Syrische Flüchtlinge | Bildquelle: REUTERS

Syrien-Geberkonferenz in London Spendabler als jemals zuvor

Stand: 04.02.2016 14:59 Uhr

Stärker als je zuvor spüren auch Regionen weit weg von Syrien die Auswirkungen des Bürgerkriegs. Deshalb war wohl auch nie die Bereitschaft so hoch, die Kassen zu öffnen. Allein Deutschland stellt 2,3 Milliarden Euro in drei Jahren zur Verfügung.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Deutschland wird deutlich mehr für die syrischen Bürgerkriegsopfer als bisher zahlen: Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte zum Auftakt der Londoner Geberkonferenz an, in diesem Jahr 1,2 Milliarden Euro an die internationalen Hilfsorganisationen zu überweisen, innerhalb von drei Jahren sollen es 2,3 Milliarden Euro sein. Sie glaubt, dass die große Bewegung von Flüchtlingen gelöst werden kann, wenn vor Ort die Fluchtursachen bekämpft werden. "Wir wollen nie wieder erleben, dass die Lebensmittelrationen so stark gekürzt werden müssen für die Flüchtlinge", sagte die Bundeskanzlerin. "Jetzt brauchen die Menschen Sicherheit für ihre Ernährung, aber auch für ihre Perspektive."

Wo kommen die deutschen Hilfen her?

Dem Bundesfinanzministerium zufolge werden die zugesagten eine Milliarde Euro für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge für dieses Jahr aus dem laufenden Haushalt finanziert. Das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wollen dies durch Umschichtungen stemmen. Ein Nachtragshaushalt ist deshalb nicht nötig. Die Schwarze Null für dieses Jahr soll nach Ministeriumsangaben bleiben.

Auch Großbritannien wird die Hilfen für syrische Flüchtlinge verdoppeln. Für die kommenden fünf Jahre stellt das Land jetzt umgerechnet drei Milliarden Euro zur Verfügung. Norwegen, ebenfalls Mitveranstalter der Londoner Konferenz, wird auch mehr zahlen. Damit wächst der Druck auf die übrigen Teilnehmer der Konferenz. Zum Beispiel auf Russland, das bisher kaum etwas für die Flüchtlinge in der Region tut. Oder auf die Golfstaaten, die sich - mit Ausnahme Kuwaits - ebenfalls bisher kaum an den internationalen Hilfen beteiligen.

Syrien-Geberkonferenz in London
tagesschau 16:00 Uhr, 04.02.2016, Claudia Buckenmaier, ARD London

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Es zeichnet sich eine "Lost Generation" ab

Der Chef des UN-Bevölkerungsfonds, Babatunde Osotimehin, ist optimistisch, dass die Konferenz heute mehr Erfolg hat als die vergangenen Geberkonferenzen, die ihre Ziele nicht erreichten. "Die Leute fühlen sich jetzt mehr verpflichtet als jemals zuvor", sagt er. "Auch weil das Leid so schrecklich geworden ist und wir so große Probleme haben, den Betroffenen zu helfen. Vor allem den vielen Kindern und Frauen."

Ziel der Konferenz ist es, nicht nur kurzfristig zu helfen und Essen und Zelte bereitzustellen. Die neuen Finanzmittel sollen auch dazu beitragen, allen Flüchtlingskindern eine schulische Ausbildung zu garantieren. Till Wahnbaeck, Chef der Deutschen Welthungerhilfe, hält das für einen wichtigen Schritt nach vorn. "Die Hälfte der geflüchteten Kinder im Nordirak zum Beispiel ist im Moment nicht in der Schule. Da zeichnet sich in der Tat eine 'Lost Generation' ab, die teilweise seit zwei oder mehr Jahren nicht in der Schule ist. Da geht es jetzt wirklich um jeden Monat."

Libanon und Jordanien ächzen unter der Last

Außerdem soll die Wirtschaft in den besonders belasteten Nachbarländern Syriens unterstützt werden, Arbeitsplätze sollen entstehen. Denn es sind Länder wie der Libanon und Jordanien, die unter der Last der Flüchtlinge zusammenzubrechen drohen. Allein nach Jordanien sind 1,4 Millionen Syrer geflüchtet. Deswegen bittet jetzt der jordanische König Abdullah um Hilfe. "Wir sind Teil der Koalition gegen den Extremismus", sagt er. "Wir haben nie Nein gesagt, wenn die internationale Gemeinschaft uns aufgefordert hat, an ihrer Seite zu kämpfen. Jetzt aber bitten wir erstmals die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Sie kann dazu nicht Nein sagen."

Auch im Libanon, einem Land mit vier Millionen Einwohnern, suchen 1,5 Millionen Syrer Schutz, zusätzlich zu der halben Million, die zuvor bereits aus Palästina in das kleine Land geflohen ist. Der libanesische Bildungsminister Elias Bou Saab sprach angesichts dieser Zahlen von einem andauernden Erdbeben in seinem Land.

Deutschland erhöht Flüchtlingshilfe für die Nahostregion
J.-P. Marquardt, ARD London
04.02.2016 14:02 Uhr

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