Bundesaußenminister Sigmar Gabriel | Bildquelle: AFP

Deutsch-israelisches Verhältnis Gabriel legt gegen Netanyahu nach

Stand: 05.05.2017 07:14 Uhr

Im Streit mit dem israelischen Premier Netanyahu hat Außenminister Gabriel seine Kritik erneuert: Er würde wieder genauso handeln, sagte er in einem Interview. Das müsse unter Demokraten möglich sein. Der Bundespräsident werde nun die "Situation beruhigen".

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat im Streit mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu nachgelegt. "Unter Demokraten muss es möglich sein, sich auch mit regierungskritischen Organisationen zu treffen", sagte Gabriel der "Bild"-Zeitung.

Hintergrund des Streits ist ein Treffen Gabriels mit Regierungskritikern in Israel. Netanyahu hatte ihm daraufhin Instinktlosigkeit vorgeworfen und ein Gespräch mit dem Außenminister abgesagt. Gabriel sagte nun, dass er wieder genauso handeln würde. Der Minister ergänzte: "Nicht nur aus unserer Sicht verstößt die israelische Siedlungspolitik gegen das Völkerrecht und ist ein Hindernis für den Friedensprozess, diese Politik der Regierung Netanyahu ist auch in Israel hoch umstritten. Da ist es für mich selbstverständlich, auch die Kritiker zu hören", sagte Gabriel.

Auf die bevorstehende Israel-Reise von Bundespräsident Steinmeier angesprochen, sagte Gabriel: "Der Bundespräsident ist in einer ganz anderen Rolle als ich. Ich habe keinen Zweifel, dass der Bundespräsident die richtigen Worte finden wird, um die Situation zu beruhigen."

Dank an Deutschland aus Israel

Mehr als 20 bekannte Israelis hatten sich bei Deutschland bedankt, weil es der Zivilgesellschaft in ihrem Land beistehe. Unter den Unterzeichnern sind einflussreiche israelische Wissenschaftler, Künstler, Politiker und Diplomaten. Man sei "zutiefst dankbar" für Gabriels Verhalten bei dessen jüngstem Besuch in Israel, sagte Harel, Träger des Israel-Preises (2004), der höchsten Auszeichnung des Landes.

Gabriel hatte sich mit Vertretern der Gruppen "Breaking the Silence" und "Btselem" getroffen. Beide kritisieren Israels Siedlungspolitik in den besetzten Palästinensergebieten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Mai 2017 um 06:24 Uhr.

Darstellung: