. Es tut weh, aber ich weiß, dass er uns immer begleiten wird."

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Abschied von Fidel Castro

Staatstrauer um Fidel Castro

Nach dem Tod des Revolutionsführers Fidel Castro am 25. November nehmen die Kubaner Abschied. Eine Woche lang herrscht Staatstrauer in Kuba. Zum Auftakt mehrtägiger Trauerfeierlichkeiten zogen die Menschen zur Gedenkstätte für den Nationalhelden José Martí in Havanna, um Castro dort die letzte Ehre zu erweisen. | Bildquelle: dpa

Mehr als 60 Jahre prägte Fidel Castro Kuba. Und polarisierte Lateinamerika: Immer noch ist er Symbolfigur und Vorbild linker Politiker, zugleich dient er den Rechten als Schreckgespenst. Vor kubanischen Verhältnissen warnt zum Beispiel die venezolanische Opposition und hofft nach Castros Tod auf eine geschwächte sozialistische Regierung. 

Ricardo Alarcón dagegen ist zwar in Ungnade gefallen , trotzdem lobt Kubas  früherer Außenminister Fidel Castros Rolle in Lateinamerika: "Niemand hat so sehr wie Fidel zur Emanzipation und Einheit der Völker auf unserem Kontinent beigetragen. Niemand hat so viel Einfluss darauf genommen wie er. Fidel hat uns Schlüssellektionen gelehrt: Dass die Einheit unabdingbar ist."

Es ist diese Einheit, die Kubas Kommunisten in den Tagen nach Castros Tod beschwören. Gestärkt werden soll sie durch die landesweiten Trauerfeiern. Überall sollen die Menschen in Kondolenzbüchern unterschreiben, dass sie der Revolution treu bleiben werden.

Zehntausende Menschen stehen Schlange, um an den Trauerfeierlichkeiten für Fidel Castro teilzunehmen | Bildquelle: AP
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Zehntausende Menschen stehen Schlange, um an den Trauerfeierlichkeiten für Fidel Castro teilzunehmen.

Ein Wandel ist fraglich

Natürlich ist nicht allen nach Trauer zumute. Carlos Payá, der Bruder des tödlich verunglückten Dissidenten Oswaldo Payá, meldet sich im spanischen Exil zu Wort: "Castros Tod ist weder ein Grund zu feiern, noch zu trauern. Wir respektieren diejenigen, die sich über den Tod von Fidel Castro freuen, denn er hat vielen Menschen großen Schaden zugefügt.  Es gab viele Tote, darunter auch mein Bruder, dessen Tod nie aufgeklärt wurde. Ob es jetzt einen Wandel gibt, liegt allein an uns Kubanern im In-und Ausland."

Die systemkritischen Kubaner wissen den künftigen US-Präsidenten Donald Trump auf ihrer Seite. Er nannte Castro einen brutalen Diktator. Dem ersten Linienflug seit Jahrzehnten am Montag aus den USA nach Havanna gab er die Drohung mit auf den Weg, alle bisherige Annäherungen zwischen beiden Ländern über Bord zu werfen, wenn Kuba nicht mehr politische Zugeständnisse mache. Doch daran ist derzeit nicht zu denken. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Partei- und Staatsführung die Reihen nach Castros Tod noch mehr schließt.

Tod von Fidel Castro - Staatstrauer in Kuba
A. K. Mellmann, ARD Mexiko City
29.11.2016 05:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. November 2016 um 05:12 Uhr

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