Zwei Frauen rufen bei einer Demonstration in Madrid der Menge durch ein Megafon zu. | Bildquelle: AP

Internationaler Frauentag Ohne Frau läuft nix

Stand: 08.03.2018 20:35 Uhr

Mehr Rechte, mehr Gleichheit und weniger Gewalt - diesen Forderungen wollten Frauen weltweit mehr Gehör verschaffen. Die Spanierinnen griffen dafür zu einem besonderen Mittel: Sie taten - nichts.

Weltweit haben Frauen den Internationalen Frauentag zum Anlass genommen, um für mehr Gleichberechtigung und gegen Unterdrückung und sexuelle Gewalt zu protestieren.

In Spanien hatten Gewerkschaften erstmals zu einem landesweiten "feministischen Streik" aufgerufen - unter dem Motto: "Wenn Frauen streiken, dann steht die Welt still". Frauen sollten zwei Stunden lang ihre Arbeit niederlegen - egal, ob im Berufsleben oder im eigenen Haushalt. Die Auswirkungen machten sich durchaus bemerkbar: Landesweit fielen knapp 300 Züge aus, in Großstädten wie Madrid oder Barcelona gab es Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr und auf vielen Fernsehsendern verschwanden die Gesichter der weiblichen Moderatoren für eine gewisse Zeit.

Die Frauen, denen es nicht möglich war, sich am Streik zu beteiligen, etwa durch eine Tätigkeit in der Pflege oder für Patienten, sollten als Symbol eine Schürze an den heimischen Balkon binden. Und auch von prominenter Seite bekam die Aktion Unterstützung: Hollywood-Schauspielerin Penélope Cruz sagte mehrere Termine ab und verkündete öffentlich, am heutigen Tag sei es Aufgabe ihres Ehemannes, sich um die gemeinsamen Kinder zu kümmern.

Auf den T-Shirts von Mitarbeiterinnen der spanischen Metro prangt die durch Naomi Parker Fraley inspirierte Feminismus-Ikone "Rosie the Riveter" zurück.. | Bildquelle: JAVIER LIZON/EPA-EFE/REX/Shutter
galerie

Mitarbeiterinnen der spanischen Metro greifen bei ihrem Protest auf die durch Naomi Parker Fraley inspirierte Feminismus-Ikone "Rosie the Riveter" zurück.

Protestaktionen in zahlreichen Ländern

Auch in anderen Staaten demonstrierten Frauen für ihre Rechte: Hunderte Frauen beteiligten sich an einer Demonstration in Südkorea, ebenso im indischen Neu Delhi und auf den Philippinen. In Istanbul zogen Tausende Frauen durch das Stadtzentrum, in der westtürkischen Metropole Izmir kamen Hunderte Teilnehmerinnen zu Protestaktionen zusammen. Im Irak liefen rund 300 Frauen in Mossul einen "symbolischen Marathon" für ihre Rechte.

Und auch politisch mahnten zahlreiche Stimmen, dass der Weg zu einer Gleichstellung der Frau noch lange nicht beendet sei. Frauen rüttelten an den "Säulen des Patriarchats", sagte etwa UN-Generalsekretär Antonio Guterres und sprach weiter von einem "Schlüsselmoment für Frauenrechte". Frauenrechte seien Menschenrechte und darum "können und müssen wir mehr tun".

Nicht genug qualifizierte Frauen? "Grotesk"

Per Videobotschaft forderte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel "mehr Rechte für Frauen und neue Aufgaben für Männer". Der geschäftsführende Justizminister Heiko Maas bezeichnete die Gleichberechtigung als "rechtliches Ideal", das aber nach wie vor nicht vollständig verwirklicht worden sei. Und mit Blick auf die Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt sagte der SPD-Politiker: "Dass sich im Jahr 2018 tatsächlich noch immer einige trauen, zu argumentieren, es gäbe gar nicht genug qualifizierte Frauen, ist grotesk." Ein solches Argument fände er "einfach nur noch peinlich".

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock sieht die künftige Regierung in der Pflicht: "Wer heute Frauentag feiert, muss morgen Geld in die Hand nehmen", etwa für die Finanzierung von genügend Frauenhäusern.

Frankreich will Verstöße öffentlich machen

Die französische Regierung nutzte den Frauentag, um konkrete Schritte im Kampf um Gleichberechtigung in der Arbeitswelt anzukündigen. Präsident Emmanuel Macron zufolge sollen künftig die Namen von Unternehmen, die gegen die Gesetze zur Lohngleichheit verstoßen, öffentlich gemacht werden. Zudem müssten Betriebe künftig mit strengeren Kontrollen und bei Verstößen auch schärferen Sanktionen rechnen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. März 2018 um 20:00 Uhr.

Darstellung: