Marine Le Pen nach ihrer Stimmabgabe bei der zweiten Runde der Regionalwahlen in Frankreich. | Bildquelle: dpa

Regionalwahlen in Frankreich Alle gegen Le Pen?

Stand: 13.12.2015 14:13 Uhr

Beim zweiten Durchgang der Regionalwahlen in Frankreich könnte es knapp werden. Triumphiert wieder der rechtsextreme Front National? In mehreren Regionen hat die Partei Chancen. Doch die Sozialisten zogen aussichtslose Kandidaten zurück, um der Partei von Marine Le Pen den Weg an die Spitze zu verbauen.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Hörfunkstudio Paris

Alles ist möglich und genau das macht den Reiz dieser zweiten Runde aus. Der Wahlforscher Yves-Marie Cann sagt klipp und klar: "Man ist vor Überraschungen nicht gefeit."

Tatsächlich könnte es Überraschungen geben, zum Beispiel in der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie, in der Marine Le Pen, die Chefin des rechtsextremen Front National (FN), vor einer Woche mehr 40 Prozent der Stimmen geholt hat. Die jüngsten Umfragen geben ihr nun 48 Prozent.

Weil aber die Sozialisten ihren Kandidaten aus dem Rennen genommen und dazu aufgerufen haben, den Kandidaten der Republikaner zu wählen, könnte es für Marine Le Pen tatsächlich nicht reichen. Die FN-Chefin sieht es äußerlich gelassen: "Wenn Sie Umfragen haben, die 48 zu 52 lauten, dann sollte man einfach nur vorsichtig sein. Ich bin mit mir im Reinen, wir haben bereits jetzt unglaublich viel erreicht. Und das ist erst der Anfang."

Marine Le Pen | Bildquelle: AP
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Auch wenn sie nicht gewinnen sollte, sieht sich Marine Le Pen bereits als Siegerin.

Republikaner setzen auf Unterstützung der Linken

Ihr Kontrahent von den bürgerlich-konservativen Republikanern, Xavier Bertrand, zählt vor allem auf diejenigen, die in der ersten Runde noch nicht zur Wahl gegangen sind: Nur jeder zweite Franzose gab seine Stimme ab.

Ansonsten gibt sich Bertrand als parteiübergreifender Kandidat, als absolute Alternative zum FN: "Ich weiß, dass viele Nichtwähler der ersten Runde aus dem rechten und aus dem linken Lager jetzt wählen gehen, um den Front National zu verhindern. Die Linken können ihre linke Identität behalten, ich kenne meinen Pflichten."

Ein Plakat mit Marion Maréchal Le Pen | Bildquelle: AP
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Ein Plakat mit Marion Maréchal Le Pen, aussichtsreiche Kandidatin im Süden.

Verzicht war "würdige Entscheidung"

Im Süden der Republik, in der Region Provence-Alpes-Cotes-d'Azur, könnte es ebenfalls recht eng werden. Marion Maréchal-Le Pen, die Enkelin des Parteigründers Jean-Marie Le Pen , liegt dort den letzten Umfragen zufolge nur ganz knapp hinter dem Republikaner. Auch dort hatten die Sozialisten ihren Kandidaten zurückgezogen und zur Wahl der Konservativen aufgerufen.

"Natürlich war das eine schwierige Entscheidung", räumt der sozialistische Premierminister Manuel Valls ein. "Aber sie war eine würdige Entscheidung, und so eine wünsche ich mir auch von Jean-Pierre Masseret im Osten des Landes.“

Aber Masseret dachte nicht daran, klein beizugeben. Er tritt an und zwar, um den Sozialisten Heim statt und Stimme zu bieten, sagt er. Denn sonst wären im nächsten Regionalparlament überhaupt keine Sozialisten vertreten.

Chancen für den FN auch im Osten und Südwesten

Andererseits könnte die Zersplitterung der Listen im Osten für einen lachenden Dritten sorgen: Florian Philippot vom FN, der Spin Doctor von Marine Le Pen. Er sagte: "Wir haben jetzt die Möglichkeit, einen Wechsel in der Region Elsass, Lothringen, Champagne, Ardennen herbeizuführen, und ich rufe alle Wähler auf, sich uns anzuschließen und unsere Projekte für die Region zu unterstützen: Für wirtschaftliche Entwicklung, Kultur, Arbeitsplätze und gegen regionale Subventionen für Flüchtlinge."

In insgesamt 13 Regionen wird gewählt, ebenfalls gute Chancen hat ein weiteres Mitglied des Le Pen Clans, Louis Aliot, der Mann von Marine Le Pen: Er tritt im Südwesten an und könnte dort, quasi im Windschatten von Frau und Nichte, als Sieger hervorgehen. Wie gesagt: Überraschungen sind in dieser zweiten Runde nicht ausgeschlossen.

Ausgang der französischen Regionalwahlen ungewiss
Barbara Kostolnik, ARD-Hörfunkstudio Paris
13.12.2015 02:44 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 13. Dezember 2015 um 02:44 Uhr auf NDR Info.

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Barbara Kostolnik, WDR

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