Marine Le Pen freut sich über ihren Wahlsieg. | Bildquelle: REUTERS

Rechtsextreme siegen bei französischen Regionalwahlen  "Das Volk hat gesprochen"

Stand: 07.12.2015 02:07 Uhr

Frankreich hat gewählt - und der erste Wahlgang der Regionalwahlen ist so ausgegangen, wie viele prognostiziert und noch mehr befürchtet hatten: Der Front National wurde die stärkste Kraft, wie es auch Marine Le Pen, die Chefin der rechtsextremen Partei, prophezeit hatte.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Hörfunkstudio Paris

Es gab sie in der Tat, die Welle des rechtsextremen Front National und besonders stark erwischte sie den Norden und den Süden des Landes: "Im Norden liegt Marine Le Pen mit 40,3 Prozent in Führung", verkündeten die Nachrichten kurz nach Schließung der Wahllokale, "und im Süden, Marion Maréchal Le Pen mit 41,2 Prozent ebenfalls unangefochten an der Spitze."

Marine Le Pen also mit weitem Abstand an erster Stelle in der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie, einer Region so groß wie Belgien - und ihre Nichte Marion Maréchal Le Pen ebenfalls weit vorne im Süden: in der Region Provence-Alpes-Cotes d’Azur. Große Freude beim FN und die Genugtuung war Marine Le Pen deutlich anzusehen - ihr Grinsen sprengte fast den Bildschirm. "Das Volk hat gesprochen", rief sie in die Runde, und mit diesem Votum hebt Frankreich das Haupt, die Wahl bestätigt, was alle Umfragen gesagt haben: Der FN ist von nun an die erste Partei Frankreichs."

Der Front National erobert Frankreich
Barbara Kostolnik, ARD-Hörfunkstudio Paris
07.12.2015 00:49 Uhr

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Weitere Niederlage für Sozialisten

Durch den Erfolg in der ersten Runde der Regionalwahlen wurden die schlimmsten Alpträume der Sozialisten wahr. Seit Francois Hollande Präsident ist, haben sie keine Wahl mehr gewinnen können. Der Präsident aber schweigt - und lässt den Parteivorsitzenden Jean-Christophe Cambadélis sprechen, der sich Mut zuspricht, indem er alle Stimmen des linken Lager zusammenzählt: "Das gesamte Linke Lager kann noch gewinnen, mit Kommunisten, Grünen. Die Linke ist die erste Kraft, wenn sie geeint ist."

Konservative konnten nicht überzeugen

Unbehagen auch bei Nicolas Sarkozy. Der Vorsitzende der bürgerlich-konservativen Republikaner war genau vor einem Jahr mit dem Versprechen angetreten, genau dieser Welle des FN Paroli zu bieten. Sarkozy tritt als erster vor die Kameras. Er gibt den großen Warner und wendet sich direkt an die FN-Wähler: "Wir haben ihre Ängste gehört, aber Sie werden keine Antwort von einer Partei bekommen, deren Vorschläge die Situation in Frankreich dramatisch verschlimmern würden und die bedeuten würden, dass eine gefährliche Unordnung in die Regionen und das Land einzieht."

Ex-Präsident Nicolas Sarkozy | Bildquelle: AFP
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Die Partei von Ex-PräsidentSarkozy konnte sich gegen den FN nicht profilieren.

Die Angst als Wahlgrund

Aus ehemals 22 hatte die sozialistische Regierung im August dieses Jahres 13 Regionen geformt, sie mit mehr Kompetenzen ausgestattet. Dazu gehören Wirtschaftsförderung und Tourismus, Verkehr und Berufsausbildung, nicht jedoch Sicherheit und Polizei. Dennoch: Das unausgesprochen wichtigste Thema der Regionalwahlen war Angst. Die innere Sicherheit nach den Anschlägen von Paris, die Flüchtlinge, die allerdings vor allem nach Deutschland kommen und die schlechte Wirtschaftslage beunruhigen viele Franzosen.

Höhere Wahlbeteiligung

Interessant jedoch auch: Die Wahlbeteiligung lag mit 51 Prozent um etwa fünf Prozentpunkte höher als vor fünf Jahren. "Diese fast fünf Prozentpunkte", erklärte Bruno Jeanbart vom Meinungsforschungsinstitut Opinionway, "bedeuten eine etwas bessere Mobilisierung, aber es hat nach den Anschlägen vom 13. November eben keine massive Mobilisierung von Wählern gegeben, die in den Wahllokalen eine Antwort auf diese Anschläge geben wollten."

Viele der etwa 44 Millionen Wahlberechtigten hatten im Vorfeld der Wahlen erklärt, die Nase voll zu haben von einer Politik, die ohnehin nichts ändern würde. Einige aber haben sich ihre Stimme für den 13. Dezember aufgespart, in der zweiten Runde der Regionalwahlen geht es schließlich für alle Beteiligten ums Ganze.

Dieser Beitrag lief am 07. Dezember 2015 um 6:00 Uhr auf Inforadio

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