Die Bundeswehr in Mali | Bildquelle: dpa

Gauck bei EU-Ausbildungsmission in Mali Straffes Training in "Ghost-City"

Stand: 12.02.2016 11:43 Uhr

In Zentral-Mali trainieren europäische Experten einheimische Soldaten für den Kampf gegen Terroristen. Was sie dort vermitteln, schaut sich heute Bundespräsident Gauck im Rahmen seines Staatsbesuchs an. Die Ausbildungszeit ist knapp kalkuliert und die militärische Lage weiter heikel.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Nordafrika

Übung in der "Ghost City", der Geisterstadt der europäischen Ausbildungsmission für die malische Armee. "Sprengfalle, Sprengfalle" rufen die Auszubildenden, also die malischen Soldaten und treten schleunigst den Rückzug an. Sie sollten in einem der Geisterhäuser einen angeblichen Terroristen festnehmen, das war die Übung. Ein Bundeswehrhauptmann hat sich das angesehen. Das Ergebnis sei "durchwachsen", sagt er.

Bundeswehrausbilder wie er können nur Basisarbeit leisten. Sie treffen allerdings auf motivierte malische Soldaten. Schließlich wüssten sie, sagt der Bundeswehrhauptmann, dass sie hier die Chance hätten, eine "Hochwert-Ausbildung" zu bekommen. Entsprechend motiviert seien auch gerade die Führer, aufzunehmen und umzusetzen, was ihnen die Bundeswehrvertreter beibringen.

Bundeswehr-Ausbilder in Koulikoro (Mali) | Bildquelle: dpa
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Die europäischen Ausbilder können nur Grundwissen vermitteln - aber auch das hilft in Mali.

Besser als gar nichts

Doch was geschieht nach der Ausbildung, was, wenn der Ernstfall eintritt? Man entlasse die malischen Soldaten immer mit einem schlechten Gefühl, verrät der Hauptmann, denn die Zeit sei "im Prinzip nie ausreichend". Andererseits, wendet er ein: Hätte man die malischen Soldaten überhaupt nicht ausgebildet - "dann wäre es dein deutlich schlechteres Bild".

Das ist der Pragmatismus, mit dem die Bundeswehr-Ausbilder in Mali arbeiten müssen. Bundespräsident Joachim Gauck wird sich das anschauen, wenn er heute das Ausbildungscamp in Koulikoro besucht.

Die fertig ausgebildeten malischen Soldaten werden nach dem neunwöchigen Kurs in Koulikoro in den Ernstfall geschickt. Dorthin, wo es Anschläge gibt: Am Dienstag starben drei Soldaten, als ihr Fahrzeug auf eine Mine fuhr. Gestern töteten mutmaßlich Dschihadisten einen Soldaten und zwei Zivilisten. Die Gefahr ist permanent.

Neuer Anschlag in Nord-Mali

Wie unsicher die Lage in Mali weiterhin ist, zeigt ein Anschlag in der nördlichen Stadt Kidal. Dort wurden mindestens zwei Blauhelm-Soldaten aus Guinea getötet. 30 Menschen wurden verletzt. Die näheren Umstände sind noch unklar. Die Nachrichtenagentur DPA spricht von einem Raketenangriff, Reuters von einem Selbstmordanschlag

Begegnung mit einem gelassenen Präsidenten

Die Sicherheitslage im Land wird definitiv ein Thema sein, wenn Gauck ebenfalls heute seinen malischen Amtskollegen Ibrahim Boubakar Keita trifft. Es geht um Terrorismus in Mali, aber auch um regionale Rebellengruppen, mit denen mittlerweile ein Friedensvertrag geschlossen worden ist.

Keita versucht immer, Ruhe und Besonnenheit auszustrahlen. Auf die Frage, ob die malische Armee den gefährlichen Norden kontrolliere, antwortet Keita abwiegelnd, vollständig kontrolliere man den Norden noch nicht, aber man müsse den Geist des Friedensvertrages einhalten. Und der sehe vor, dass sich die malische Armee schrittweise im Norden entwickele. "Da muss man Geduld haben. Nichts überstürzen, das würde nur den Rebellen nutzen." Die Umsetzung des Vertrages brauche nun mal Zeit.

Gauck besucht EU-Ausbildungs-Mission in Mali
J. Borchers (HR, Rabat)
12.02.2016 10:38 Uhr

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Die Öffentlichkeit fällt ein anderes Urteil

Die Opposition in Mali hält solche Antworten nicht für besonnen und ruhig. Sie meint, der Präsident habe keinen Plan und keine Autorität. Er lasse viele wichtige Themen schleifen und kümmere sich hauptsächlich um das Fortkommen seiner Günstlinge und seiner Familienangehörigen. Ähnlich fällt das Urteil über Keita in etlichen Zeitungen des Landes aus.

Mali kämpft nach wie vor mit einer extrem schwierigen wirtschaftlichen Situation: hohe Arbeitslosigkeit, schwach entwickelte Landwirtschaft und ein Rohstoffsektor, der vor allem von ausländischen Firmen dominiert wird.

Gauck wird nur wenig Zeit haben, sich ein eigenes Bild von Mali und seinem Amtskollegen Keita zu machen. Am Abend reist Gauck schon wieder zurück nach Berlin.

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