Präsident Hollande guckt grimmig | Bildquelle: dpa

Von NSA ausgespähte Präsidenten Frankreich bestellt US-Botschafterin ein

Stand: 24.06.2015 11:40 Uhr

Bisher waren die Franzosen mit der NSA-Spähaffäre relativ gelassen umgegangen. Doch nach der Wikileaks-Enthüllung, dass drei Präsidenten abgehört worden sein sollen, ändert sich der Ton. Nach einem Krisentreffen bestellte die Regierung die US-Botschafterin ein.

Frankreich zieht erste Konsequenz aus der Enthüllung über die Abhöraktivitäten der NSA: Für den Nachmittag bestellte Frankreich die US-Botschafterin in Paris ein. Dann wolle Außenminister Laurent Fabius mit der US-Botschafterin Jane Hartley über die Vorwürfe sprechen, verlautete aus diplomatischen Kreisen. Zwischen befreundeten Staaten ist dieser Schritt ungewöhnlich.

Ellis Fröder, ARD Paris, zur NSA-Spähaffäre in Frankreich
tagesschau24 12:15 Uhr, 24.06.2015

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"Machenschaften nicht dulden"

Zuvor hatte sich Präsident François Hollande mit dem Verteidigungsrat beraten und im Anschluss die Vorgänge "inakzeptabel" genannt. "Frankreich wird keinerlei Machenschaften dulden, die seine Sicherheit und den Schutz seiner Interessen in Frage stellen", erklärte der Elysée-Palast.

Hollande hatte zusammen mit führenden Ministern und Armee-Kommandeuren die von der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks und anderen Medien veröffentlichten Informationen geprüft.

Wikileaks hatte am Dienstag enthüllt, dass der US-Geheimdienst NSA Hollande sowie seine Vorgänger Jacques Chirac und Nicolas Sarkozy von 2006 bis 2012 ausgespäht hatte. Bereits in der Vergangenheit waren Aktivitäten der NSA in Frankreich öffentlich geworden.

Erste Enthüllungen 2013

Nach den ersten Enthüllungen Ende 2013 sei Amerika Verpflichtungen eingegangen, die respektiert werden müssten, sagte Regierungssprecher Stéphane Le Foll. Im Interview mit dem im Sender iTélé beschwichtigte er jedoch, das Thema nicht überspitzen zu wollen. "Was passiert ist, ist nicht akzeptabel, aber das heißt trotzdem nicht, dass wir in eine Krise kommen."

Hollande, Sarkozy und Chirac
galerie

Gleich drei französische Präsidenten sollen von der NSA abgehört worden sein.

Frankreichs Nationalversammlung wollte am Mittwochnachmittag das umstrittene neue Geheimdienstgesetz des Landes verabschieden. Es setzt Regeln für französische Spähaktionen. Kritiker befürchten, dass es eine Massenüberwachung im Internet legitimiere.

Hollande bezeichnet NSA-Spionage als "inakzeptabel"
M. Wagner, ARD Paris
24.06.2015 11:56 Uhr

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