Florian Philippot spricht in ein Mikrofon. | Bildquelle: AFP

Frankreichs Rechtsextreme Vize-Chef verlässt Front National

Stand: 21.09.2017 13:10 Uhr

Beim rechtsextremen Front National in Frankreich eskaliert der Machtkampf. Vize-Chef Philippot trat zurück, nachdem er zuvor von Parteichefin Le Pen quasi entmachtet worden war. Was bedeutet das alles für den Front National?

Von Kerstin Gallmeyer, ARD-Studio Paris

In Deutschland ist er kaum bekannt. In Frankreich dagegen war Florian Philippot neben Marine Le Pen Gesicht und Stimme des rechtsextremen Front National - der zweite Mann, der Vize-Präsident. Bis heute Morgen: Da setzte Philippot im französischen Fernsehen einen Schlusspunkt unter seine steile Karriere bei den Rechtsextremen: "Man hat mir gesagt, dass ich Vize-Präsident für nichts bin. Ich habe keine Lust, mich lächerlich zu machen. Da verlasse ich natürlich den Front National."

Der Eklat kam nicht aus heiterem Himmel: Philippot hatte nach der Präsidentschaftswahl eine eigene Bewegung innerhalb des Front National mit dem Namen "Die Patrioten" gegründet, die nach seinen Angaben bereits mehr als 2500 Mitglieder hat. Die Bewegung war vielen in der Partei, auch Chefin Le Pen, ein Dorn im Auge. Gestern hatte sie ihm wichtige Zuständigkeiten für Strategie und Kommunikation in der Partei entzogen, was einer Quasi-Entmachtung gleich kam.

Florian Philippon und Marine Le Pen | Bildquelle: AP
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Schrittweise Entmachtung: Le Pen und Philippot - hier auf einem Foto von 2014 - gehen künftig getrennte Wege.

Le Pen gibt sich überrascht

Dennoch gab sie sich überrascht über Philippots Rückzug: "Ich respektiere seine Entscheidung. Aber ich widerspreche ausdrücklich der Art, wie er sie verpackt hat. Man hat deutlich gespürt, dass es die Strategie gab, Spannungen aufzubauen, nachdem er seinen Verein 'Die Patrioten' gegründet hatte."

Die Gründung seiner Bewegung war allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Nach den mit Pauken und Trompeten verlorenen Wahlen im Frühjahr tobt seit Monaten ein Kampf um die künftige ideologische Ausrichtung der Partei. Philippot war nicht nur Vize-Chef und rechte Hand von Le Pen. Er galt als ideologischer Einflüsterer der Chefin und Miterfinder der von Le Pen verkörperten Entteufelungs-Strategie der Partei. Weg vom rechtsextremen, identitären Anstrich zu einer protektionistischen Wirtschaftspolitik und euro- und europafeindlichen Linie. Letztere, so sehen es viele, hatte den Rechtsextremen im Präsidentschaftswahlkampf viele Stimmen gekostet.

Philippot war für viele Sündenbock

Nach Le Pens missratenem Auftritt beim TV-Duell mit Emmanuel Macron im Präsidentschaftswahlkampf machten viele Parteigrößen Philippot zum Sündenbock. Philippot warnte nun vor einer Rückkehr zu den Wurzeln der rechtsextremen Partei. "Der Front National ist in einem Neugründungsprozess. Woche für Woche habe ich beobachtet, dass es schief lief und dass sich hinter der Neugründung in Wirklichkeit ein fürchterlicher Rückwärtsschritt versteckt. Der Front National wird von seinen alten Dämonen eingeholt."

Es ist nicht der erste Bruch, den die Partei aushalten muss. Ob dieser neue Paukenschlag der Partei schadet oder hilft? Fest steht: Die Partei ist auf dem Selbstfindungstrip. Ein Kongress im nächsten Frühjahr soll einen neuen Namen und eine überdachte Ausrichtung gebären.

FN-Generalsekretär: "Es geht auch ohne ihn"

FN-Generalsekretär Nicolas Bay, Vertreter des identitären Parteiflügels, bedauerte im französischen Radiosender Franceinfo nur mäßig überzeugend die Entscheidung Philippots und wollte keinen Raum für Zweifel aufkommen lassen: Der Front National komme auch ohne seine bisherige Nummer zwei klar. Mit Philippot haben allerdings auch schon andere ihren Rückzug aus der Partei angekündigt. Die Frage ist, in welche Richtung das leckgeschlagene Schiff Front National in Zukunft steuern wird.

Parteivize Philippot verlässt Front National
Kerstin Gallmeyer, ARD Paris
21.09.2017 12:24 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 21. September 2017 Inforadio um 12:30 Uhr und NDR Info um 14:00 Uhr.

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