Rückkehrer am Hafen von Banjul | Bildquelle: REUTERS

Machtkampf beendet Aufbruch in Gambia

Stand: 22.01.2017 16:50 Uhr

Die Tage der Ungewissheit in Gambia sind vorbei, der Machtkampf gelöst. Der abgewählte Präsident Jammeh verließ das Land. Sein Nachfolger Barrow will sich um die Wirtschaft kümmern und Menschenrechtsverletzungen untersuchen lassen.

Von Stefan Ehlert, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika

Der Jubel fand in der Nacht zu Sonntag auf den Straßen von Banjul seinen Höhepunkt. Mit rotem Teppich und militärischen Ehren wurde Yahya Jammeh zum Flugzeug geleitet. Der abgewählte Autokrat winkte noch der Menge zu, mit dem Koran in der Hand warf er einen Kuss in Richtung seiner einstigen Untertanen. Dann war - etwas mehr als 22 Jahre nach seinem Putsch - das ewige Reich des gambischen Potentaten Geschichte.

Es sei nicht nötig, dass auch nur ein Tropfen Blut vergossen werde, sagte er in seiner letzten Ansprache, er gehe mit gutem Gewissen und sei den Gambiern unendlich dankbar.

Bescheidenheit war zuvor nie Jammehs Stärke gewesen, der ja von sich behauptete, sogar Aids-Kranke mit magischen Kräften heilen zu können. Noch vor Kurzem hatte er verlauten lassen, mit Allahs Hilfe werde er Milliarden Jahre lang regieren. Doch dann legte der 51-jährige Immobilienmakler Adama Barrow bei den Wahlen im Dezember mit einem deutlichen Vorsprung der Opposition einen Sieg hin.

Gambias Ex-Präsident Jammeh macht Weg für Nachfolger frei
tagesschau 17:15 Uhr, 22.01.2017, Shafagh Laghai, ARD Nairobi

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 Militärische Drohkulisse

Jammeh räumte seine Niederlage zunächst ein. Doch schon bald begehrte der Putschist wieder gegen die Realitäten auf. Er stellte das Wahlergebnis in Frage, leitete rechtliche Schritte ein und lotete offenbar aus, wie weit er militärisch gehen könne, um seine Macht zu behaupten.

Doch die Armee wollte von diesem "Call of Duty" nichts hören, ihre Führung gab Jammeh zu verstehen, man werde nicht für ihn zu den Waffen greifen. Die Nachbarstaaten der Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas hatten ein massive eine Drohkulisse aufgebaut, sogar Truppen über die Grenze geschickt - mit Billigung der UN. Rund 45.000 Gambier flohen aus Angst vor blutigen Unruhen in den Senegal.

Wahlsieger Barrow wurde dort in der gambischen Botschaft vereidigt. Derweil wurde in Banjul noch fieberhaft verhandelt, um Jammeh aus seinem Amtssitz zu locken. Mauretanien, Marokko, Senegal und Nigeria schalteten sich ein. Am Ende begleitete Guineas Präsident Alpha Condé seinen einstigen Amtsbruder ins Exil. Äquatorial-Guinea nahm ihn auf. 

Wahlsieger kündigt Aufklärung der Verbrechen an

Ob ihm Straflosigkeit versprochen wurde oder ein goldener Handschlag - das blieb unklar. Willkürliche Verhaftungen, Folter, die Verfolgung von Schwulen und unliebsamen Journalisten waren in Jammehs Gambia an der Tagesordnung. 

Wahlsieger Barrow gab in der Nacht der BBC in Dakar ein kurzes Interview, indem er zumindest ankündigte, die Verbrechen seines Vorgängers aufklären zu wollen: "Wir werden eine Wahrheits- und Versöhnungskommission einrichten. Wir handeln auf der Basis ihrer Empfehlungen."

Schon bald wolle Barrow in Banjul die Amtsgeschäfte übernehmen. Oberste Priorität habe für ihn der Aufbau der Wirtschaft, kündigte Barrow an. Denn Gambia gehört zu den zehn ärmsten Staaten der Welt, lebt mehr schlecht als Recht von Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus. 

"Es gibt einige Prioritäten, aber die Wirtschaft ist der Schlüssel, das werden wir uns zuerst ansehen, denn sie ist sehr wichtig", sagte Barrow.

Der am Ende dann doch friedliche Machtwechsel in Gambia war der erste demokratische Übergang dort seit der Unabhängigkeit 1965. Er stieß weltweit auf ein positives Echo. Das Auswärtige Amt in Berlin  kündigte an, man werde Gambia weiter auf dem Weg zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unterstützen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Januar 2017 um 17:15 Uhr.

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