Ein Bild aus dem Inneren von Reaktor drei zeigt geschmolzene Stoffe | Bildquelle: AFP

Fukushima-Ruine Offenbar geschmolzener Brennstoff entdeckt

Stand: 23.07.2017 12:05 Uhr

Die Stilllegung des 2011 havarierten Atomkraftwerks Fukushima wird Jahrzehnte dauern. Ein Roboter hat nun erstmals in der Ruine eines Reaktors Ablagerungen entdeckt - offenbar handelt es sich um geschmolzenen Brennstoff.

Ein Unterwasserroboter hat auf dem Boden eines havarierten Atomreaktors in Fukushima massive Ablagerungen entdeckt. Kamerabilder zeigten lavaähnliche Steine und Klumpen, die etwa einen Meter hoch auf dem Podest unterhalb des Reaktorkerns lägen, teilte der Betreiber Tepco mit.

Es seien gewaltige Zerstörungen durch die Kernschmelze zu erkennen. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die erstarrten Objekte eine Mischung aus geschmolzenem Metall und Brennstoff sind, die aus dem Behälter gefallen sind", sagte ein Tepco-Sprecher. Es sei "sehr wahrscheinlich" die erste Sichtung geschmolzenen Brennstoffs seit der Atomkatastrophe im Jahr 2011.

Roboter war drei Tage unterwegs

Der Roboter mit dem Spitznamen "Kleiner Sonnenbarsch" ist etwa so groß wie ein Laib Brot. Er ist mit Scheinwerfern, Kameras und einem Strahlenmessgerät ausgestattet und wird mit fünf Propellern manövriert. Das Gerät war drei Tage im schwer beschädigten und gefluteten Reaktor drei unterwegs.

Die Lokalisierung der Brennstoffreste ist ein wichtiger Teil beim Stilllegungsprozess des Kraftwerks, der Jahrzehnte dauern dürfte. Bereits im Februar hatte Tepco einen anderen Roboter in einem der drei beschädigten und verstrahlten Reaktoren eingesetzt. Die Mission in Reaktor Nummer zwei musste jedoch abgebrochen werden, weil der Roboter Schwierigkeiten bei der Bewegung hatte und sein Ziel unter der Druckschale nicht erreichen konnte. Auch dort wird geschmolzener Brennstoff vermutet.

Der Roboter mit dem Spitznamen "Kleiner Sonnenbarsch" | Bildquelle: dpa
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Der Roboter mit dem Spitznamen "Kleiner Sonnenbarsch"

Stilllegung könnte vier Jahrzehnte dauern

Das Atomunglück von Fukushima in Folge der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe im März 2011 war das schwerste derartige Unglück seit der Katastrophe von Tschernobyl 1986. Die japanische Regierung rechnet für die Stilllegung Fukushimas, Entschädigungen und Dekontaminierung mit umgerechnet 165 Milliarden Euro. Der Prozess dürfte angesichts der Verstrahlung mindestens vier Jahrzehnte dauern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juli 2017 um 20:00 Uhr.

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