Gambias Diktator Jammeh bei der Stimmenabgabe Anfang Dezember | Bildquelle: AP

Nach Wahl in Gambia "Das ist eine Kriegserklärung"

Stand: 05.01.2017 19:12 Uhr

Gambias Diktator Jammeh überraschte die ganze Welt, als er seinem Widersacher nach der vergangenen Wahl zum Sieg gratulierte. Er versprach eine geordnete Machtübergabe - davon will er nun aber nichts mehr wissen. Das Land steht vor einer Zerreißprobe.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Nordwestafrika

Das hatte niemand erwartet. Nach 22 Jahren stellte Gambias gefürchteter Diktator Yahya Jammeh im Dezember tatsächlich einen friedlichen Machtwechsel in Aussicht - weil er die Wahl verloren hatte. Jammeh gratulierte sogar überraschend dem Wahlsieger der Opposition, Aadamu Barrow, im Fernsehen per Telefon.

"Ich rufe Sie an, um ihnen alles Gute zu wünschen. Das Land wird Ihnen im Januar übergeben", sagte Jammeh damals. "Sie sind der gewählte neue gambische Präsident und ich hege keinen Groll gegen Sie."

Jammeh war abgewählt worden - und Gambia jubelte. Doch zu früh gefreut. Denn nur rund eine Woche später änderte Jammeh seine Meinung wieder. Er sprach von "Fehlern" der Wahlkommission, bestand auf einer Wiederholung der Wahl.

"Wir werden nicht verhandeln"

Mit Aadamu Barrow hatte die gambische Opposition erstmals einen gemeinsamen Kandidaten aufgestellt. Und der Wahlsieger gab sich kämpferisch. "Der jetzige Präsident hat laut Verfassung keine Autorität, das Wahlergebnis zurückzuweisen, und keine Macht, eine Neuwahl anzuordnen"; sagte Barrow. "Ich fordere ihn auf, seinen Widerstand aufzugeben und den Willen des Volkes zu akzeptieren."

Auch die Vereinten Nationen und Vertreter der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS hatten im Dezember versucht, Jammeh auf diplomatischem Wege umzustimmen. Sollte dieser nicht bis Mitte Januar abtreten, werde man notfalls militärisch eingreifen, drohten sie. Und Jammeh? Der zeigte sich in seiner Neujahrsansprache uneinsichtig.

"Das ist eine Kriegserklärung und eine Beleidung für unsere Verfassung", sagte Jammeh. "Lassen Sie es mich wirklich deutlich machen: Wir sind bereit, unser Land gegen jeden Aggressor zu verteidigen, und wir werden da nicht verhandeln."

"Klima der Angst ist allgegenwärtig"

Gleichzeitig wird berichtet, hochrangige Militärs und Polizisten hätten sich zur neuen Regierung bekannt. Medienberichten zufolge bekannte der Chef des Militärs sich aber zu Jammeh. Das Auswärtige Amt warnt bereits vor Reisen nach Gambia.

Die Stimmung im Land ist unruhig. Jahrelang sorgte Jammeh dafür, dass in Gambia die Angst regiert. Nichtregierungsorganisationen werfen seiner Regierung schwere Menschenrechtsverletzungen vor, so sollen etwa Journalisten willkürlich inhaftiert und eingeschüchtert worden sein.

"Ein Klima der Angst ist allgegenwärtig", sagt Juan Mendez, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Folter. Gambia ist ein Land, in dem man Menschen in ernsthafte Schwierigkeiten bringt, wenn man bestimmte Fragen stellt."

Die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" legte 2016 einen Bericht zu Gambia vor. Darin werden Jammehs Regierung Verschleppung, Folter, Einschüchterung und willkürliche Verhaftungen vorgeworfen. Die Regierung bestreitet das. Und sie verweist auf Erfolge: gesunkene Kindersterblichkeit, mehr Bildungseinrichtungen, wirtschaftlicher Aufschwung.

Viele Gambier auf der Flucht

Gleichzeitig aber verlassen vor allem junge Menschen massenweise das Land. Im vergangenen Jahr flohen mehr als 10.000 Gambier über das Mittelmeer nach Italien - angesichts einer Gesamtbevölkerung von etwa zwei Millionen Menschen eine sehr hohe Zahl.

Jammeh weiß, warum er sich jetzt an der Macht in Gambia festklammert. Nach seiner Wahlniederlage hatte der 51-Jährige angekündigt, sich auf seine Farm zurückzuziehen. Viele fürchteten, dass Jammeh dort Waffen und Gefolgsleute für einen neuen Putsch sammeln könnte. Deswegen hatte die künftige Regierung angekündigt, den scheidenden Staatschef vor Gericht stellen zu wollen.

Nach wie vor sind Jammehs Worte und seine Schreckensherrschaft in den Köpfen der Gambier allgegenwärtig: "Wenn es sein soll, werde ich dieses Land noch eine Milliarde Jahre lang regieren - wenn Allah es mir befiehlt."

Wie sich Gambias Dikator Jammeh an die Macht klammert
D. Sadaqi, ARD
05.01.2017 13:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Dezember 2016 um 05:18 Uhr

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