Frankreichs Premierminister Manuel Valls | Bildquelle: AFP

Frankreichs Premier zur Flüchtlingspolitik Valls Aufnahmestopp - ein Übersetzungsfehler

Stand: 25.11.2015 09:00 Uhr

Es ist ein kleiner Fehler in der Übersetzung, doch mit großer Wirkung. Einem Zeitungsbericht zufolge sollte Frankreichs Premier Valls einen Aufnahmestopp für Flüchtlinge in Europa gefordert haben. Jetzt kam das Dementi aus Paris.

Von Andreas Teska, ARD-Hörfunkstudio Paris

Der französische Premierminister Manuel Valls hat kein Interview gegeben. Das erklärte das Amt des französischen Premierministers. Wenn derartige Erklärungen abgegeben werden, ist in der Regel etwas schiefgelaufen.

In diesem Fall war es so: Manuel Valls hat gestern einige ausländische Journalisten zu einem Hintergrundgespräch eingeladen. Dabei hat der Premier die französische Haltung zur Flüchtlingsfrage noch einmal erläutert. Die EU müsse ihre Außengrenzen besser kontrollieren, Flüchtlinge aus dem Nahen Osten müssten möglichst nahe ihrer Heimatländer in sogenannten Hotspots untergebracht werden usw. Wenn das nicht geschehe, drohe der Europäischen Union Gefahr, weil die Bürger sonst eines Tages sagen würden: Es reicht Europa!

Fehlendes "so" führt zu angeblichem Aufnahmestopp

Valls hat damit nichts anderes getan, als die seit Wochen bekannte französische Position zu wiederholen. Er hat hinzugefügt, Europa müsse sagen, dass es nicht mehr so viele Flüchtlinge aufnehmen könne wie bisher. Dieser Satz wird ausdrücklich aus seinem Umfeld bestätigt.

Allerdings ist in einer Übersetzung einer Zeitung daraus der Satz geworden "Europa könne nicht noch mehr Flüchtlinge aufnehmen. Das sei unmöglich". Daraus leitet die Zeitung ab, Valls habe einen Aufnahmestopp für Flüchtlinge gefordert.

Damit hätte die Zeitung nur Recht, wenn Valls das so gesagt hätte, hat er aber nicht. Zumindest nicht laut dem Wortlaut, den das Hotel Matignon - der Amtssitz des Premiers - offiziell bestätigt.

Valls und der angebliche Einreisestopp für Flüchtlinge
A. Teska, ARD Paris
25.11.2015 08:28 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 25. November 2015 um 08:48 Uhr bei Inforadio.

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