Sigmar Gabriel und Angela Merkel im Bundestag | Bildquelle: dpa

Nordkorea-Konflikt Auch Merkel will mit Kim reden

Stand: 18.09.2017 14:46 Uhr

Im Konflikt mit Nordkorea sind die Fronten verhärtet - die Bundesregierung will dennoch vermitteln. Kanzlerin Merkel bekräftigte ihr Angebot für einen diplomatischen Vorstoß. Und Außenminister Gabriel wirbt für "direkte" Gespräche mit dem Regime in Pjöngjang.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre Bereitschaft bekräftigt, in der Atomkrise um Nordkorea zu vermitteln. "Deutschland und ich ganz persönlich, wir bringen uns, wo es Konflikte gibt, ein", sagte die CDU-Vorsitzende auf einer Wahlkampf-Veranstaltung in Freiburg.

"Wir wollen durch Diplomatie Probleme lösen, so wie wir es in der Ukraine tun und wir auch in Nordkorea bereit sind, es zu tun", sagte Merkel. "Das ist unser Markenzeichen", sagte sie zu dem deutschen Ansatz. Für Nordkorea gebe es keine militärische Lösung. Merkel hatte wegen Nordkorea bereits mit den Präsidenten der USA, Russland und Südkoreas telefoniert.

Zuvor hatte Außenminister Sigmar Gabriel "Visionen und mutige Schritte" im Umgang mit dem Regime in Pjöngjang gefordert. In direkten Verhandlungen müsse Nordkorea "eine andere Sicherheitsgarantie als die Atombombe" vor Augen geführt werden, sagte Gabriel der "Bild"-Zeitung.

"Kim ist nicht irre"

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un | Bildquelle: AP
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Kim sei "eben nicht irre", hob Außenminister Gabriel hervor.

Kim sei "eben nicht irre", hob der Außenminister hervor. Vielmehr folge der nordkoreanische Staatschef "einer kühl überlegten Strategie: Wenn er die Atombombe hat, dann - so denkt er - ist sein Regime gesichert. Weil sich niemand trauen wird, ihn zu bedrohen."

Gabriel plädierte dafür, die jüngst verhängten Strafmaßnahmen und deren Wirkung abzuwarten. "Sanktionen brauchen Zeit, bis sie wirken", sagte er. Dies sei am Beispiel Iran deutlich geworden. Richtig sei aber auch, dass für Nordkorea "eine andere Sicherheitsgarantie als die Atombombe" benötigt werde.

Vorbild KSZE

Die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) - Vorgänger der OSZE - habe so etwas in Europa geschaffen. Auch bei Nordkorea führe ein solcher Ausweg nur über direkte Verhandlungen, an denen sich die UN-Vetomächte USA, China und Russland beteiligen müssten. Der Bundesaußenminister hatte am Sonntag in Peking politische Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm geführt.

Allen Warnungen zum Trotz hatte Nordkorea am Freitag erneut eine Rakete über Japan hinweg in den Pazifik gefeuert. Wenige Tage zuvor hatte der Sicherheitsrat neue Sanktionen gegen Pjöngjang verhängt, nachdem Nordkorea seinen bislang gewaltigsten Atomwaffentest vorgenommen hatte.

Gabriel für direkte Gespräch mit Nordkorea
Jörg Seisselberg, ARD Berlin
18.09.2017 18:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. September 2017 um 15:23 Uhr.

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